Immer müde: Ursachen und was wirklich hilft

Veröffentlicht am · 13 Min. Lesezeit

Immer müde?: Die häufigsten Ursachen und was wirklich hilft

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut DEGAM-Leitlinie steckt bei müden Hausarztpatienten in 18,5 Prozent eine Depression oder Angststörung dahinter, in 2,8 Prozent eine Blutarmut und in 0,6 Prozent ein Tumor.
  • Erwachsene brauchen meist 7 bis 9 Stunden Schlaf; in Deutschland geben 15,5 Prozent an, nicht erholsam zu schlafen.
  • In der Studie SHIP-Trend hatten 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen eine mittel- bis schwergradige Schlafapnoe, meist unerkannt.
  • Hält die Müdigkeit länger als vier Wochen an, empfiehlt die Leitlinie Blutzucker, Differenzialblutbild, BSG oder CRP, Leberwerte und TSH, bei Frauen im gebärfähigen Alter ergänzend Ferritin.
  • Eisentabletten helfen müden Frauen laut Leitlinie erst bei deutlichem Mangel (Ferritin unter 15 µg/l), ein niedriger Vitamin-D-Wert hängt nicht mit mehr Müdigkeit zusammen.

Wer immer müde ist, hat meistens zu wenig oder schlechten Schlaf, zu viel Stress oder zu wenig Bewegung, oft alles zusammen. Ernste körperliche Ursachen sind seltener, als viele fürchten: In einer Übersicht hausärztlicher Studien steckte bei 2,8 Prozent der Müden eine Blutarmut dahinter, bei 0,6 Prozent ein Tumor, deutlich häufiger dagegen eine Depression oder Angststörung (18,5 Prozent). Hält die Müdigkeit länger als vier Wochen an, lohnt sich der Gang zur Hausarztpraxis, die dann laut Leitlinie ein kleines Basislabor mit Blutbild, Blutzucker, Entzündungswert, Leberwerten und Schilddrüsenwert TSH macht.

Hier liest du, welche Ursachen hinter Dauermüdigkeit stecken können, woran du sie erkennst, warum du trotz acht Stunden Schlaf müde sein kannst, was die Ärztin oder der Arzt typischerweise untersucht und was du selbst tun kannst. Grundlage ist vor allem die S3-Leitlinie „Müdigkeit“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), die Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland als Richtschnur dient.

Du bist damit übrigens in großer Gesellschaft. In einer deutschen Bevölkerungsbefragung, die die Leitlinie zitiert, gaben 31 Prozent der über 16-Jährigen an, manchmal oder häufig unter Ermüdungserscheinungen zu leiden. Weltweit gehört Müdigkeit zu den zehn häufigsten Gründen für einen Besuch in der Hausarztpraxis.

Kurz erklärt: Müdigkeit und Schläfrigkeit sind nicht dasselbe. Schläfrig bist du, wenn dir tagsüber die Augen zufallen, etwa beim Fernsehen oder im Auto. Müde im weiteren Sinn heißt erschöpft, antriebslos, ohne Energie, auch wenn du gar nicht einschlafen könntest. Schläfrigkeit spricht eher für ein Schlafproblem, Erschöpfung hat mehr mögliche Ursachen.

Die häufigsten Ursachen für ständige Müdigkeit

Die DEGAM-Leitlinie betont, dass meistens mehrere Dinge zusammenkommen: Schlaf, Psyche, Lebensumstände und manchmal eine Krankheit. Oft findet sich gar keine einzelne Ursache. Das ist frustrierend, aber auch beruhigend, denn es heißt meist, dass nichts Schlimmes dahintersteckt.

Zu wenig Schlaf oder schlechter Schlaf

Der Klassiker und mit Abstand die häufigste Erklärung. Erwachsene brauchen laut National Sleep Foundation meist 7 bis 9 Stunden Schlaf, ab 65 Jahren 7 bis 8 Stunden. Wer unter der Woche mit sechs Stunden auskommt und am Wochenende bis mittags schläft, hat ein chronisches Schlafdefizit, auch wenn er sich daran gewöhnt hat.

