Eisenmangel: Symptome, Ferritin-Wert und eisenreiche Lebensmittel
Das Wichtigste in Kürze
- In Europa haben 5 bis 10 Prozent der Menschen einen Eisenmangel, bei Frauen im gebärfähigen Alter etwa 20 Prozent.
- Ein Ferritin unter 15 µg/l beweist einen Eisenmangel; die Onkopedia-Leitlinie empfiehlt für Erwachsene 30 µg/l als Untergrenze.
- Seit der Neubewertung 2023 empfiehlt die DGE Männern 11 mg, Frauen vor den Wechseljahren 16 mg und Schwangeren 27 mg Eisen pro Tag.
- Eine Tasse Kaffee zum Essen senkte die Eisenaufnahme in einem Versuch um 39 Prozent, Schwarztee um 64 Prozent; eine Stunde vorher getrunken hatte Kaffee keinen Effekt.
- Eisentabletten nur nach Bluttest: Etwa einer von 200 Menschen in Deutschland trägt die Anlage für die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose doppelt, das BfR empfiehlt höchstens 6 mg Eisen pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln.
Eisenmangel ist laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (Onkopedia) die häufigste Mangelerkrankung der Welt. In Europa betrifft er 5 bis 10 Prozent der Menschen, bei Frauen im gebärfähigen Alter etwa jede fünfte. Ein Ferritinwert unter 15 µg/l beweist einen Eisenmangel, die Leitlinie empfiehlt für Erwachsene aber schon 30 µg/l als Grenze. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Frauen vor den Wechseljahren 16 mg Eisen am Tag, Männern 11 mg. Eisentabletten gehören erst nach einem Bluttest auf den Tisch, denn der Körper kann überschüssiges Eisen nicht ausscheiden.
Unten liest du, an welchen Symptomen du einen Mangel erkennen kannst, wie du Ferritin und Transferrinsättigung liest, welche Lebensmittel wirklich viel Eisen liefern, warum Kaffee und Tee die Aufnahme bremsen und wie du Eisentabletten richtig einnimmst, wenn du sie brauchst. Welche Nahrungsergänzungsmittel sich sonst lohnen, steht in unserem Ratgeber Nahrungsergänzungsmittel: Was sinnvoll ist und was nicht.
Was Eisen im Körper macht
Eisen steckt vor allem im roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der Sauerstoff von der Lunge in die Gewebe bringt, und im Muskeleiweiß Myoglobin. Einen Vorrat legt der Körper vor allem als Ferritin an. Laut DGE kann ein Eisenmangel die körperliche Leistungsfähigkeit senken, die Temperaturregulation stören und anfälliger für Infekte machen.
Eine Besonderheit unterscheidet Eisen von fast allen anderen Mineralstoffen: Der Körper hat keinen Weg, überschüssiges Eisen gezielt auszuscheiden. Er regelt seinen Haushalt allein über die Aufnahme im Darm. Das ist der Grund, warum zu wenig und zu viel Eisen beide zum Problem werden können.
Ein Mangel entwickelt sich in drei Stufen. Zuerst leeren sich die Speicher (Speichereisenmangel), das Blutbild ist noch normal. Dann fehlt Eisen für die Blutbildung (eisendefizitäre Erythropoese). Erst am Ende sinkt das Hämoglobin, das ist die Eisenmangelanämie.
Kurz erklärt: Die früher üblichen Begriffe „latenter“ und „prälatenter“ Eisenmangel sollen laut Onkopedia-Leitlinie nicht mehr verwendet werden. Gemeint sind die ersten beiden Stufen, in denen Beschwerden schon auftreten können, obwohl das Hämoglobin noch normal ist.
