Vitamin-D-Mangel: Symptome, gute Blutwerte und wie viel Vitamin D du wirklich brauchst

Veröffentlicht am · 16 Min. Lesezeit

Titelbild: vitamin d

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Vitamin-D-Mangel beginnt laut DGE und BfR erst bei einem 25(OH)D-Wert unter 12 ng/ml (30 nmol/l); als gut versorgt gilt man ab 20 ng/ml (50 nmol/l).
  • Laut BfR liegen in Deutschland 15 Prozent der Erwachsenen unter 30 nmol/l, 41 Prozent zwischen 30 und 50 nmol/l und 44 Prozent darüber.
  • Von Oktober bis März reicht die Sonne in Deutschland und Österreich nicht für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung, im Sommer genügen mehrmals pro Woche 5 bis 25 Minuten Sonne auf Gesicht, Händen und Armen.
  • Die DGE schätzt den Bedarf ohne eigene Bildung in der Haut auf 20 µg (800 IE) pro Tag; mehr als 20 µg pro Tagesdosis empfiehlt das BfR aus Nahrungsergänzungsmitteln nicht.
  • Hochdosen wie 20.000 IE alle paar Wochen können laut BfR bei gut Versorgten schädliche Blutwerte erzeugen; ein Nutzen von Vitamin K2 dazu ist nicht belegt.

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Von einem Vitamin-D-Mangel sprechen DGE und Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erst, wenn der Blutwert unter 12 ng/ml (30 nmol/l) liegt. Das trifft in Deutschland auf rund 15 Prozent der Erwachsenen zu, als gut versorgt gilt man ab 20 ng/ml (50 nmol/l). Eindeutige Symptome gibt es kaum: Müdigkeit, Infektanfälligkeit oder Haarausfall haben so viele mögliche Ursachen, dass sich daraus kein Mangel ablesen lässt. Wer Vitamin D ergänzen möchte, kommt laut BfR mit höchstens 20 Mikrogramm (800 IE) am Tag aus, alles darüber gehört in ärztliche Hand.

Unten ordnen wir Laborwerte ein, zeigen, warum sich die Fachgesellschaften bei den Grenzwerten nicht einig sind, welche Lebensmittel nennenswert Vitamin D liefern und was von K2, 20.000-IE-Kapseln und der Frage „morgens oder abends“ zu halten ist. Fetter Seefisch taucht dabei oft auf, er ist auch die beste Quelle für langkettige Fettsäuren, mehr dazu in unserem Ratgeber zu Omega-3: Fischöl oder Algenöl.

Wofür ist Vitamin D gut?

Vitamin D regelt den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und sorgt so dafür, dass Knochen hart werden und bleiben. Laut BfR beeinflusst es außerdem die Muskelkraft und trägt zu einem normal arbeitenden Immunsystem bei. Weil fast jede Körperzelle einen Vitamin-D-Rezeptor besitzt, vermuten Forschende noch weitere Wirkungen. Vermuten heißt hier aber wirklich nur vermuten.

Eigentlich ist Vitamin D kein klassisches Vitamin, denn der Körper bildet es selbst, sobald UVB-Strahlung auf die Haut trifft. In der Leber wird daraus 25-Hydroxyvitamin D, die Speicher- und Transportform. Erst die Niere macht daraus das aktive Calcitriol, das an den Zielorganen wirkt.

Kurz erklärt: Beim Bluttest wird 25-Hydroxyvitamin D gemessen, abgekürzt 25(OH)D. Es spiegelt Sonne und Nahrung der letzten Wochen wider. Das aktive Calcitriol eignet sich dafür nicht, es wird nur bei speziellen Stoffwechselstörungen bestimmt.

Was Vitamin D nachweislich kann, betrifft vor allem die Knochen. Laut DGE senkt eine gute Versorgung bei älteren Menschen das Risiko für Stürze, Knochenbrüche und Kraftverlust. Für Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Typ-2-Diabetes gibt es dagegen keine überzeugenden Belege. Die große US-Studie VITAL gab knapp 26.000 Menschen über 50 täglich 2.000 IE Vitamin D oder ein Placebo. Nach gut fünf Jahren gab es keinen Unterschied bei Krebs (Hazard Ratio 0,96) und bei schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen (0,97). Das BfR fasst die großen Studien so zusammen: Wer schon ausreichend versorgt ist, hat von zusätzlichem Vitamin D in der Regel keinen Nutzen, einzig bei Autoimmunerkrankungen zeigte sich ein positiver Effekt.