Nicht nur die Dauer zählt, auch die Qualität. Laut der Leitlinie gaben in Deutschland 15,5 Prozent der Menschen an, nicht erholsam zu schlafen, mehr als im Schnitt von sieben europäischen Ländern (10,8 Prozent). Typische Störenfriede sind Kaffee am Nachmittag, Alkohol am Abend, ein zu warmes oder helles Schlafzimmer und wechselnde Schlafenszeiten. Was dagegen hilft, haben wir in Besser schlafen: 15 Tipps, die laut Studien wirklich helfen zusammengestellt. Wachst du nachts oft auf, lies unseren Ratgeber Durchschlafen: Ursachen und was hilft.

Schlafapnoe: Atemaussetzer, die keiner merkt

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe fällt nachts immer wieder der Rachen zusammen, die Atmung setzt kurz aus, das Gehirn schreckt hoch. Du merkst davon nichts, schläfst aber zerstückelt und bist morgens wie gerädert. In der Studie SHIP-Trend aus Vorpommern hatten 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen eine mittel- bis schwergradige Schlafapnoe, die meisten wussten es nicht.

Die DEGAM-Leitlinie zählt die Schlafapnoe zu den Ursachen, die die Praxis keinesfalls übersehen darf. Zwei Fragen helfen: Schnarchst du laut oder hat jemand Atempausen bei dir bemerkt? Schläfst du tagsüber ungewollt ein, wo es nicht passt, etwa in Besprechungen oder am Steuer? Wenn ja, gehört das in die Praxis und wahrscheinlich ins Schlaflabor. Mehr dazu in unserem Artikel Schnarchen: Ursachen, Schlafapnoe und was wirklich hilft.

Depression, Angst und Dauerstress

Müdigkeit ist eines der häufigsten Symptome einer Depression. Laut Leitlinie berichten 73 Prozent der Menschen mit Depression in Bevölkerungsuntersuchungen über Müdigkeit. Unter allen Ursachen, die in Hausarztpraxen hinter Müdigkeit gefunden werden, ist die Depression die einzige, die bei müden Patienten deutlich häufiger vorkommt als bei anderen.

Die Leitlinie empfiehlt dafür zwei einfache Fragen, bezogen auf die letzten vier Wochen: Hast du dich oft niedergeschlagen, schwermütig oder hoffnungslos gefühlt? Hattest du wenig Interesse oder Freude an Dingen, die du sonst gern tust? Sind beide Antworten „nein“, ist eine ausgeprägte Depression sehr unwahrscheinlich. Ist eine davon „ja“, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt darüber.

Achtung: Wenn du dich hoffnungslos fühlst oder Gedanken hast, dir etwas anzutun, warte nicht. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, in Deutschland unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, in Österreich unter 142. Im Notfall wähle 112.

Auch ohne Depression kann Dauerstress erschöpfen, ebenso das Gegenteil: Unterforderung und Langeweile. Die DEGAM hat für beide Fälle sogar eigene Patientenbriefe herausgegeben. Wie Stresshormone und Schlaf zusammenhängen, erklären wir im Ratgeber Cortisol senken.

Eisenmangel

Eisenmangel ist bei Frauen mit Regelblutung häufig und kann müde, blass und kurzatmig machen. Laut Leitlinie ist die Sache aber komplizierter, als Werbung für Eisentabletten nahelegt. Eine Blutarmut (Anämie) fand sich in einer Übersicht bei knapp 3 Prozent der Müden als Ursache. Bei leichtem Eisenmangel ohne Blutarmut (Ferritin unter 50 µg/l) sind die Effekte von Eisentabletten laut Leitlinie vermutlich Placebowirkungen.

Anders sieht es bei deutlichem Mangel aus. Müde Frauen im gebärfähigen Alter mit einem Ferritin unter 15 µg/l oder einer Transferrinsättigung unter 20 Prozent profitierten in Studien von Eisen, sie waren weniger müde und leistungsfähiger. Eisen nimmst du deshalb nur nach Bluttest, nie auf Verdacht. Wie du einen Mangel erkennst und was du essen kannst, steht in Eisenmangel: Symptome, Ferritin und was wirklich hilft.