Eisenmangel: Symptome
Die Beschwerden kommen schleichend und sind unspezifisch. Die Onkopedia-Leitlinie nennt allgemeine Zeichen einer Blutarmut:
- Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme
- blasse Haut und Bindehäute
- Herzrasen, Schwindel und Atemnot bei Belastung, in schweren Fällen Brustenge
- brüchige Nägel und Haare
- eingerissene Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden) und eine glatte, brennende Zunge mit Schluckbeschwerden
- Kopfschmerzen, Schlafstörungen, gedrückte Stimmung und unruhige Beine (Restless Legs)
Keines dieser Symptome beweist einen Eisenmangel. Müde und schlapp kann man aus vielen Gründen sein, auch wegen Schlafmangel, Schilddrüse oder Vitamin-B12-Mangel. Wie du einen Vitamin-B12-Mangel erkennst, haben wir eigens beschrieben. Klarheit bringt nur das Blutbild mit Ferritin.
Ursachen: Warum Frauen häufiger betroffen sind
Eisenmangel entsteht laut Leitlinie vor allem durch Blutverlust oder einen höheren Bedarf, seltener durch eine gestörte Aufnahme. Die wichtigsten Ursachen mit Zahlen:
- Menstruation: Pro normaler Periode gehen etwa 25 mg Eisen verloren. Ab rund 60 ml Blutverlust steigt das Risiko deutlich, etwa 15 Prozent der Frauen haben eine verstärkte Regelblutung mit über 80 ml.
- Schwangerschaft: Der Eisenbedarf steigt netto um etwa 600 mg.
- Blutspenden: Mit einer Spende von 500 ml verlierst du rund 250 mg Eisen.
- Verdeckte Blutungen im Magen-Darm-Trakt, auch durch Gerinnungshemmer, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Schmerzmittel wie Ibuprofen.
- Gestörte Aufnahme bei Zöliakie, atrophischer Gastritis oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
- Ernährung: streng vegetarische oder vegane Kost, sehr einseitiges Essen, bei Kleinkindern zu viel Kuhmilch.
Eisenmangel bei Frauen
Frauen vor den Wechseljahren brauchen laut DGE 16 mg Eisen am Tag, laut Nationaler Verzehrsstudie II nehmen sie im Median aber nur 11 bis 12 mg auf. Männer kommen mit 13 bis 15 mg im Median über ihren Bedarf von 11 mg. Diese Lücke erklärt, warum Eisenmangel vor allem ein Frauenthema ist.
Wer die Pille im Langzyklus ohne Pause nimmt und deshalb keine Blutung hat, braucht laut DGE wie Männer nur 11 mg. Nach den Wechseljahren sinkt der Bedarf auf 14 mg. Bei Kinderwunsch rät die Leitlinie zu einem Ferritin über 50 µg/l, damit die Speicher für die Schwangerschaft reichen.
Achtung: Haben Männer oder Frauen nach den Wechseljahren einen Eisenmangel, muss die Ursache gesucht werden, vor allem eine Blutung im Magen-Darm-Trakt. Ein Stuhltest auf verstecktes Blut reicht laut Leitlinie nicht, weil er bei etwa der Hälfte der Darmkrebspatienten negativ ausfällt. Hier gehört eine Magen- und Darmspiegelung dazu.
Ferritin-Wert und Co.: Blutwerte richtig lesen
Ferritin ist der Speicherwert und laut Leitlinie der empfindlichste Laborwert, weil er den Mangel schon in der ersten Stufe erfasst. Ein Haken: Ferritin steigt bei Entzündungen und Infekten, dann kann es einen Mangel verdecken. Deshalb gehört das Entzündungszeichen CRP mit auf den Laborzettel, ab einem CRP über 5 mg/l spricht die Leitlinie von Entzündung. Die Transferrinsättigung zeigt, wie viel Eisen gerade im Blut transportiert wird.
