Blutdruck senken ohne Tabletten: Was hilft und wie viel es bringt
Das Wichtigste in Kürze
- Nach der ESC-Leitlinie 2024 gilt ein Praxiswert unter 120/70 mmHg als nicht erhöht, 120–139/70–89 mmHg als erhöht und ab 140/90 mmHg (zu Hause ab 135/85) als Bluthochdruck.
- 4,4 g weniger Salz am Tag senkten den oberen Wert im Schnitt um 4,2 mmHg, bei Bluthochdruck um 5,4 mmHg; die ESC empfiehlt etwa 2 g Natrium, also rund 5 g Salz pro Tag.
- Die DASH-Ernährung senkte den Blutdruck bei Menschen mit Bluthochdruck um 11,4/5,5 mmHg, zusammen mit wenig Salz lag der obere Wert 11,5 mmHg unter üblicher Kost mit viel Salz.
- Pro Kilo Gewichtsverlust sinkt der Blutdruck um etwa 1 mmHg; isometrisches Training wie Wandsitzen brachte in einer Auswertung von 270 Studien im Schnitt −8,2/−4,0 mmHg, Ausdauertraining −4,5/−2,5 mmHg.
- Über 180/110 mmHg mit Brustschmerz, Atemnot, Lähmungen oder Sehstörungen ist ein Notfall (112); verordnete Blutdruckmittel nie eigenmächtig absetzen.
Ohne Tabletten senkst du den Blutdruck am stärksten mit weniger Salz, einer Ernährung nach dem DASH-Prinzip, ein paar Kilo weniger und regelmäßigem Training. Einzeln bringt jede Maßnahme im Schnitt 4 bis 8 mmHg beim oberen Wert, kombiniert mehr: DASH-Kost mit wenig Salz senkte den systolischen Blutdruck bei Menschen mit Bluthochdruck um 11,5 mmHg. Überraschend stark wirken isometrische Übungen wie das Wandsitzen, in einer Auswertung von 270 Studien waren es minus 8 mmHg.
Unten findest du die Blutdruck-Werte nach der neuen europäischen Leitlinie von 2024 als Tabelle, was jede Maßnahme in mmHg bringt, wo das Salz in deinem Essen steckt, wie du richtig misst und wann du sofort Hilfe brauchst. Wenn du schon Blutdrucktabletten nimmst: Die Tipps hier ergänzen sie, ersetzen sie aber nicht.
Blutdruck-Werte: Tabelle nach ESC 2024
Der Blutdruck wird mit zwei Zahlen angegeben. Die obere (systolische) ist der Druck, wenn das Herz pumpt, die untere (diastolische) der Druck in der Pause dazwischen. 130/85 heißt also 130 mmHg beim Herzschlag und 85 mmHg in der Entspannungsphase.
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2024 die Einteilung vereinfacht. Statt „optimal“, „normal“ und „hochnormal“ gibt es nur noch drei Stufen, und die mittlere heißt jetzt „erhöht“. Das ist ein deutliches Signal: Werte zwischen 120 und 139 mmHg galten früher noch als normal oder hochnormal, heute sieht die Leitlinie darin ein Risiko, das man im Blick behalten sollte.
| Kategorie | In der Praxis gemessen | Zu Hause gemessen (Mittelwert) | Was das heißt |
|---|---|---|---|
| Nicht erhöht | unter 120/70 mmHg | unter 120/70 mmHg | alles in Ordnung, einmal im Jahr kontrollieren reicht meist |
| Erhöht | 120–139 / 70–89 mmHg | 120–134 / 70–84 mmHg | Lebensstil ändern; Tabletten nur bei hohem Herz-Kreislauf-Risiko, wenn nach 3 Monaten der obere Wert noch bei 130 oder darüber liegt |
| Bluthochdruck (Hypertonie) | ab 140/90 mmHg | ab 135/85 mmHg | bestätigt: in der Regel Tabletten zusätzlich zum Lebensstil |
| Sofort abklären | über 180/110 mmHg | über 180/110 mmHg | ärztlich abklären lassen, bei Beschwerden Notruf 112 |
Für alle, die Tabletten nehmen, nennt die Leitlinie ein ehrgeiziges Ziel: oben 120 bis 129 mmHg, sofern das gut vertragen wird. Bei sehr alten oder gebrechlichen Menschen und bei Schwindel beim Aufstehen gilt stattdessen, so niedrig wie vernünftig erreichbar.