Vitamin-B12-Mangel

Ein B12-Mangel kann Blutarmut, Müdigkeit, Kribbeln in Händen und Füßen und Konzentrationsprobleme auslösen. Gefährdet sind vor allem Menschen, die sich vegan ernähren und kein Präparat nehmen, ältere Menschen mit Magenproblemen und alle, die lange Metformin oder Magensäureblocker nehmen. Für alle anderen ist B12 als Ursache von Müdigkeit eher selten, denn der Körper hat Vorräte für Jahre.

Zur Basisuntersuchung bei Müdigkeit gehört B12 laut Leitlinie nicht. Gehörst du zu einer Risikogruppe oder zeigt das Blutbild vergrößerte rote Blutkörperchen, lohnt sich der Test. Details dazu in Vitamin B12: Mangel erkennen und richtig testen.

Vitamin D: seltener schuld als gedacht

Vitamin D wird im Internet gern als Ursache für Wintermüdigkeit genannt. Die Datenlage gibt das nicht her. Die DEGAM-Leitlinie hält fest, dass ein Vitamin-D-Defizit nicht mit vermehrter Müdigkeit zusammenhängt, und warnt vor einer Scheinassoziation: Weil müde Menschen häufiger getestet werden, finden sich bei ihnen auch häufiger niedrige Werte. Nehmen sie dann Vitamin D und fühlen sich besser, kann das ein Placeboeffekt sein.

Das heißt nicht, dass Vitamin D unwichtig ist. Für Knochen und Muskeln brauchst du es, und von Oktober bis März bildet die Haut in Deutschland und Österreich kaum welches. Was ein echter Mangel ist und wann ein Präparat sinnvoll ist, erklärt unser Ratgeber Vitamin D: Mangel, Blutwerte und richtige Dosis.

Merke: Ein auffälliger Laborwert ist nicht automatisch die Erklärung für deine Müdigkeit. Die Leitlinie nennt es einen häufigen Fehler, pathologische Werte vorschnell als ausreichenden Grund zu akzeptieren und dabei Schlaf, Stress oder Stimmung zu übersehen.

Schilddrüse, Diabetes und andere Krankheiten

Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann müde, antriebslos und kälteempfindlich machen, ein unerkannter Diabetes ebenfalls schlapp. Beides prüft die Praxis über TSH und Blutzucker im Basislabor. Laut Leitlinie werden solche Erkrankungen bei Müdigkeit eher vereinzelt gefunden. Zusammengenommen machten Diabetes, Schilddrüsenstörungen, die Lungenkrankheit COPD und andere ernste körperliche Ursachen in methodisch guten Studien etwa 4 Prozent aus.

Weitere mögliche Auslöser sind Zöliakie (laut Leitlinie bei 2 bis 3 Prozent der Müden, abgeklärt wird sie aber nur bei zusätzlichen Beschwerden wie Durchfall, Blutarmut oder erhöhten Leberwerten), Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen sowie Krebs. Ernste Krankheiten zeigen sich laut Leitlinie aber praktisch immer auch durch andere Auffälligkeiten.

Bewegungsmangel und Übergewicht

Klingt paradox, ist aber gut belegt: Wer sich wenig bewegt, ist müder. Laut Leitlinie verbessert Ausdauertraining das Befinden bei Gesunden und bei vielen chronischen Krankheiten. Es entsteht leicht ein Teufelskreis: Du bist müde, bewegst dich weniger, wirst untrainierter und damit noch schneller müde. Übergewicht führt laut Leitlinie auch unabhängig von einer Schlafapnoe zu mehr Tagesmüdigkeit.

Medikamente, Alkohol und andere Substanzen

Viele Medikamente machen müde. Die Leitlinie nennt unter anderem Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen wie Zopiclon), einige Antidepressiva, ältere Antihistaminika gegen Allergien, Betablocker und andere Blutdrucksenker, Migränemittel und Opiate. Wenn die Müdigkeit kurz nach einem neuen Medikament angefangen hat, sprich das in der Praxis an. Setz aber nichts eigenmächtig ab.

