Süßungsmittel im Vergleich: Stevia, Erythrit, Xylit und Süßstoffe laut Studienlage

Veröffentlicht am · 13 Min. Lesezeit

Titelbild: suessungsmittel

Das Wichtigste in Kürze

  • In der EU sind 19 Süßungsmittel zugelassen, 11 Süßstoffe wie Stevia, Sucralose und Aspartam ohne nennenswerte Kalorien und 8 Zuckeraustauschstoffe, meist mit 2,4 kcal pro Gramm, Erythrit mit 0 kcal.
  • Die WHO rät seit 2023 davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle zu verwenden, weil sie langfristig das Körperfett nicht senken, die Empfehlung ist wegen möglicher Verzerrungen aber nur bedingt.
  • Die IARC stufte Aspartam 2023 als möglicherweise krebserregend (Gruppe 2B) ein, die erlaubte Tagesdosis von 40 mg pro kg bleibt bestehen, eine Person mit 70 kg müsste dafür mehr als 9 bis 14 Dosen Light-Getränk trinken.
  • Hohe Erythrit-Blutwerte waren 2023 bei Menschen mit erhöhtem Herzrisiko mit einem 1,8- bis 2,2-fach höheren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod verbunden, die EFSA sieht keinen Beleg für eine Ursache und setzt den ADI auf 0,5 g pro kg.
  • Xylit ist für Hunde giftig: Schon ab etwa 0,1 g pro kg Körpergewicht kann der Blutzucker gefährlich abfallen.

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Süßstoffe wie Stevia, Sucralose oder Aspartam haben praktisch keine Kalorien und lassen den Blutzucker kaum steigen, Erythrit hat ebenfalls 0 kcal, Xylit 2,4 kcal pro Gramm statt 4 kcal bei Zucker. Alle in der EU zugelassenen Süßungsmittel gelten in den erlaubten Mengen als sicher, für Aspartam liegt die erlaubte Tagesdosis (ADI) zum Beispiel bei 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Gesundheitsgewinn sind sie trotzdem nur, wenn sie Zucker ersetzen: Die WHO rät seit 2023 davon ab, sie zum Abnehmen einzusetzen, und für Erythrit und Xylit gibt es Beobachtungsstudien mit Warnsignalen fürs Herz, deren Bedeutung noch unklar ist.

Kurz gesagt: Wer Cola durch Cola zero ersetzt, macht einen klaren Schritt nach vorn, wer aber jedes Lebensmittel mit Süßungsmitteln süßt, gewinnt wenig. Unten findest du alle wichtigen Süßungsmittel mit Süßkraft, Kalorien, Blutzuckerwirkung und ADI im Vergleich, die Einordnung der Studien zu Aspartam und Krebs und zu Erythrit und Herzinfarkt, die Gefahr von Xylit für Hunde und unsere Empfehlung, welcher Zuckerersatz wofür taugt.

Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe: der Unterschied

In der EU sind derzeit 19 Süßungsmittel zugelassen, alle als Lebensmittelzusatzstoffe mit E-Nummer. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) teilt sie in zwei Gruppen:

  • Süßstoffe (11 Stoffe): Acesulfam K, Aspartam, Cyclamat, Saccharin, Sucralose, Thaumatin, Neohesperidin DC, Steviolglykoside, Neotam, Aspartam-Acesulfamsalz und Advantam. Sie sind 30- bis zigtausendfach süßer als Zucker, man braucht also nur winzige Mengen, und liefern keine oder praktisch keine Energie.
  • Zuckeraustauschstoffe (8 Stoffe): Sorbit, Mannit, Isomalt, Polyglycitolsirup, Maltit, Lactit, Xylit und Erythrit. Chemisch sind es Zuckeralkohole (Polyole). Sie sind ähnlich süß wie Zucker oder etwas weniger, haben Volumen und lassen sich ähnlich verarbeiten. Die meisten liefern 2,4 kcal pro Gramm, Erythrit gar keine.

Süßungsmittel müssen in der Zutatenliste mit dem Klassennamen „Süßungsmittel“ und ihrem Namen oder ihrer E-Nummer stehen. Auf der Packung steht zusätzlich „mit Süßungsmittel(n)“. Enthält ein Produkt mehr als 10 Prozent zugesetzte Zuckeralkohole, muss der Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ drauf, bei Aspartam der Hinweis auf eine Phenylalaninquelle.

Kurz erklärt: Der ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) ist die Menge, die du laut Behörden ein Leben lang täglich aufnehmen kannst, ohne dass gesundheitliche Schäden zu erwarten sind. Er wird meist aus Tierversuchen abgeleitet, mit großem Sicherheitsabstand zu der Menge, bei der dort keine Schäden mehr auftraten. Ein gelegentliches Überschreiten bedeutet deshalb nicht automatisch eine Gefahr.