Gut zu wissen: Ob du bei „erhöht“ Tabletten brauchst, hängt von deinem Gesamtrisiko ab. Die Ärztin schätzt es mit dem Rechner SCORE2. Liegt das Zehn-Jahres-Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall bei mindestens 10 Prozent, oder hast du Diabetes oder eine Herzerkrankung, kommen nach drei Monaten ohne Erfolg Medikamente dazu.
Was senkt den Blutdruck wie stark? Die Übersicht
Hier alle Maßnahmen mit ihrem Effekt in Zahlen. Die Werte stammen aus großen Meta-Analysen und aus den DASH-Studien. Sie zeigen den Durchschnitt, Menschen mit Bluthochdruck profitieren meist stärker als Menschen mit normalen Werten.
| Maßnahme | Wie viel | Oberer Wert (systolisch) | Unterer Wert (diastolisch) | Datenbasis |
|---|---|---|---|---|
| Weniger Salz | 4,4 g weniger pro Tag | −4,2 mmHg (bei Bluthochdruck −5,4) | −2,1 mmHg (−2,8) | 34 Studien, 3.230 Personen (He 2013) |
| DASH-Ernährung | 8 Wochen | −5,5 mmHg (bei Bluthochdruck −11,4) | −3,0 mmHg (−5,5) | 459 Personen (Appel 1997) |
| DASH plus wenig Salz | je 30 Tage | −7,1 mmHg ohne, −11,5 mmHg mit Bluthochdruck | k. A. | 412 Personen (Sacks 2001) |
| Abnehmen | pro kg | −1,1 mmHg | −0,9 mmHg | 25 Studien, 4.874 Personen (Neter 2003) |
| Ausdauertraining | Gehen, Laufen, Radfahren | −4,5 mmHg | −2,5 mmHg | Edwards 2023 |
| Krafttraining | Geräte, Hanteln | −4,6 mmHg | −3,0 mmHg | Edwards 2023 |
| Ausdauer und Kraft kombiniert | −6,0 mmHg | −2,5 mmHg | Edwards 2023 | |
| Intervalltraining (HIIT) | −4,1 mmHg | −2,5 mmHg | Edwards 2023 | |
| Isometrisches Training | Wandsitzen, Handgriff | −8,2 mmHg | −4,0 mmHg | 270 Studien, 15.827 Personen (Edwards 2023) |
| Weniger Alkohol | bei 6 oder mehr Getränken am Tag etwa halbieren | −5,5 mmHg | −4,0 mmHg | 36 Studien, 2.865 Personen (Roerecke 2017) |
Zum Einordnen: Ein paar mmHg klingen nach wenig, sind aber viel, wenn sie dauerhaft bleiben. Die Autoren der Salz-Analyse halten schon die gut 4 mmHg für bevölkerungsweit bedeutsam, weil jeder Millimeter weniger das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt ein Stück senkt. Wer zwei, drei der Maßnahmen kombiniert, kommt bei erhöhten Werten oft ohne Tabletten aus.
Salz: der größte Hebel beim Essen
Laut DGE salzen wir in Deutschland im Schnitt rund 10 g Salz am Tag. Die ESC empfiehlt höchstens etwa 2 g Natrium, das sind 5 g Salz, also ungefähr ein Teelöffel. Weil das für viele ein großer Sprung ist, nennt sie 2 bis 4 g Natrium (5 bis 10 g Salz) als realistischen Kompromiss für die Allgemeinbevölkerung. Jedes Gramm weniger zählt: In der Cochrane-Analyse von He und Kollegen brachten 6 g weniger Salz am Tag minus 5,8 mmHg.