| Wert | Einordnung | Quelle |
|---|---|---|
| Ferritin unter 15 µg/l | beweist einen Eisenmangel | WHO, Onkopedia |
| Ferritin unter 30 µg/l | empfohlene Untergrenze für Erwachsene, unabhängig vom Geschlecht | Onkopedia |
| Ferritin über 50 µg/l | Zielwert für Frauen mit Kinderwunsch und nach Eisentherapie | Onkopedia |
| Ferritin unter 70 µg/l bei Infekt oder Entzündung | kann trotzdem auf einen Eisenmangel hinweisen | WHO |
| Ferritin über 150 µg/l (menstruierende Frauen) bzw. über 200 µg/l (Männer, Frauen ohne Regelblutung) | mögliches Risiko einer Eisenüberladung, ärztlich abklären | WHO |
| Transferrinsättigung 16 bis 45 % | normal | Onkopedia |
| Transferrinsättigung 15 % oder weniger | zu wenig Eisen für die Blutbildung | Onkopedia |
Viele Labore setzen die Untergrenze für Ferritin bei Frauen bei 12 bis 20 µg/l an, bei Männern um 30 µg/l. Wenn auf deinem Befund 18 µg/l „im Normbereich“ steht und du typische Beschwerden hast, lohnt sich eine Nachfrage. Nach den Leitlinien-Autoren ist das bereits ein Mangel.
Tipp: Bitte bei der Blutabnahme um Blutbild, Ferritin, Transferrinsättigung und CRP. Nur das Hämoglobin zu messen reicht nicht, weil es erst in der letzten Stufe sinkt.
Eisenbedarf: die DGE-Referenzwerte
Die DGE hat ihre Empfehlungen für Eisen 2023 neu abgeleitet und 2024 veröffentlicht. Männer brauchen jetzt 11 statt 10 mg, Frauen vor den Wechseljahren 16 statt 15 mg. Für Schwangere sank der Wert von 30 auf 27 mg, für Stillende von 20 auf 16 mg.
| Gruppe | Empfohlene Zufuhr pro Tag |
|---|---|
| Kinder 1 bis unter 7 Jahre | 7 mg |
| Kinder 7 bis unter 10 Jahre | 10 mg |
| Kinder 10 bis unter 13 Jahre | 14 mg (Mädchen mit regelmäßiger Periode 16 mg) |
| Jugendliche ab 13 Jahren und Männer | 11 mg |
| Mädchen ab 13 Jahren und Frauen vor den Wechseljahren | 16 mg |
| Frauen nach den Wechseljahren | 14 mg |
| Frauen ohne Regelblutung (z. B. Pille im Langzyklus) | 11 mg |
| Schwangere | 27 mg |
| Stillende und Frauen nach der Geburt | 16 mg |
Häm-Eisen, Nicht-Häm-Eisen und was die Aufnahme beeinflusst
Wie viel Eisen auf dem Teller liegt, ist nur die halbe Wahrheit. Aus einer gemischten Kost nimmt der Körper bei leeren Speichern etwa 14 bis 18 Prozent des Eisens auf, aus einer vegetarischen nur 5 bis 12 Prozent, zeigt eine Übersichtsarbeit der ETH Zürich. Der Grund ist das Häm-Eisen aus Fleisch und Fisch, das der Darm leichter aufnimmt als das Nicht-Häm-Eisen aus Pflanzen. Fleisch und Fisch verbessern außerdem die Aufnahme des pflanzlichen Eisens, das bei derselben Mahlzeit gegessen wird.
Beim pflanzlichen Eisen gibt es Bremser und Helfer:
- Phytat aus Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen bindet Eisen im Darm. Einweichen, Keimen und Sauerteig bauen Phytat teilweise ab.
- Polyphenole aus Kaffee und Schwarztee hemmen die Aufnahme deutlich.
- Calcium aus Milchprodukten oder Präparaten bremst ebenfalls.
- Vitamin C aus Paprika, Zitrusfrüchten, Beeren oder Kohl verbessert die Aufnahme.
Wie stark der Kaffee-Effekt ist, zeigt ein klassischer Versuch: Eine Tasse Kaffee zu einem Hamburger-Essen senkte die Eisenaufnahme um 39 Prozent, eine Tasse Schwarztee sogar um 64 Prozent. Wurde der Kaffee eine Stunde vor dem Essen getrunken, gab es keinen Effekt, eine Stunde danach aber den gleichen wie direkt zum Essen. Mehr zu den anderen Wirkungen steht in unserem Artikel Ist Kaffee gesund?.