Sonne statt Tablette: das Problem mit dem Winter

Bei regelmäßigem Aufenthalt im Freien stammen laut DGE 80 bis 90 Prozent des Vitamin D aus der eigenen Haut. Die Ernährung liefert hierzulande nur 2 bis 4 Mikrogramm am Tag, also einen kleinen Teil. Wie viel die Haut bildet, hängt von Breitengrad, Jahres- und Tageszeit, Wetter, Kleidung, Hauttyp und Sonnencreme ab. Eine genaue Zahl für dich persönlich kann darum niemand nennen.

Der Breitengrad ist dabei der größte Hebel. Deutschland liegt etwa zwischen dem 47. und 55. Breitengrad, Österreich zwischen dem 46. und 49. Im Winter steht die Sonne so tief, dass ihr UVB-Anteil in der Atmosphäre weitgehend verschluckt wird. Eine klassische Messung von Webb und Kollegen zeigte schon 1988: In Boston (42 Grad Nord) bildete Haut von November bis Februar kein Vitamin D, im kanadischen Edmonton (52 Grad Nord) von Oktober bis März. DGE und BfR schreiben für Deutschland entsprechend, dass die Sonne von Oktober bis März nicht stark genug ist.

Ganz ohne Vorrat gehst du trotzdem nicht in den Winter. Vitamin D wird im Fett- und Muskelgewebe gespeichert, und was du im Sommer bildest, hilft über die dunklen Monate. Deshalb sinken die Blutwerte im Winter zwar deutlich, aber nicht schlagartig. In der Erwachsenenstudie des Robert Koch-Instituts (DEGS) hatten im Sommer mehr als 60 Prozent der Frauen über 50 nmol/l, im Winter nur etwa 20 Prozent (die damalige Messmethode unterschätzte die Werte allerdings), wie die Verbraucherzentrale zusammenfasst.

Tipp: Von etwa April bis September reicht es laut BfR, mehrmals pro Woche Gesicht, Hände und Teile von Armen und Beinen für 5 bis 25 Minuten unbedeckt in die Sonne zu halten, je nach Hauttyp und Jahreszeit. Einen Sonnenbrand solltest du dabei unbedingt vermeiden.

Als Faustregel nennen DGE und Bundesamt für Strahlenschutz die Hälfte der Zeit, nach der du ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würdest. Für hellhäutige Menschen (Hauttyp II) sind das bei UV-Index 7 rechnerisch etwa 12 Minuten. Danach Sonnenschutz. Ins Solarium zu gehen, um Vitamin D zu tanken, halten DGE und BfR wegen des Hautkrebsrisikos für keine gute Idee.

Vitamin-D-Werte: Was ist ein guter Wert?

Labore geben den 25(OH)D-Wert entweder in ng/ml oder in nmol/l an. Die Umrechnung ist einfach: ng/ml mal 2,5 ergibt nmol/l. Ein Wert von 20 ng/ml entspricht also 50 nmol/l. Schwieriger ist die Frage, ab wann ein Wert gut ist, denn hier gehen die Meinungen auseinander.

25(OH)D in ng/mlin nmol/lEinordnung DGE, BfR, RKI (nach IOM)Endocrine Society 2011
unter 12unter 30Mangel, erhöhtes Risiko für Rachitis, Osteomalazie und OsteoporoseMangel
12 bis unter 2030 bis unter 50suboptimal, mögliche Folgen für die KnochenMangel
20 bis unter 3050 bis unter 75ausreichend für die KnochengesundheitInsuffizienz (21 bis 29 ng/ml)
30 bis unter 5075 bis unter 125ausreichend, kein weiterer Zusatznutzenausreichend (Ziel: über 30 ng/ml)
50 und mehr125 und mehrmögliche Überversorgung mit Risiko für zu hohes Calcium im Blutausreichend bis 100 ng/ml
Quellen: Verbraucherzentrale (Tabelle nach RKI/IOM), DGE (2025), BfR (2025); Holick et al. (2011), Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Die Endocrine Society nennt seit 2024 keine Zielwerte mehr (Demay et al. 2024).