Alkohol macht zwar schläfrig, verschlechtert aber den Schlaf in der zweiten Nachthälfte und verkürzt den REM-Schlaf, schon ab etwa zwei Gläsern. Auch zu viel Koffein kann am nächsten Tag müde machen, wenn es den Nachtschlaf kostet: Im Schnitt verkürzt Koffein den Schlaf um 45 Minuten.

Nach Infekten und bei ME/CFS

Nach einer Grippe, Corona oder einem Pfeifferschen Drüsenfieber kann die Erschöpfung wochen- bis monatelang anhalten. Laut Leitlinie klagten 47 Prozent der Menschen mit Pfeifferschem Drüsenfieber und 20 Prozent mit anderen Atemwegsinfekten über Erschöpfung. Meist bessert sich das von selbst.

Selten steckt das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) dahinter, in Hausarztpraxen bei 0,2 bis 1,8 Prozent der Müden. Typisch ist die sogenannte Post-Exertionelle Malaise (PEM): Nach körperlicher oder geistiger Anstrengung geht es dir nicht nur kurz, sondern tagelang deutlich schlechter. Wenn du das kennst, sag es deiner Ärztin oder deinem Arzt früh, denn dann ist vorsichtiges Dosieren von Aktivität wichtiger als Training.

Wie häufig welche Ursache ist

Die folgende Tabelle zeigt, was Studien in Hausarztpraxen bei Menschen gefunden haben, die wegen Müdigkeit kamen und deren Ursache noch nicht bekannt war. Sie zeigt auch, wie selten wirklich gefährliche Krankheiten sind.

UrsacheAnteil bei müden Patienten (Schätzwert)
Depression oder Angststörung18,5 % (Spanne guter Studien: 16,2 bis 21,0 %)
Ernste körperliche Ursachen wie Diabetes, Schilddrüsenstörung, COPD (zusammen)4,3 % (3,4 bis 5,9 %)
Blutarmut (Anämie)2,8 % (1,4 bis 4,6 %)
Zöliakie2 bis 3 %
ME/CFS0,2 bis 1,8 %
Krebs0,6 % (0,3 bis 0,7 %)
Quelle: DEGAM S3-Leitlinie Müdigkeit (Stand Dezember 2022, gültig bis Ende 2027), Kapitel 4.2, nach systematischen Übersichten hausärztlicher Studien. Schlafmangel und Lebensstil wurden in diesen Studien nicht als eigene Diagnose gezählt.

In Deutschland haben laut Leitlinie etwa 11 Prozent der Patienten in Hausarztpraxen eine unerklärte Müdigkeit, die länger als einen Monat anhält. Bei vielen bessert sie sich, bei einem Teil bleibt sie über ein Jahr bestehen.

Immer müde trotz genug Schlaf

Acht Stunden im Bett und trotzdem kaputt? Dann lohnt der Blick auf die Qualität. Die häufigsten Gründe sind eine unerkannte Schlafapnoe (vor allem, wenn du schnarchst), Alkohol am Abend, ein unruhiger Schlaf durch Lärm, Licht oder ein Partner, der schnarcht, und unregelmäßige Schlafzeiten. Auch Schichtarbeit bringt die innere Uhr durcheinander.

Dazu kommt ein Wahrnehmungseffekt. Acht Stunden im Bett sind nicht acht Stunden Schlaf. Wer 30 Minuten zum Einschlafen braucht und nachts zweimal 20 Minuten wach liegt, schläft gut eine Stunde weniger, als er denkt. Ein einfaches Schlaftagebuch über zwei Wochen zeigt dir, wie viel du wirklich schläfst. Die DEGAM bietet dafür sogar ein Schlafprotokoll zum Ausdrucken an.

Wenn Schlafdauer und Schlafqualität stimmen und du trotzdem seit Wochen erschöpft bist, ist das ein guter Grund für den Arzttermin. Dann kommen Stimmung, Stress, Medikamente und die körperlichen Ursachen von oben ins Spiel.