Tipp: Trink Kaffee oder Schwarztee mindestens eine Stunde vor einer eisenreichen Mahlzeit statt dazu oder kurz danach, und kombinier Linsen, Haferflocken oder Vollkorn mit einer Paprika, einer Orange oder ein paar Beeren.
Ganz so groß wie in Einzelmahlzeit-Versuchen ist der Vitamin-C-Effekt im echten Leben allerdings nicht. In einer Studie, in der zwölf Personen fünf Tage lang ihre normale Kost aßen, unterschied sich die Eisenaufnahme kaum, egal ob sie täglich 51 oder 247 mg Vitamin C bekamen. Ähnlich ist es mit den Bremsern. Über die ganze Ernährung gemittelt sind die Effekte kleiner, und der Eisenstatus selbst bestimmt die Aufnahme stärker als jede einzelne Zutat: Wer leere Speicher hat, nimmt deutlich mehr auf. Kombinieren lohnt sich trotzdem, du solltest nur keine Wunder erwarten.
Eisenreiche Lebensmittel: Tabelle
Die folgende Tabelle zeigt Eisen pro 100 g und pro üblicher Portion. Der Anteil bezieht sich auf die 16 mg, die Frauen vor den Wechseljahren brauchen. Für Männer (11 mg) liegt er entsprechend höher.
| Lebensmittel | Eisen pro 100 g (mg) | pro Portion (mg) | Anteil an 16 mg | Herkunft |
|---|---|---|---|---|
| Schweineleber, roh | 18,0 | 100 g: 18,0 | 112 % | tierisch |
| Miesmuscheln, roh | 8,5 | 100 g Muschelfleisch: 8,5 | 53 % | tierisch |
| Rinderleber, roh | 6,9 | 100 g: 6,9 | 43 % | tierisch |
| Rindfleisch (Muskelfleisch), roh | 2,1 | 1 Steak (125 g): 2,7 | 17 % | tierisch |
| Rinderhackfleisch, roh | 1,9 | 125 g: 2,3 | 14 % | tierisch |
| Hühnerei, roh | 1,8 | 1 Ei M (55 g): 0,99 | 6 % | tierisch |
| Hähnchenbrustfilet, roh | 0,62 | 125 g: 0,77 | 5 % | tierisch |
| Sojabohnen, getrocknet | 9,7 | 60 g roh: 5,8 | 36 % | pflanzlich |
| Spinat, gekocht | 2,9 | 1 Portion (200 g): 5,8 | 36 % | pflanzlich |
| Linsen, getrocknet | 8,0 | 60 g roh: 4,8 | 30 % | pflanzlich |
| Amaranth, roh | 7,1 | 60 g: 4,2 | 27 % | pflanzlich |
| Kidneybohnen, gekocht | 2,3 | 1 Portion (150 g): 3,4 | 21 % | pflanzlich |
| Linsen, gekocht | 2,1 | 1 Portion (150 g): 3,2 | 20 % | pflanzlich |
| Kichererbsen, gekocht | 1,9 | 1 Portion (150 g): 2,9 | 18 % | pflanzlich |
| Tofu | 2,8 | 1/2 Packung (100 g): 2,8 | 18 % | pflanzlich |
| Bitterschokolade | 11,5 | 2 Riegel (20 g): 2,3 | 14 % | pflanzlich |
| Haferflocken | 4,4 | 1 Portion (50 g): 2,2 | 14 % | pflanzlich |
| Vollkornbrot | 1,8 | 2 Scheiben (100 g): 1,8 | 12 % | pflanzlich |
| Hirse, roh | 2,7 | 60 g: 1,6 | 10 % | pflanzlich |
| Kürbiskerne | 4,9 | 1 Handvoll (30 g): 1,5 | 9 % | pflanzlich |
| Weizenkleie | 12,7 | 2 EL (10 g): 1,3 | 8 % | pflanzlich |
| Sesam | 10,0 | 1 EL (10 g): 1,0 | 6 % | pflanzlich |
| Leinsamen | 6,8 | 1 EL (10 g): 0,68 | 4 % | pflanzlich |
Ein paar Einordnungen dazu. Leber ist mit Abstand der Spitzenreiter, aber kein Alltagsessen: 100 g Schweineleber enthalten laut BLS auch rund 14.700 µg Vitamin A, das 20-Fache dessen, was eine Frau am Tag braucht. Rotes Fleisch liefert weniger Eisen als sein Ruf, dafür in gut verfügbarer Form. Hähnchenbrust ist eisenarm. Unter den pflanzlichen Lebensmitteln stechen Hülsenfrüchte, Amaranth und Spinat hervor, Weizenkleie und Sesam haben zwar hohe Werte pro 100 g, landen aber nur in kleinen Mengen auf dem Teller.