Die deutschen Institutionen orientieren sich am Wert von 50 nmol/l (20 ng/ml), den das frühere US-Institute of Medicine abgeleitet hat. Er deckt laut BfR den Bedarf für gesunde Knochen bei praktisch allen Menschen, für die meisten liegt er sogar über dem tatsächlichen Bedarf. Die US-amerikanische Endocrine Society hatte 2011 dagegen 30 ng/ml (75 nmol/l) als Ziel empfohlen. Viele Labore übernahmen diese Grenze, weshalb auf deinem Befund vielleicht schon bei 25 ng/ml „zu niedrig“ steht.

2024 hat die Endocrine Society ihre Leitlinie grundlegend überarbeitet. Sie nennt keinen Zielwert mehr, weil Studien keinen bestimmten Wert als nötig für die Krankheitsvorbeugung belegen. Und sie rät von Routinetests bei Gesunden ab, auch bei Übergewicht oder dunkler Haut. Damit liegen deutsche Behörden und die US-Fachgesellschaft heute näher beieinander als vor zehn Jahren.

Wichtig: Ein Wert zwischen 12 und 20 ng/ml (30 bis 50 nmol/l) bedeutet laut BfR ein erhöhtes Risiko, nicht ganz ausreichend versorgt zu sein, aber keinen Mangel. Ein einzelner Wintermesswert sagt außerdem wenig über das ganze Jahr.

Hinzu kommt die Messtechnik. Laut BfR liefern verschiedene Labore und Testverfahren unterschiedliche Ergebnisse, viele Schnelltests erfassen pflanzliches Vitamin D2 zudem schlechter. Wer zweimal in verschiedenen Laboren misst, sollte also keine Nachkommastellen vergleichen.

Wie steht Deutschland da? Laut BfR (Stand Ende 2025) erreichen 44 Prozent der Erwachsenen mindestens 50 nmol/l, 41 Prozent liegen zwischen 30 und 50 nmol/l und 15 Prozent darunter. Bei Kindern und Jugendlichen sind es 54, 33 und 13 Prozent. Ein klinischer Mangel mit Knochenerweichung ist bei den meisten also weit entfernt, Werte unterhalb des Wunschwerts sind aber verbreitet.

Vitamin-D-Mangel: Symptome, die wenig verraten

Ein echter, lang anhaltender Mangel stört die Mineralisierung der Knochen. Bei Kindern entsteht Rachitis, bei der die Wachstumsfugen nicht richtig verkalken und sich Knochen verformen können. Bei Erwachsenen kommt es zur Osteomalazie, also zu weichen Knochen, die unter Belastung schmerzen und sich verbiegen können. Im Alter kann ein Mangel außerdem zur Osteoporose beitragen.

Für die Beschwerden, mit denen Vitamin D im Internet meist in Verbindung gebracht wird, ist die Lage dünn. Das BfR nennt einen Zusammenhang zwischen niedrigen Spiegeln und häufigeren Infekten, Muskelkrämpfen, Muskel- und Knochenschmerzen. Menschen mit niedrigen Werten berichten zudem oft über Müdigkeit, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und Haarausfall. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ist bei diesen unspezifischen Symptomen laut BfR aber nicht belegt. Gut möglich, dass eine Krankheit erst die Zeit im Freien verkürzt und dann den Wert senkt, nicht umgekehrt.

Bei Frauen kommen zwei Lebensphasen dazu. Nach den Wechseljahren steigt das Osteoporose-Risiko, und hier ist eine ausreichende Vitamin-D- und Calciumversorgung tatsächlich ein Thema. In der Schwangerschaft empfiehlt die US-amerikanische Endocrine Society eine Vitamin-D-Gabe, weil Studien Hinweise auf weniger Präeklampsie und Frühgeburten geben, allerdings mit geringer Sicherheit. In Deutschland klärst du das am besten mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Ein Haarausfall-Mittel ist Vitamin D dagegen nicht, auch wenn das gern behauptet wird.