Müde nach dem Essen

Das Tief nach dem Mittagessen ist normal und kommt teilweise sogar ohne Essen, weil es in der inneren Uhr angelegt ist. Verstärkt wird es vor allem durch große Portionen. In einem Fahrsimulator-Versuch machten junge Männer nach einem schweren Mittagessen mit 922 kcal deutlich mehr Müdigkeitsfehler als nach einem leichten mit 305 kcal.

Auch viele schnell verfügbare Kohlenhydrate auf einmal machen eher schlapp als munter. In einer Meta-Analyse aus 31 Studien fühlten sich die Teilnehmenden in der ersten Stunde nach Kohlenhydraten müder als mit Placebo, ein „Zuckerhoch“ gab es nicht. Welche Lebensmittel besonders müde machen und was du stattdessen isst, liest du in 7 Lebensmittel, die müde machen.

Tipp: Iss mittags eine normale statt einer riesigen Portion, mit Gemüse und Eiweiß statt nur Nudeln, und geh danach zehn Minuten an die frische Luft. Wenn es geht, ist ein Nickerchen von 10 bis 20 Minuten am frühen Nachmittag die beste Medizin, wie wir im Artikel Mittagsschlaf: Wie lange ist ideal? erklären.

Wirst du nach dem Essen regelmäßig so müde, dass du kaum die Augen offen halten kannst, oder hast du zusätzlich viel Durst und musst oft auf die Toilette, lass deinen Blutzucker prüfen.

Was der Hausarzt bei Müdigkeit prüft

Die DEGAM-Leitlinie beschreibt, wie die Abklärung in der Hausarztpraxis typischerweise abläuft. Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch: Seit wann bist du müde, wie stark schränkt es dich ein, wie schläfst du, schnarchst du, wie ist die Stimmung, gibt es Stress in Job oder Familie, welche Medikamente nimmst du, hast du abgenommen? Dann folgt eine körperliche Untersuchung, die sich an deinen Antworten orientiert.

Blut abgenommen wird laut Leitlinie erst, wenn die Müdigkeit länger als vier Wochen anhält und sich im Gespräch und bei der Untersuchung keine klare Spur findet. Das ist kein Desinteresse: Viele Müdigkeitsphasen gehen in dieser Zeit von selbst vorbei, und je mehr Werte man misst, desto häufiger findet man rein zufällig einen auffälligen. In einer Vergleichsstudie hatte das Abwarten keine Nachteile für die Patienten.

UntersuchungWonach sie sucht
BlutzuckerDiabetes
DifferenzialblutbildBlutarmut, Entzündungen, Hinweise auf Blutkrankheiten
Blutsenkung (BSG) oder CRPEntzündungen und Infekte
Leberwerte (Transaminasen, Gamma-GT)Lebererkrankungen, auch durch Alkohol
TSHUnter- oder Überfunktion der Schilddrüse
Ferritin (bei Frauen im gebärfähigen Alter, ergänzend)Eisenmangel
Quelle: DEGAM S3-Leitlinie Müdigkeit (2022), Kapitel 5.3, Basislabor bei Müdigkeit über vier Wochen ohne Hinweis auf eine bestimmte körperliche Ursache.

Nicht routinemäßig vorgesehen sind laut Leitlinie Hormontests, Immunwerte, Ultraschall des Bauchs, Nierenwerte und Ferritin bei allen anderen Gruppen. Diese Tests sind nur dann sinnvoll, wenn es konkrete Hinweise gibt, zum Beispiel Ferritin bei starker Regelblutung, Ausdauersport oder veganer Ernährung. Vitamin B12 und Vitamin D stehen ebenfalls nicht auf der Basisliste.

Die Leitlinie empfiehlt außerdem einen Folgetermin, auf dem die Ergebnisse besprochen werden. Ein Symptomtagebuch, in dem du Schlaf, Energie und Aktivitäten notierst, kann dabei helfen.

Achtung: Geh nicht erst nach vier Wochen, sondern zeitnah in die Praxis, wenn zur Müdigkeit ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß, Atemnot, Herzrasen, Blut im Stuhl, tastbare Knoten, starke Kopfschmerzen oder neurologische Ausfälle dazukommen, oder wenn du tagsüber am Steuer einnickst.