Viele dieser Lebensmittel sind gleichzeitig gute Eiweißquellen. Wie du Linsen, Tofu und Co. für deinen Proteinbedarf nutzt, zeigen unsere Tabelle der eiweißreichen Lebensmittel und die Liste der besten veganen Proteinquellen.
Als Vitamin-C-Partner eignen sich laut Bundeslebensmittelschlüssel etwa rote Paprika (160 mg Vitamin C pro 100 g), schwarze Johannisbeeren (177 mg), Grünkohl (156 mg roh), Kiwi (71 mg) und Orangen (62 mg). Eine halbe rote Paprika (etwa 75 g) im Linsensalat bringt also schon rund 120 mg.
Eisenmangel bei vegetarischer und veganer Ernährung
Die DGE nennt Vegetarier und Veganer ausdrücklich als Gruppe, die auf ihre Eisenversorgung achten sollte. Das heißt nicht, dass pflanzliche Kost automatisch zu Eisenmangel führt. Es heißt, dass du planen musst: Hülsenfrüchte, Vollkorn, Haferflocken, Nüsse und Samen jeden Tag, kombiniert mit Vitamin-C-reichem Gemüse oder Obst, und Kaffee oder Tee mit Abstand zum Essen.
Ein Beispieltag für eine Frau: 50 g Haferflocken mit Beeren (2,2 mg), mittags 150 g gekochte Linsen mit Paprika (3,2 mg), zwei Scheiben Vollkornbrot (1,8 mg), abends 100 g Tofu (2,8 mg) mit 200 g Spinat (5,8 mg) und eine Handvoll Kürbiskerne (1,5 mg). Das ergibt gut 17 mg. Weil pflanzliches Eisen schlechter aufgenommen wird, ist das kein Freifahrtschein, aber eine solide Grundlage. Wer vegan lebt, sollte Ferritin regelmäßig kontrollieren lassen.
Eisentabletten: wann und wie einnehmen
Eisenpräparate sind ein Medikament gegen einen nachgewiesenen Mangel, keine Vorsorge. Ist der Mangel per Blutbild bestätigt, empfiehlt die Onkopedia-Leitlinie Folgendes:
- Zweiwertiges Eisen (Fe²⁺, zum Beispiel Eisen(II)-sulfat), anfangs 50 bis 100 mg Eisen am Tag.
- Nüchtern einnehmen, mindestens eine halbe bis eine Stunde vor oder nach dem Essen, mit Wasser statt Kaffee, Tee oder Milch.
- Einmal täglich statt auf mehrere Portionen verteilt. Eine Eisendosis erhöht das Hormon Hepcidin, das die Aufnahme danach für etwa 24 Stunden bremst.
- Jeden zweiten Tag ist eine Alternative, die laut Leitlinie etwa 30 Prozent weniger Magen-Darm-Beschwerden verursacht.
- Bei Unverträglichkeit zuerst abends einnehmen, dann notfalls zum Essen (was die Aufnahme senkt) oder auf ein anderes Präparat wechseln.
- Lange genug: mindestens drei Monate über die Normalisierung des Hämoglobins hinaus, damit sich die Speicher füllen.