Wenn du anhaltend müde, schlapp oder häufig krank bist, lohnt sich ein Arztbesuch mehr als ein Selbstversuch mit Kapseln. Eisenmangel, Schilddrüse, Schlafmangel oder Depression kommen als Ursache mindestens genauso infrage. Schlechter Schlaf ist übrigens eine sehr häufige Erklärung für Tagesmüdigkeit, mehr dazu im Artikel über die Schlafphasen.

Wer ein erhöhtes Risiko für einen Mangel hat

DGE und BfR nennen ziemlich klar umrissene Gruppen:

  • Menschen, die kaum oder gar nicht ins Freie kommen, etwa Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner oder chronisch Kranke
  • ältere Menschen, weil die Haut im Alter weniger als halb so viel Vitamin D bildet wie in jungen Jahren
  • Menschen, die ihre Haut aus kulturellen oder religiösen Gründen fast vollständig bedecken
  • Menschen mit dunkler Haut, die wegen des höheren Melaningehalts weniger Vitamin D bilden
  • Säuglinge, weil Muttermilch wenig Vitamin D enthält und Babys nicht in die direkte Sonne sollen

Für Säuglinge gibt es deshalb in Deutschland die Rachitis-Prophylaxe: täglich 10 bis 12,5 Mikrogramm (400 bis 500 IE) bis zum zweiten erlebten Frühsommer. Für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen hält das BfR eine generelle Gabe von bis zu 20 Mikrogramm am Tag für erwägenswert. Wer viel draußen ist, gehört dagegen in keiner Altersgruppe automatisch zu den Risikogruppen.

Die Endocrine Society (2024) empfiehlt Vitamin D ohne vorherigen Test für Kinder und Jugendliche, Menschen ab 75 Jahren, Schwangere und Menschen mit Prädiabetes und hohem Risiko. Für gesunde Erwachsene unter 75 rät sie ausdrücklich von Dosen über der üblichen Zufuhrempfehlung ab.

Wie viel Vitamin D brauchst du am Tag?

Die DGE gibt einen Schätzwert von 20 Mikrogramm (800 IE) pro Tag an, gültig ab dem ersten Geburtstag. Der Wert gilt ausdrücklich für den Fall, dass die Haut gar kein Vitamin D bildet. Damit erreicht praktisch jeder den Wunschwert von 50 nmol/l. Wer im Sommer regelmäßig draußen ist, braucht im Sommer meist nichts zusätzlich.

Für Präparate empfiehlt das BfR höchstens 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tagesdosis. Diese Menge ist auch langfristig und zusammen mit angereicherten Lebensmitteln unbedenklich. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat 2023 als tolerierbare Obergrenze aus allen Quellen 100 Mikrogramm (4.000 IE) für Erwachsene, Schwangere und Jugendliche ab 11 Jahren festgelegt, 50 Mikrogramm für Kinder von 1 bis 10 Jahren und 25 bis 35 Mikrogramm für Säuglinge. Diese Obergrenze ist keine Zielmenge, sondern ein Sicherheitsabstand.

Merke: 1 Mikrogramm Vitamin D entspricht 40 IE. Die 20 µg der DGE sind also 800 IE, die 100 µg der EFSA-Obergrenze 4.000 IE. Auf vielen Etiketten steht nur eine der beiden Einheiten.

Seit 2024 ist in der EU auch Calcidiol, also 25(OH)D selbst, als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt. Es hebt den Blutspiegel schneller als normales Vitamin D3. Genau deshalb gilt dafür eine niedrigere Höchstmenge von 10 Mikrogramm pro Tag für Erwachsene und Kinder ab 11 Jahren.

Vitamin-D-Lebensmittel: Tabelle mit Portionen

Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswert Vitamin D, fast alle stammen vom Tier. Spitzenreiter sind fette Fische, mit großem Abstand folgen Eier, Leber, einige Pilze und angereicherte Margarine. Milch, Käse und Butter spielen kaum eine Rolle.