Das meiste Salz streust du nicht selbst. Laut DGE stammen etwa zwei Drittel aus Brot, Käse, Wurst und Fertigprodukten. Ein ganz normales Frühstück mit zwei Brötchen, 30 g Gouda und 30 g Salami bringt laut Bundeslebensmittelschlüssel schon 3,4 g Salz, also gut zwei Drittel der empfohlenen Tagesmenge.
| Lebensmittel | Portion | Salz |
|---|---|---|
| Weizenbrötchen | 1 Stück (50 g) | 0,9 g |
| Roggenmischbrot | 1 Scheibe (50 g) | 0,7 g |
| Gouda | 30 g (1½ Scheiben) | 0,65 g |
| Salami | 30 g | 0,9 g |
| Kochschinken | 30 g (2 Scheiben) | 0,7 g |
| Schmelzkäse | 25 g (1 Scheibe) | 0,7 g |
| Feta | 50 g | 1,2 g |
| Leberkäse | 100 g (1 Scheibe) | 2,3 g |
| Räucherlachs | 50 g | 1,5 g |
| Matjesfilet | 50 g | 4,3 g |
| Salzbrezeln/Salzstangen | 30 g (kleine Schale) | 1,2 g |
| Sojasauce | 1 EL (15 g) | 1,7 g |
| Sauerkraut, abgetropft | 150 g | 1,5 g |
| Tomatenketchup | 1 EL (20 g) | 0,4 g |
Brot ist dabei der heimliche Spitzenreiter, nicht weil es so salzig ist, sondern weil wir so viel davon essen. Vier Scheiben am Tag sind schon knapp 3 g. Du musst Brot nicht streichen, aber der Belag macht den Unterschied: Frischkäse mit Gurke, Tomate mit Kräutern oder Hummus statt Salami und Schinken.
Tipp: Gewöhn deinen Geschmack langsam um. Wer zwei, drei Wochen lang weniger salzt, empfindet danach das alte Niveau oft als zu salzig. Kräuter, Knoblauch, Zitrone, Pfeffer und geröstete Gewürze füllen die Lücke. Und koste erst, bevor du nachsalzt.
Eine Abkürzung sind Kaliumsalze, bei denen ein Teil des Kochsalzes durch Kaliumchlorid ersetzt ist (in Studien meist 75 Prozent Kochsalz, 25 Prozent Kaliumchlorid). Die ESC nennt sie als Option für Menschen mit Bluthochdruck und hohem Salzkonsum. Sie sind aber nichts für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder mit Medikamenten, die den Kaliumspiegel anheben, etwa ACE-Hemmer, Sartane oder kaliumsparende Entwässerungstabletten. Frag in diesem Fall vorher in der Praxis nach.
DASH-Diät: so funktioniert sie
DASH steht für „Dietary Approaches to Stop Hypertension“, also Ernährungswege gegen Bluthochdruck. Das Prinzip ist unspektakulär: viel Gemüse und Obst, fettarme Milchprodukte, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse, dafür wenig gesättigtes Fett, wenig rotes Fleisch und wenig Süßes. In der ersten DASH-Studie (1997) bekamen 459 Erwachsene acht Wochen lang ihr Essen gestellt, Salz und Körpergewicht blieben dabei gleich. Trotzdem sank der Blutdruck um 5,5/3,0 mmHg, bei Menschen mit Bluthochdruck sogar um 11,4/5,5 mmHg.
Die Folgestudie DASH-Sodium zeigte 2001, dass Salz und DASH sich ergänzen. Auf jeder Salzstufe war der Blutdruck mit DASH niedriger als mit der typischen US-Kost. Am niedrigsten war er mit DASH und wenig Salz: Bei Menschen mit Bluthochdruck lag der obere Wert 11,5 mmHg unter dem Wert mit üblicher Kost und viel Salz.