Dass weniger oft mehr bringen kann, zeigte eine Studie der ETH Zürich mit 40 jungen Frauen mit leeren Eisenspeichern. Wer 60 mg Eisen jeden zweiten Tag nahm, nahm von der Gesamtmenge im Schnitt 21,8 Prozent auf, bei täglicher Einnahme waren es 16,3 Prozent. Nach jeweils 14 Dosen hatte die Jeden-zweiten-Tag-Gruppe insgesamt 175 mg aufgenommen, die tägliche Gruppe 131 mg. Die Gruppe brauchte dafür allerdings doppelt so lange.
Was du erwarten kannst: Laut Leitlinie sollte das Hämoglobin nach vier Wochen um 1 bis 2 g/dl steigen. Dann wird alle vier Wochen kontrolliert, bis es normal ist, danach etwa ein Jahr lang alle drei Monate Blutbild und Ferritin. Typische Nebenwirkungen sind Übelkeit, Bauchschmerzen und Verstopfung, schwarzer Stuhl ist harmlos und zeigt nur unaufgenommenes Eisen an. Halte zu Magnesium, Calcium und anderen Medikamenten den Abstand ein, den der Beipackzettel nennt, beim Magnesium sind das meist zwei bis drei Stunden.
Bei Unverträglichkeit von zwei Präparaten, gestörter Aufnahme im Darm oder wenn Tabletten nicht reichen, kommt Eisen als Infusion infrage. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Warum Eisen auf eigene Faust riskant ist
Weil der Körper überschüssiges Eisen nicht ausscheiden kann, sammelt es sich bei dauerhaft hoher Zufuhr in den Organen an und kann sie schädigen, etwa die Leber. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA konnte 2024 keine tolerierbare Obergrenze festlegen und nennt stattdessen 40 mg am Tag als sichere Gesamtzufuhr für Erwachsene, Schwangere eingeschlossen. Dieser Wert gilt ausdrücklich nicht für Menschen, die wegen eines Mangels ärztlich behandelt werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 6 mg Eisen pro Tagesdosis und einen Warnhinweis: Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Schwangere sollen Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen. Laut BfR erreichen in Deutschland alle Gruppen außer menstruierenden Mädchen und Frauen über die normale Ernährung im Median eine ausreichende Eisenzufuhr. Gesunde Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Menschen mit Eisenspeicherkrankheit zählt das BfR dagegen zu den Risikogruppen für zu viel Eisen.
Achtung: Nimm Eisen nicht vorbeugend ohne Blutbild. Etwa einer von 200 Menschen in Deutschland trägt laut Universitätsklinikum Münster die Erbanlage für die häufigste Form der Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose Typ 1) doppelt, bei etwa einem von 1.000 entwickelt sich eine Erkrankung mit Organschäden. Für sie ist zusätzliches Eisen schädlich, oft ohne dass sie davon wissen.
Ein Ferritin über 200 µg/l bei Männern oder über 150 µg/l bei Frauen mit Periode sollte laut WHO ärztlich abgeklärt werden. Allein beweist ein hohes Ferritin aber nichts, weil es zum Beispiel auch bei Entzündungen steigt. Die WHO rät, die Ursache immer mit weiteren Untersuchungen zu klären.
So gehst du vor
Du hast Beschwerden oder gehörst zu einer Risikogruppe (starke Regelblutung, Schwangerschaft oder Kinderwunsch, vegane Ernährung, häufiges Blutspenden)? Lass Blutbild, Ferritin, Transferrinsättigung und CRP bestimmen.
Der Wert ist niedrig: Besprich mit deiner Ärztin die Ursache und die Therapie. Ein Präparat mit 50 bis 100 mg Eisen, nüchtern, einmal täglich oder jeden zweiten Tag, ist meist der erste Schritt. Kontrollier nach vier Wochen.
Der Wert ist normal: Kein Präparat. Achte auf eine eisenreiche Kost mit Hülsenfrüchten, Vollkorn, ab und zu rotem Fleisch oder Fisch, und Kaffee oder Tee mit Abstand zum Essen.