LebensmittelVitamin D pro 100 gPortionVitamin D pro Portion
Aal, geräuchert90 µg50 g45 µg
Bückling (Hering, heiß geräuchert)30 µg100 g30 µg
Matjesfilet22 µg100 g (2 Filets)22 µg
Hering, roh16 µg100 g (1 Filet)16 µg
Sprotten, geräuchert32 µg50 g16 µg
Forelle, roh7,9 µg125 g9,9 µg
Makrele, geräuchert6,9 µg100 g (1 Filet)6,9 µg
Thunfisch, roh4,5 µg125 g5,7 µg
Lachs, roh3,8 µg125 g (1 Filet)4,8 µg
Thunfisch im eigenen Saft, abgetropft1,5 µg130 g (1 Dose)1,9 µg
Sardinen in Öl, abgetropft1,9 µg100 g1,9 µg
Räucherlachs0,9 µg50 g0,5 µg
Pfifferlinge, roh8,0 µg100 g8,0 µg
Steinpilze, roh3,1 µg100 g3,1 µg
Champignons, roh0,4 µg100 g0,4 µg
Hühnerei1,8 µg1 Ei (M), 55 g1,0 µg
Rinderleber, roh1,7 µg125 g2,1 µg
Pflanzenmargarine, mit Vitaminen angereichert4,6 µg10 g (1 Brot)0,5 µg
Sojadrink, mit Vitaminen angereichert0,75 µg250 ml1,9 µg
Gouda (48 % Fett i. Tr.)0,35 µg30 g0,1 µg
Butter0,26 µg10 gunter 0,1 µg
Vollmilch (3,5 %)0 µg250 ml0 µg
Quelle: Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0, CC BY 4.0; Portionswerte selbst berechnet und gerundet

Zwei Dinge fallen auf. Erstens schwanken die Werte für Fisch stark: Die DGE nennt für Lachs in einer älteren Tabelle 16 µg pro 100 g, der aktuelle Bundeslebensmittelschlüssel nur 3,8 µg. Zuchtlachs, Fanggebiet und Fettgehalt machen viel aus. Zweitens kommt man mit normalem Essen kaum auf 20 µg am Tag, außer man isst täglich Hering. Das ist auch der Grund, warum DGE und BfR die Sonne in den Vordergrund stellen.

Pilze bilden unter UV-Licht Vitamin D2, deshalb enthalten wilde Pfifferlinge mehr als Zucht-Champignons aus dunklen Hallen. In der EU sind außerdem UV-bestrahlte Pilze, Hefe, Brot und Milch mit erhöhtem Vitamin-D-Gehalt zugelassen. Für Veganerinnen und Veganer sind angereicherte Pflanzendrinks und Margarine die praktischsten Quellen, wobei die Mengen klein bleiben. Wer sich pflanzlich ernährt und ohnehin auf seine Nährstoffe achtet, findet passende Eiweißlieferanten in unserer Liste der besten veganen Proteinquellen.

Vitamin D3, Tropfen oder Tabletten: worauf du beim Kauf achtest

Vitamin D3 (Cholecalciferol) ist die Form, die auch die Haut bildet. Vitamin D2 (Ergocalciferol) stammt aus Pilzen und Hefen. Eine Meta-Analyse von 2012 fand, dass D3 den Blutspiegel stärker anhebt als D2. Der Vorteil zeigte sich aber vor allem bei seltenen Einzeldosen und verschwand bei täglicher Einnahme. Für die tägliche Ergänzung ist D3 trotzdem die naheliegende Wahl, vegane D3-Präparate werden meist aus Flechten gewonnen.

Tropfen oder Tabletten ist vor allem eine Frage der Dosierung. Tabletten haben eine feste Menge. Bei Tropfen hängt alles davon ab, wie viel ein Tropfen enthält, und das unterscheidet sich von Produkt zu Produkt stark. Rechne immer auf die Menge pro Tag um und vergleiche sie mit den 20 µg (800 IE) des BfR. Vitamin D in Öl ist sinnvoll, weil es fettlöslich ist, wirkt aber nicht magisch besser als eine Tablette zu einer Mahlzeit.