Ein Grund, warum DASH so gut wirkt, ist Kalium. Es hilft den Nieren, Natrium auszuscheiden, und entspannt die Gefäßwände. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt über 3,5 g Kalium am Tag, das zitiert auch die ESC. Viel steckt in Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Trockenobst.
| Lebensmittel | Portion | Kalium |
|---|---|---|
| Kartoffeln (roh gewogen) | 200 g | 761 mg |
| Spinat | 100 g | 573 mg |
| Kidneybohnen, gekocht | 150 g | 549 mg |
| Lachs | 125 g | 495 mg |
| Banane | 1 Stück (120 g) | 401 mg |
| Avocado | ½ Frucht (70 g) | 385 mg |
| Aprikosen, getrocknet | 30 g (1 Handvoll) | 341 mg |
| Naturjoghurt (3,5 %) | 150 g | 259 mg |
| Tomatenmark | 1 EL gehäuft (20 g) | 223 mg |
Wie ein DASH-Tag aussehen kann: morgens Haferflocken mit Joghurt, Banane und einer Handvoll Nüsse. Mittags Pellkartoffeln mit Kräuterquark und einem großen Salat. Nachmittags eine Handvoll getrocknete Aprikosen. Abends Chili mit Kidneybohnen, Paprika und Tomaten, nur mit Kreuzkümmel, Paprikapulver und wenig Salz gewürzt. Allein mit Kartoffeln, Bohnen, Banane, Joghurt und Aprikosen kommst du auf über 2,3 g Kalium, mit Gemüse, Brot und Nüssen locker über 3,5 g.
Sehr ähnlich ist übrigens die Mittelmeerküche, die die ESC ebenfalls als bewährt nennt. In einer Teilstudie der spanischen PREDIMED-Studie sank der obere Wert damit nach drei Monaten um 6 bis 7 mmHg stärker als mit fettarmer Kost. Mehr dazu im Ratgeber Mediterrane Ernährung.
Kalium aus Lebensmitteln ist für Gesunde unbedenklich. Kaliumtabletten oder -pulver nimm aber nur nach ärztlicher Rücksprache, besonders bei Nierenerkrankungen oder Blutdruckmitteln wie ACE-Hemmern, Sartanen und Spironolacton. Zu viel Kalium im Blut kann Herzrhythmusstörungen auslösen, und auch die ESC warnt ausdrücklich vor übertriebener Kaliumzufuhr.
Abnehmen: rund 1 mmHg pro Kilo
Übergewicht ist einer der stärksten Treiber für hohen Blutdruck, und hier lohnt jedes Kilo. Eine Meta-Analyse von 25 Studien fand im Schnitt etwa 1 mmHg weniger pro Kilo Gewichtsverlust, oben wie unten (Neter 2003). Wer mehr als 5 kg abnahm, kam auf durchschnittlich 6,6 mmHg weniger beim oberen Wert.
Die ESC nennt 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts als Ziel, das sich schon deutlich auf Blutdruck und Stoffwechsel auswirkt. Bei 90 kg sind das 4,5 bis 9 kg. Als Richtwert für den Bauchumfang gelten unter 94 cm für Männer und unter 80 cm für Frauen. Wie du ohne Crash-Diät dahin kommst, steht in unserem Ratgeber Abnehmen: Was wirklich hilft.
Bewegung: Ausdauer, Kraft und Wandsitzen
Fast jede Form von Training senkt den Blutdruck. Die bisher größte Auswertung von Edwards und Kollegen (2023) fasst 270 randomisierte Studien mit knapp 16.000 Teilnehmenden zusammen. Ausdauertraining brachte im Schnitt 4,5/2,5 mmHg, Krafttraining 4,6/3,0 mmHg, beides kombiniert 6,0/2,5 mmHg. Am stärksten wirkte isometrisches Training, also Halteübungen ohne Bewegung, mit 8,2/4,0 mmHg. Unter den Einzelübungen lag das Wandsitzen vorn.
Die ESC empfiehlt mindestens 150 Minuten moderates Ausdauertraining pro Woche, am besten verteilt auf fünf bis sieben Tage mit mindestens 30 Minuten, dazu zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining. Als isometrische Übungen nennt sie Handgriff-Training, Unterarmstütz (Plank) und Wandsitzen. Gehen zählt übrigens voll mit: Wie viele Schritte pro Tag für die Gesundheit sinnvoll sind, haben wir ausführlich aufgeschrieben.