Du bist Mann oder Frau nach den Wechseljahren und hast einen Eisenmangel: Dann ist die Suche nach der Ursache wichtiger als die Tablette. Eine Blutung im Magen-Darm-Trakt muss ausgeschlossen werden.
Häufige Fragen
Welche Symptome hat ein Eisenmangel?
Typisch sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Blässe, Herzrasen und Atemnot bei Belastung, Kopfschmerzen, brüchige Nägel und Haare, eingerissene Mundwinkel und unruhige Beine. Die Beschwerden sind unspezifisch und können schon auftreten, bevor das Hämoglobin sinkt. Klarheit bringt ein Bluttest mit Ferritin.
Welcher Ferritinwert ist zu niedrig?
Ein Ferritin unter 15 µg/l beweist einen Eisenmangel. Die Onkopedia-Leitlinie empfiehlt für Erwachsene unabhängig vom Geschlecht eine Untergrenze von 30 µg/l, Frauen mit Kinderwunsch sollten über 50 µg/l liegen. Bei Entzündungen kann Ferritin falsch hoch sein, laut WHO kann dann schon ein Wert unter 70 µg/l auf einen Mangel hinweisen.
Welche Lebensmittel haben viel Eisen?
Laut Bundeslebensmittelschlüssel vor allem Leber (Schweineleber 18 mg pro 100 g), Miesmuscheln (8,5 mg), getrocknete Sojabohnen (9,7 mg) und Linsen (8,0 mg), Amaranth (7,1 mg), Kürbiskerne (4,9 mg) und Haferflocken (4,4 mg). Eisen aus Fleisch und Fisch wird besser aufgenommen, pflanzliches Eisen profitiert von Vitamin C zur selben Mahlzeit.
Wann sollte man Eisentabletten einnehmen?
Nur bei einem ärztlich festgestellten Mangel. Am besten nüchtern, eine halbe bis eine Stunde vor oder nach dem Essen, einmal am Tag oder jeden zweiten Tag, mit Wasser statt Kaffee, Tee oder Milch. Bei Magenbeschwerden hilft es, die Tablette abends oder zum Essen zu nehmen, auch wenn dann weniger aufgenommen wird.
Warum haben Frauen häufiger Eisenmangel?
Weil sie mit jeder Periode etwa 25 mg Eisen verlieren und in der Schwangerschaft netto rund 600 mg zusätzlich brauchen. Die DGE empfiehlt Frauen vor den Wechseljahren 16 mg Eisen am Tag, laut Nationaler Verzehrsstudie nehmen sie im Median aber nur 11 bis 12 mg auf. In Europa hat etwa jede fünfte Frau im gebärfähigen Alter einen Eisenmangel.
Kann ich Eisen vorbeugend einnehmen?
Davon raten wir ab. Der Körper kann überschüssiges Eisen nicht ausscheiden, und etwa einer von 200 Menschen in Deutschland trägt die Anlage für eine Eisenspeicherkrankheit doppelt. Das BfR empfiehlt Männern, Frauen nach den Wechseljahren und Schwangeren, Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache zu nehmen. Lass zuerst Ferritin bestimmen.
Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und belegen ihn mit Quellen. Er ersetzt aber keine persönliche Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Diätologin. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Praxis. Mehr dazu: So arbeiten wir.
Quellen
- Hastka J, Metzgeroth G, Gattermann N (2025): Eisenmangel und Eisenmangelanämie. Onkopedia-Leitlinie der DGHO, Stand April 2025
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte Eisen (Stand Ableitung 2023)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2021): Höchstmengenvorschläge für Eisen in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln
- EFSA (2024): Scientific opinion on the tolerable upper intake level for iron (Zusammenfassung)
- WHO: Use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations (eLENA)
- Stoffel NU et al. (2017): Iron absorption from oral iron supplements given on consecutive versus alternate days and as single morning doses versus twice-daily split dosing in iron-depleted women. Lancet Haematol 4:e524–e533
- Morck TA, Lynch SR, Cook JD (1983): Inhibition of food iron absorption by coffee. Am J Clin Nutr 37:416–420
- Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) Version 4.0