Gut zu wissen: Bei Nahrungsergänzungsmitteln darf die tatsächliche Menge laut BfR um bis zu 50 Prozent vom Etikett abweichen, bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln nur um 5 Prozent. Wer es genau braucht, etwa bei einem ärztlich festgestellten Mangel, bekommt mit einem Arzneimittel aus der Apotheke die verlässlichere Dosis.

Wenn du nach Rücksprache oder wegen einer der Risikogruppen ergänzen willst, reicht ein niedrig dosiertes Produkt. Wir verlinken bewusst nur Suchen nach Dosierungen bis 800 IE pro Tag, also innerhalb der BfR-Empfehlung:

Prüfe vor dem Kauf auf der Packung, dass die empfohlene Tagesdosis höchstens 20 µg beträgt. In den Suchergebnissen tauchen auch Produkte mit 1.000, 2.000 oder mehr IE auf, die wir nicht empfehlen.

Vitamin D 20.000 IE und andere Hochdosen

Präparate mit 20.000 IE (500 µg) pro Kapsel sind beliebt, weil man sie nur einmal pro Woche oder alle paar Wochen schlucken muss. Rechnerisch ergeben 20.000 IE pro Woche knapp 2.860 IE (71 µg) am Tag. Das liegt unter der EFSA-Obergrenze, aber gut dreimal über dem, was das BfR für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt. Und es ist eben keine tägliche Dosis, sondern ein Schub.

Genau diese Schübe sieht das BfR kritisch. In einer Stellungnahme vom September 2025 schreibt es, dass 500 µg alle 20 Tage bei Menschen, die bereits gut versorgt sind, den Blutwert in Richtung 100 nmol/l (40 ng/ml) treiben können. Werte darüber waren in Studien mit Gesundheitsschäden und erhöhter Sterblichkeit verbunden. In Studien mit jährlichen oder monatlichen Hochdosen stürzten die Teilnehmenden häufiger und brachen sich öfter Knochen als mit niedrigeren Dosen. Auch die Endocrine Society rät Menschen über 50 zu täglichen statt seltenen hohen Gaben.

Dazu kommt ein ganz praktisches Risiko: Wer eine Kapsel nur alle 10 oder 20 Tage nehmen soll, vertut sich leicht. Nimmt jemand sie aus Gewohnheit täglich, überschreitet er die Obergrenze um ein Vielfaches.

Achtung: Hochdosiertes Vitamin D, ob 4.000 IE täglich oder 20.000 IE pro Woche, solltest du nur nach ärztlicher Anweisung und mit Kontrolle der Blutwerte nehmen. Übelkeit, Erbrechen, Muskelschwäche oder Herzstolpern unter einem Präparat sind ein Grund, es abzusetzen und ärztlich abklären zu lassen.

Ärztlich verordnete Hochdosen, etwa zum Auffüllen bei einem nachgewiesenen Mangel, sind etwas anderes. Hier werden Dosis und Dauer an den Ausgangswert angepasst und der Erfolg nachgemessen. Bei Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, gehört jede Vitamin-D-Ergänzung ohnehin in die Hände deiner Ärztin oder deines Arztes.

Vitamin D3 und K2: Was die Studienlage hergibt

Die Idee hinter Kombipräparaten klingt logisch. Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme aus dem Darm, Vitamin K2 aktiviert Eiweiße, die Calcium in den Knochen einbauen und aus den Gefäßwänden fernhalten sollen. Also, so die Werbung, braucht es K2, damit das Calcium nicht in den Adern landet. Belegt ist das für Menschen, die normale Dosen Vitamin D nehmen, nicht.

Das BfR kommt in einer Stellungnahme von 2023 zu dem Schluss, dass ein gesundheitlicher Nutzen der Kombination nicht belegt ist und die Daten für eine Bewertung nicht ausreichen. Die wenigen Studien mit D3 plus K2 waren klein, kurz und überwiegend mit Kranken, etwa nach Transplantationen oder an der Dialyse. Die größte uns bekannte Studie außerhalb von Klinikpatienten, die dänische AVADEC-Studie, gab 365 älteren Männern mit verkalkter Aortenklappe zwei Jahre lang 720 µg K2 plus 25 µg Vitamin D. Die Verkalkung schritt genauso schnell fort wie unter Placebo.