Wandsitzen gegen Bluthochdruck: so geht’s
Das Wandsitzen (Wall Sit) braucht nur eine freie Wand und eine Uhr. In einer kleinen, aber sorgfältig kontrollierten Studie mit 30 inaktiven Erwachsenen trainierte eine Gruppe vier Wochen lang nach diesem Schema. Ihr Praxis-Blutdruck sank oben um 15 mmHg, in der Schein-Trainingsgruppe mit zu geringer Anstrengung tat sich dagegen nichts (Decaux 2022). In einer anderen Studie mit leicht erhöhtem Blutdruck hielten Männer das Training ein Jahr lang durch und hatten danach 8,5/7,3 mmHg weniger (O’Driscoll 2022).
- Lehn dich mit dem Rücken an eine Wand, Füße schulterbreit und parallel, ein Stück vor der Wand, Arme locker neben dem Körper.
- Rutsch an der Wand nach unten, bis die Knie gebeugt sind. Je tiefer, desto anstrengender. Anfänger bleiben deutlich über 90 Grad.
- Halte die Position 2 Minuten. Die letzten 30 Sekunden sollen richtig anstrengend sein, aber machbar.
- 2 Minuten Pause, dann wiederholen. Insgesamt 4 Durchgänge.
- Dreimal pro Woche, mit mindestens einem Tag Pause dazwischen.
Atme dabei ruhig weiter und press nicht. Schaffst du keine 2 Minuten, geh etwas höher an der Wand. Das war es auch schon, kein Gerät, kein Studio, 14 Minuten inklusive Pausen! Nach ein, zwei Wochen kannst du tiefer gehen, wenn es zu leicht wird.
Achtung: Während des Wandsitzens steigt der Blutdruck kurzzeitig stark an, in einer Messstudie bei tiefem Knie-Winkel auf rund 196/112 mmHg. Bei sehr hohen oder schlecht eingestellten Werten, nach Herzinfarkt oder Schlaganfall und bei Herzerkrankungen sprich vorher mit deiner Ärztin, welches Training für dich passt.
Alkohol und Kaffee
Alkohol hebt den Blutdruck, und zwar umso mehr, je mehr du trinkst. In einer Meta-Analyse von 36 Studien sank der Blutdruck bei Menschen, die sechs oder mehr Getränke am Tag tranken und ihren Konsum etwa halbierten, um 5,5/4,0 mmHg (Roerecke 2017). Bei zwei oder weniger Getränken am Tag war der Effekt einer Reduktion statistisch nicht sicher nachweisbar. Die ESC setzt die Obergrenze bei 100 g reinem Alkohol pro Woche, das sind etwa fünf Halbe Bier, und hält es für am gesündesten, ganz zu verzichten. Was Alkohol sonst noch mit Stoffwechsel und Schlaf macht, steht im Artikel Alkohol und Abnehmen.
Beim Kaffee kannst du entspannen. Laut ESC hängt Kaffeetrinken in der Allgemeinbevölkerung nicht mit einem höheren Risiko für Bluthochdruck zusammen. Nur vor dem Messen solltest du 30 Minuten darauf verzichten, sonst wird der Wert verfälscht. Was Kaffee sonst kann, liest du in Ist Kaffee gesund?.
Blutdruck senken sofort: was im Akutfall hilft
Die ehrliche Antwort zuerst: Ein Hausmittel, das den Blutdruck zuverlässig innerhalb von Minuten senkt, gibt es nicht. Das ist auch gut so, denn ein zu schneller Abfall kann bei sehr hohen Werten selbst gefährlich werden. Was du tun kannst, ist richtig nachmessen. Viele hohe Werte entstehen durch Aufregung, Treppensteigen oder einen Kaffee kurz vorher.
Hast du einen hohen Wert gemessen, setz dich bequem hin, atme ruhig und miss nach 5 Minuten Ruhe erneut. Liegt der Wert über 180/110 mmHg und du hast keine Beschwerden, bleib ruhig und miss nach 15 bis 30 Minuten noch einmal, oft sinkt er von allein. Bleibt er so hoch, ruf deine Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 an.