Was hilft gegen Müdigkeit: die Selbsthilfe

Die gute Nachricht: Bei den meisten Menschen bringen ein paar Stellschrauben spürbar mehr Energie. Die DEGAM-Leitlinie setzt vor allem auf aktivierende Maßnahmen, also Bewegung in kleinen, realistischen Schritten.

Schlaf als Erstes

Steh jeden Tag zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende, und plane so, dass 7 bis 9 Stunden Schlaf möglich sind. Mit dem Schlafrechner findest du die passende Zeit. Den letzten Kaffee trinkst du am besten mindestens 8,8 Stunden vor dem Schlafengehen, bei 23 Uhr also bis gut 14 Uhr.

Morgens raus ins Tageslicht

Licht am Vormittag stellt die innere Uhr und macht wacher. Ein Spaziergang zum Bäcker oder der Weg zur Arbeit zu Fuß reicht oft schon.

Bewegen, auch wenn du keine Lust hast

Fang klein an: zehn Minuten zügiges Gehen am Tag, nach einer Woche zwanzig. Ausdauertraining verbessert laut Leitlinie das Befinden, wichtig ist nur, dich nicht zu überfordern. Wie du ohne Druck einsteigst, steht in Schritte pro Tag und Joggen für Anfänger. Bei ME/CFS gilt das ausdrücklich nicht, dort steht das Dosieren der Kräfte im Vordergrund.

Alkohol am Abend weglassen

Probier es zwei Wochen aus und achte darauf, wie du morgens aufwachst.

Genug trinken

Schon ein mittlerer Wassermangel kann laut DGE-Arbeitsgruppe Sporternährung Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme machen. Die DGE empfiehlt Erwachsenen rund 1,5 Liter Getränke am Tag, mehr bei Hitze und Sport.

Kleinere Portionen, regelmäßig essen

Statt mittags einer riesigen Portion Nudeln lieber eine normale Portion mit Gemüse und einer Eiweißquelle. Ein Stück Obst und eine Handvoll Nüsse am Nachmittag halten länger vor als der Schokoriegel.

Pausen und Entspannung

Bei Stress helfen feste Pausen, ein klares Arbeitsende und Entspannungsverfahren. Die DEGAM gibt Patienten dazu eigene Merkblätter zu Aktivität und Entspannung mit.

Was nicht hilft

Energydrinks und Koffeintabletten überdecken die Müdigkeit nur und kosten nachts Schlaf. Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht (Eisen, B12, Vitamin D, „Anti-Müdigkeits“-Kombis) bringen ohne nachgewiesenen Mangel nach heutigem Wissen nichts, Eisen kann bei Gesunden sogar schaden.

So fängst du an

Wenn du seit Wochen ständig müde bist, probier diesen Zwei-Wochen-Plan, bevor du an Tabletten denkst. Bessert sich nichts, hast du für den Arzttermin gleich gute Notizen dabei.

  1. Schlaftagebuch führen: Notiere jeden Tag, wann du ins Bett gehst, wann du aufstehst, wie oft du wach warst und wie fit du dich tagsüber fühlst (Skala 1 bis 10).
  2. Feste Aufstehzeit festlegen, sieben Tage die Woche, und sieben bis neun Stunden Bettzeit einplanen.
  3. Kaffee nur bis zum frühen Nachmittag, Alkohol zwei Wochen lang ganz weglassen.
  4. Jeden Tag mindestens 20 Minuten draußen gehen, am besten vormittags.
  5. Die zwei Depressionsfragen ehrlich beantworten (siehe oben) und deinen Partner fragen, ob du schnarchst oder Atempausen hast.
  6. Nach zwei bis vier Wochen Bilanz ziehen. Ist es nicht besser, mach einen Termin in der Hausarztpraxis und nimm Schlaftagebuch und Medikamentenliste mit.

Häufige Fragen

Warum bin ich immer müde, obwohl ich genug schlafe?