Für K2 in Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt das BfR höchstens 25 µg pro Tag, für K1 höchstens 80 µg. Im Handel gibt es Präparate mit 200 µg K2 pro Dosis, wie das BfR in einer weiteren Bewertung von 2025 beschreibt. Vitamin K kann außerdem die Wirkung von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ abschwächen, in Deutschland vor allem Phenprocoumon. Wer solche Medikamente nimmt, sollte K-haltige Präparate nur unter ärztlicher Kontrolle verwenden.

Kurz gesagt zur Frage „Vitamin D3 K2“: Bei 800 IE Vitamin D am Tag gibt es keinen belegten Grund für K2 dazu. Schaden tut eine kleine K2-Menge Gesunden vermutlich nicht, aber du zahlst für ein Versprechen, das bisher niemand eingelöst hat.

Morgens oder abends? Und was du dazu nehmen solltest

Zur Uhrzeit sind uns keine belastbaren Vergleichsstudien bekannt. Vitamin D wird gespeichert, ob du es um 8 oder um 20 Uhr nimmst, macht für den Blutspiegel über Wochen keinen messbaren Unterschied. Wichtiger ist, womit du es nimmst.

Vitamin D ist fettlöslich. In einer kontrollierten Studie mit 50 älteren Erwachsenen lag der Vitamin-D-Spiegel im Blut zwölf Stunden nach einer Einzeldosis um 32 Prozent höher, wenn die Kapsel zu einer fetthaltigen statt zu einer fettfreien Mahlzeit genommen wurde. Eine kleinere Beobachtung an 17 Patienten, die ihr Vitamin D zur größten Mahlzeit des Tages nahmen, kam auf einen um gut 50 Prozent höheren 25(OH)D-Wert. Das ist keine harte Evidenz, aber ein einfacher Rat: Nimm Vitamin D zur Hauptmahlzeit, die etwas Fett enthält. Ob das Frühstück oder Abendessen ist, ist egal.

Was das „Dazunehmen“ betrifft:

  • Fett: ja, eine Mahlzeit mit etwas Öl, Käse, Nüssen oder Fisch genügt.
  • Magnesium: Die Enzyme, die Vitamin D umwandeln, brauchen Magnesium. In einer Studie mit 180 Teilnehmenden hob Magnesium den Vitamin-D-Spiegel bei niedrigen Ausgangswerten etwas an und senkte ihn bei hohen. Ein Präparat brauchst du dafür nicht, eine normale Versorgung reicht. Wie du die über das Essen erreichst, steht in unserem Ratgeber zu Magnesium.
  • Calcium: nur, wenn du über Milchprodukte, Mineralwasser und grünes Gemüse zu wenig bekommst, und dann am besten nach ärztlicher Rücksprache.
  • K2: siehe oben, kein belegter Zusatznutzen bei normalen Dosen.

Vitamin-D-Überdosierung: Ab wann es schadet

Über die Sonne kannst du dich nicht überdosieren, der Körper wandelt überschüssiges Vitamin D in inaktive Formen um. Auch mit normalem Essen ist es praktisch unmöglich. Eine Überdosierung entsteht laut DGE und BfR nur durch zu viele oder zu hoch dosierte Präparate, typischerweise bei dauerhaft mehr als 100 µg (4.000 IE) am Tag.

Zu viel Vitamin D treibt den Calciumspiegel im Blut nach oben. Mögliche Zeichen sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschwäche, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verstopfung und Herzrhythmusstörungen. Hält der Zustand an, können Nierensteine, Nierenverkalkung und eine bleibende Abnahme der Nierenfunktion folgen. In Fallberichten sind solche Vergiftungen bei Kindern und Erwachsenen beschrieben, meist nach Dosierfehlern.

Schon unterhalb echter Vergiftungen gibt es Warnsignale aus Studien. Laut BfR verringerten 4.000 IE täglich über längere Zeit bei älteren Frauen die Knochendichte stärker als niedrige Dosen und erhöhten das Sturzrisiko. Bei herzkranken Menschen verschlechterte dieselbe Dosis die Herzfunktion. Mehr ist bei Vitamin D also ausdrücklich nicht besser.