Achtung: Ruf sofort den Notruf 112, wenn ein Blutdruck über 180/110 mmHg zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen, starken Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Krampfanfällen auftritt. Nimm keine zusätzlichen Tabletten auf eigene Faust und setz verordnete Blutdruckmittel nie eigenmächtig ab: Gerade das plötzliche Absetzen ist eine häufige Ursache für solche Entgleisungen.
Blutdruck richtig messen
Ein einzelner Wert in der Arztpraxis sagt wenig. Die ESC empfiehlt deshalb ausdrücklich Messungen außerhalb der Praxis, also zu Hause oder mit einem 24-Stunden-Gerät. So fallen auch die „Weißkittel-Hypertonie“ (nur in der Praxis hoch) und der versteckte Bluthochdruck (nur zu Hause hoch) auf. Am zuverlässigsten sind Geräte für den Oberarm.
So misst du nach den Vorgaben der ESC-Leitlinie:
- 30 Minuten vorher kein Sport, kein Kaffee, keine Zigarette.
- 5 Minuten ruhig sitzen, Rücken angelehnt, Füße auf dem Boden, Arm entspannt auf Herzhöhe auf dem Tisch.
- Die Manschette muss passen: Ihre Gummiblase sollte 75 bis 100 Prozent des Oberarmumfangs umschließen. Bei kräftigen Armen brauchst du eine größere Manschette.
- Pro Messung zweimal messen, mit 1 bis 2 Minuten Abstand.
- Morgens und abends zur selben Zeit messen, mindestens 3 und bis zu 7 Tage lang. Dann den Mittelwert bilden.
Tipp: Schreib die Werte gleich auf oder nutz die Speicherfunktion des Geräts. Nimm das Protokoll und dein Messgerät mit zum Arzttermin, dann kann die Praxis vergleichen, ob dein Gerät richtig misst. Geräte, die älter als vier Jahre sind, können laut ESC ungenau sein.
Wann zum Arzt?
Lass deine Werte ärztlich anschauen, wenn der Mittelwert zu Hause bei 135/85 mmHg oder darüber liegt, oder wenn er im Bereich 120 bis 134 mmHg liegt und du weitere Risiken hast, etwa Diabetes, Rauchen, Übergewicht, erhöhtes Cholesterin oder Herzinfarkte in der Familie. Die Ärztin bewertet dann dein Gesamtrisiko und klärt, ob hinter dem Bluthochdruck eine andere Erkrankung steckt, zum Beispiel an Niere oder Schilddrüse oder eine Schlafapnoe mit Atemaussetzern in der Nacht. Wer laut schnarcht und tagsüber ständig müde ist, sollte das ansprechen, mehr dazu im Artikel Schnarchen: Ursachen und was hilft.
Bluthochdruck tut lange nicht weh. Genau das macht ihn tückisch, denn er schädigt über Jahre Gefäße, Herz, Nieren und Augen. Auch das Cholesterin hängt mit drin: Wie du dein LDL ohne Tabletten senkst, steht im Artikel Cholesterin senken. Und wer viel Bauchfett, hohe Blutzuckerwerte und erhöhten Blutdruck zusammen hat, sollte an eine Insulinresistenz denken.
So fängst du an
Nimm dir nicht alles auf einmal vor. Diese Reihenfolge hat sich bewährt, weil die ersten Schritte am schnellsten wirken und dich motivieren:
- Eine Woche lang morgens und abends messen, um zu wissen, wo du stehst.
- Salz halbieren: Wurst und Käse auf dem Brot reduzieren, Fertiggerichte und Knabbersalz seltener, beim Kochen erst am Ende salzen.
- Jeden Tag eine Portion Hülsenfrüchte, Kartoffeln oder Trockenobst und mindestens drei Handvoll Gemüse.
- Dreimal pro Woche Wandsitzen (4 × 2 Minuten) und an den anderen Tagen 30 Minuten zügig gehen.
- Alkohol auf wenige Tage pro Woche begrenzen, besser ganz pausieren.