Am häufigsten liegt es an schlechter Schlafqualität, etwa durch eine unerkannte Schlafapnoe, Alkohol am Abend, Lärm oder unregelmäßige Schlafzeiten. Auch Stress, eine depressive Verstimmung, Bewegungsmangel oder Medikamente können dahinterstecken, seltener Eisenmangel, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes. Hält die Müdigkeit länger als vier Wochen an, lass es in der Hausarztpraxis abklären.

Welcher Mangel macht müde?

Vor allem ein deutlicher Eisenmangel und ein Vitamin-B12-Mangel, beide können zu Blutarmut führen. Ein leichter Eisenmangel ohne Blutarmut erklärt Müdigkeit laut DEGAM-Leitlinie dagegen meist nicht, und ein niedriger Vitamin-D-Wert hängt laut Leitlinie nicht mit mehr Müdigkeit zusammen. Ob dir etwas fehlt, zeigt nur ein Bluttest.

Welche Blutwerte sollte man bei Müdigkeit testen?

Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt bei Müdigkeit über vier Wochen ohne klare Ursache Blutzucker, Differenzialblutbild, Blutsenkung oder CRP, Leberwerte (Transaminasen oder Gamma-GT) und TSH. Bei Frauen im gebärfähigen Alter kann zusätzlich Ferritin bestimmt werden. Weitere Tests sind nur bei konkreten Hinweisen sinnvoll.

Was hilft schnell gegen Müdigkeit?

Kurzfristig helfen frische Luft, ein paar Minuten Bewegung, ein Glas Wasser und ein Nickerchen von 10 bis 20 Minuten. Ein Kaffee wirkt auch, aber nur bis zum frühen Nachmittag, sonst kostet er dich den Nachtschlaf und damit die Energie am nächsten Tag. Dauerhaft hilft nur, die Ursache anzugehen, meist Schlaf, Bewegung und Stress.

Kann ständige Müdigkeit ein Zeichen für eine ernste Krankheit sein?

Selten. In hausärztlichen Studien steckte bei 0,6 Prozent der Müden ein Tumor dahinter, bei rund 4 Prozent eine andere ernste körperliche Erkrankung wie Diabetes oder eine Schilddrüsenstörung. Ernste Krankheiten zeigen sich laut Leitlinie fast immer zusätzlich durch andere Beschwerden wie Gewichtsverlust, Fieber oder auffällige Befunde. Kommen solche Warnzeichen dazu, geh zeitnah zum Arzt.

Warum bin ich nach dem Essen so müde?

Ein Leistungstief am frühen Nachmittag ist normal und kommt aus der inneren Uhr. Große Portionen und viele schnell verfügbare Kohlenhydrate verstärken es. Kleinere Portionen mit Gemüse und Eiweiß und ein kurzer Spaziergang danach helfen meist schon.

Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und belegen ihn mit Quellen. Er ersetzt aber keine persönliche Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Diätologin. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Praxis. Mehr dazu: So arbeiten wir.

Quellen

  1. Baum E, Lindner N, Maisel P für die DEGAM (2022): S3-Leitlinie Müdigkeit, AWMF-Register-Nr. 053-002, Langfassung
  2. DEGAM (2022): S3-Leitlinie Müdigkeit, Kurzversion
  3. Fietze I et al. (2019): Prevalence and association analysis of obstructive sleep apnea with gender and age differences – Results of SHIP-Trend. J Sleep Res 28:e12770
  4. Hirshkowitz M et al. (2015): National Sleep Foundation's sleep time duration recommendations: methodology and results summary. Sleep Health 1:40–43
  5. Gardiner C et al. (2023): The effect of caffeine on subsequent sleep: A systematic review and meta-analysis. Sleep Med Rev 69:101764
  6. Mantantzis K et al. (2019): Sugar rush or sugar crash? A meta-analysis of carbohydrate effects on mood. Neurosci Biobehav Rev 101:45–67
  7. Reyner LA et al. (2012): 'Post-lunch' sleepiness during prolonged, monotonous driving – effects of meal size. Physiol Behav 105:1088–1091
  8. TelefonSeelsorge Deutschland

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