Unsere Empfehlung

Geh im Sommerhalbjahr regelmäßig raus, auch in der Mittagspause, und lass Gesicht und Arme ein paar Minuten ohne Sonnencreme in die Sonne, bevor du dich eincremst. Bewegung im Freien hilft dabei doppelt, weil sie auch Muskeln und Knochen stärkt; wie du gezielt Muskeln aufbaust, liest du in unserem Artikel zur Ernährung für den Muskelaufbau. Iss ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch wie Hering, Makrele oder Lachs.

Ein Vitamin-D-Präparat ist sinnvoll, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst oder im Winter kaum Tageslicht siehst. Dann reichen 800 IE (20 µg) am Tag, idealerweise von Oktober bis März und zu einer Mahlzeit. Einen Bluttest brauchst du dafür nicht, solange du in diesem Bereich bleibst. Wenn du Beschwerden hast, chronisch krank bist, schwanger bist oder Medikamente nimmst, lass den Wert ärztlich bestimmen und folge der Dosierung, die dir dort empfohlen wird.

Nicht empfehlen können wir hochdosierte Wochenkapseln in Eigenregie, Kombipräparate mit viel K2 und Laborpakete, die man ohne Anlass selbst bezahlt, nur um eine Zahl zu haben.

Häufige Fragen

Was ist ein guter Vitamin-D-Wert?

Nach DGE, BfR und EFSA gilt ein 25(OH)D-Wert ab 20 ng/ml (50 nmol/l) als ausreichend für gesunde Knochen. Unter 12 ng/ml (30 nmol/l) spricht man von einem Mangel. Manche Labore setzen die Grenze bei 30 ng/ml an, das geht auf eine US-Leitlinie von 2011 zurück, die 2024 aufgegeben wurde. Über 50 ng/ml (125 nmol/l) bringt keinen Zusatznutzen mehr.

Woran erkenne ich einen Vitamin-D-Mangel?

Meist gar nicht. Müdigkeit, Infektanfälligkeit oder Haarausfall sind unspezifisch und haben viele Ursachen. Ein echter schwerer Mangel zeigt sich bei Erwachsenen durch Knochenschmerzen und Muskelschwäche infolge weicher Knochen (Osteomalazie). Sicher feststellen lässt sich ein Mangel nur über den Bluttest.

Sollte ich Vitamin D morgens oder abends einnehmen?

Die Uhrzeit spielt nach aktuellem Wissen keine Rolle. Nimm Vitamin D zu einer Mahlzeit, die etwas Fett enthält, dann wird es besser aufgenommen. In einer Studie stieg der Spiegel nach einer fetthaltigen Mahlzeit um 32 Prozent stärker als nach einer fettfreien.

Ist Vitamin D 20.000 IE gefährlich?

Für Menschen, die bereits gut versorgt sind, kann eine Dosis von 20.000 IE alle 20 Tage den Blutwert laut BfR in einen Bereich treiben, der in Studien mit Schäden verbunden war. Hochdosen gehören deshalb nur in ärztliche Behandlung mit Kontrolle der Werte. Für die Selbstergänzung empfiehlt das BfR täglich höchstens 800 IE.

Brauche ich zu Vitamin D3 auch K2?

Bei normalen Dosen gibt es keinen Beleg dafür. Das BfR sieht keinen nachgewiesenen Nutzen der Kombination und empfiehlt für K2 in Präparaten höchstens 25 µg am Tag. Wer Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ nimmt, sollte Vitamin K nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2025): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (2025): Vitamin D – Sonne und Bewegung fördern eine gute Versorgung. FAQ vom 30. Dezember 2025
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (2025): Einnahme hoher Einzeldosen Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel im Abstand von Tagen oder Wochen birgt gesundheitliche Risiken. Stellungnahme 31/2025
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung (2023): Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D können langfristig die Gesundheit beeinträchtigen. Stellungnahme 065/2023
  5. Verbraucherzentrale: Vitamin-D-Versorgung in Deutschland
  6. Demay MB et al. (2024): Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab 109:1907–1947
  7. Manson JE et al. (2019): Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease (VITAL). N Engl J Med 380:33–44
  8. Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) Version 4.0

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