- Nach vier bis acht Wochen wieder eine Woche lang messen und mit der Ärztin besprechen.
Häufige Fragen
Was senkt den Blutdruck sofort?
Kein Lebensmittel und kein Hausmittel senkt den Blutdruck verlässlich innerhalb von Minuten. Setz dich hin, atme ruhig und miss nach 5 Minuten erneut, oft ist der Wert dann schon niedriger. Liegt er über 180/110 mmHg, miss nach 15 bis 30 Minuten noch einmal und ruf bei anhaltend hohen Werten die Praxis oder die 116 117 an. Mit Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen oder Sehstörungen sofort die 112.
Welcher Blutdruck ist normal?
Nach der ESC-Leitlinie von 2024 gilt ein in der Praxis gemessener Wert unter 120/70 mmHg als nicht erhöht. 120 bis 139 zu 70 bis 89 mmHg heißt „erhöht“, ab 140/90 mmHg spricht man von Bluthochdruck. Zu Hause gemessen liegt die Grenze für Bluthochdruck niedriger, bei 135/85 mmHg im Mittelwert.
Welche Lebensmittel senken den Blutdruck?
Am meisten bringt es, salzreiche Lebensmittel wie Brot mit Wurst und Käse, Fertiggerichte und Knabbereien zu reduzieren. Blutdrucksenkend wirken kaliumreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Spinat, Bananen und Trockenobst sowie eine Ernährung nach DASH- oder Mittelmeer-Prinzip mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und Nüssen. Ein einzelnes Wunderlebensmittel gibt es nicht.
Was ist die DASH-Diät?
DASH („Dietary Approaches to Stop Hypertension“) ist eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, fettarmen Milchprodukten, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen und wenig gesättigtem Fett, rotem Fleisch und Süßem. In Studien senkte sie den Blutdruck bei Menschen mit Bluthochdruck um rund 11 mmHg, zusammen mit wenig Salz um 11,5 mmHg gegenüber üblicher Kost mit viel Salz.
Kann man Bluthochdruck ohne Medikamente senken?
Bei erhöhtem Blutdruck und leichtem Bluthochdruck oft ja, wenn mehrere Maßnahmen zusammenkommen: weniger Salz, DASH-Ernährung, Abnehmen, Bewegung und wenig Alkohol. Ab 140/90 mmHg empfiehlt die ESC aber in der Regel Tabletten zusätzlich zum Lebensstil, weil das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall dann hoch genug ist. Setz verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab, auch wenn die Werte besser werden.
Ab wann ist Blutdruck gefährlich?
Dauerhaft ab 140/90 mmHg in der Praxis (135/85 zu Hause) steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden deutlich, auch ohne Beschwerden. Akut gefährlich wird es über 180/110 mmHg, besonders mit Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen. Dann gilt: sofort 112.
Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und belegen ihn mit Quellen. Er ersetzt aber keine persönliche Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Diätologin. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Praxis. Mehr dazu: So arbeiten wir.
Quellen
- McEvoy JW et al. (2024): 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Heart J 45(38):3912–4018
- He FJ, Li J, MacGregor GA (2013): Effect of longer term modest salt reduction on blood pressure: Cochrane systematic review and meta-analysis of randomised trials. BMJ 346:f1325
- Appel LJ et al. (1997): A clinical trial of the effects of dietary patterns on blood pressure (DASH). N Engl J Med 336(16):1117–1124
- Sacks FM et al. (2001): Effects on blood pressure of reduced dietary sodium and the Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH) diet. N Engl J Med 344(1):3–10
- Neter JE et al. (2003): Influence of weight reduction on blood pressure: a meta-analysis of randomized controlled trials. Hypertension 42(5):878–884
- Edwards JJ et al. (2023): Exercise training and resting blood pressure: a large-scale pairwise and network meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Sports Med 57(20):1317–1326
- Roerecke M et al. (2017): The effect of a reduction in alcohol consumption on blood pressure: a systematic review and meta-analysis. Lancet Public Health 2(2):e108–e120
- Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), Version 4.0, Deutsche Nährstoffdatenbank (CC BY 4.0)