Süßungsmittel im Vergleich: die Tabelle

Süßungsmittel (E-Nummer)Süßkraft (Zucker = 1)kcal pro gBlutzucker (GI, Zucker = 65)ADI pro kg KörpergewichtBei 70 kgHinweise
Haushaltszucker (Saccharose)1465keiner, WHO: freier Zucker unter 10 % der Energieunter 50 gKaries, viele Kalorien
Steviolglykoside „Stevia“ (E 960)250 bis 300praktisch 0kein nennenswerter Anstieg4 mg (als Steviol)280 mglakritzartiger Beigeschmack; Tafelsüßen bestehen oft vor allem aus Erythrit oder Maltodextrin
Sucralose (E 955)600praktisch 0kein nennenswerter Anstieg15 mg1.050 mgnicht über 120 °C erhitzen, also nicht zum Backen und Braten
Aspartam (E 951)200praktisch 0kein nennenswerter Anstieg40 mg2.800 mgenthält Phenylalanin, verboten bei Phenylketonurie; IARC-Gruppe 2B
Acesulfam K (E 950)2000kein nennenswerter Anstieg15 mg (seit 2025, vorher 9 mg)1.050 mgoft mit anderen Süßstoffen gemischt
Saccharin (E 954)200 bis 7000kein nennenswerter Anstieg9 mg (seit 2024, vorher 5 mg)630 mgBlasentumore nur bei männlichen Ratten, für Menschen nicht relevant
Cyclamat (E 952)30 bis 500kein nennenswerter Anstieg7 mg490 mghäufig in Flüssigsüße zusammen mit Saccharin
Erythrit (E 968)ca. 0,7000,5 g (EFSA 2023)35 gab größeren Mengen abführend; Beobachtungsstudie mit Herzrisiko (siehe unten)
Xylit, „Birkenzucker“ (E 967)knapp 12,413keine Höchstmenge festgelegtnach Verträglichkeitabführend, für Hunde giftig; Beobachtungsstudie mit Herzrisiko
Sorbit (E 420)kleiner als 12,49keine Höchstmenge festgelegtnach Verträglichkeitin zuckerfreien Bonbons und Kaugummis, abführend
Maltit (E 965)kleiner als 12,435keine Höchstmenge festgelegtnach Verträglichkeitin „zuckerfreier“ Schokolade, hebt den Blutzucker deutlich stärker als Xylit oder Erythrit
Quellen: Süßkraft: Verbraucherzentrale (Stevia, Cyclamat), U.S. Food and Drug Administration (Sucralose, Aspartam, Acesulfam K, Saccharin), EFSA (2023, Erythrit); kcal: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIV; GI: Livesey (2003), Nutr Res Rev; ADI: EFSA (Steviolglykoside 2010 und 2024, Erythrit 2023, Saccharin 2024, Acesulfam K 2025, Aspartam 2013), SCF (Sucralose, bestätigt von der EFSA 2025; Cyclamat 2000); Hinweise: BfR, Verbraucherzentrale. Die Süßkraft von Sorbit und Maltit liegt unter der von Zucker, genaue Werte schwanken je nach Quelle.

Zwei Zahlen zur Einordnung: Eine Dose Light-Getränk enthält laut WHO 200 bis 300 mg Aspartam. Eine Person mit 70 kg müsste also mehr als 9 bis 14 Dosen am Tag trinken, um den ADI zu überschreiten, ohne andere Quellen. Beim Erythrit ist die Grenze viel schneller erreicht, denn hier geht es um Gramm statt Milligramm: 35 g sind nur zwei bis drei Esslöffel, eine Menge, die in einem Stück Keto-Kuchen und ein paar gesüßten Getränken zusammenkommen kann.

Merke: Getränke mit Süßstoff enthalten fast immer eine Mischung. In einer Untersuchung des BfR steckte in 87 von 92 kalorienreduzierten oder zuckerfreien Erfrischungsgetränken mehr als ein Süßungsmittel. Ob solche Kombinationen eigene Risiken haben, ist laut BfR bisher nicht untersucht.

Ist Süßstoff gesund? Was die Studien zeigen

Die ehrliche Antwort: Süßungsmittel sind gut untersucht, was akute Giftigkeit und Krebs im Tierversuch angeht. Bei den langfristigen Folgen für Stoffwechsel, Darmflora und Herz ist die Datenlage dagegen dünn und widersprüchlich. Das sagen die wichtigsten Stellen:

Die WHO-Leitlinie von 2023

Im Mai 2023 hat die Weltgesundheitsorganisation empfohlen, Süßstoffe nicht zur Gewichtskontrolle oder zur Vorbeugung von Krankheiten wie Diabetes zu verwenden. Grundlage war eine systematische Übersicht: Langfristig senkten Süßstoffe das Körperfett weder bei Erwachsenen noch bei Kindern. In Beobachtungsstudien war ein hoher Konsum mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit verbunden.

Die WHO hat die Empfehlung aber selbst als „bedingt“ eingestuft, weil diese Zusammenhänge verzerrt sein können. Menschen mit Übergewicht oder beginnendem Diabetes greifen eher zu Light-Produkten, die Ursache könnte also auch umgekehrt laufen. Die Leitlinie gilt nicht für Menschen, die bereits Diabetes haben, und nicht für Zuckeralkohole wie Erythrit und Xylit, weil diese Kalorien liefern und deshalb nicht als Süßstoffe im Sinne der WHO zählen.

Was das BfR sagt

Das BfR hat 2023 die Daten zu den fünf häufigsten Süßstoffen ausgewertet, also Sucralose, Acesulfam K, Saccharin, Aspartam und Cyclamat. Ergebnis: Die Studienlage ist uneinheitlich, für Kinder und Schwangere sehr begrenzt, eine fundierte Aussage über langfristige Wirkungen ist noch nicht möglich. Laut Verbraucherzentrale gibt es zudem Hinweise, dass Süßstoffe die Darmbakterien und den Blutzuckerspiegel ungünstig beeinflussen könnten, auch hier ist die Studienlage uneinheitlich.

Süßstoff und Abnehmen

Hier widersprechen sich die Daten scheinbar. Die WHO findet langfristig keinen Nutzen. Die europäische SWEET-Studie kam 2025 zu einem anderen Ergebnis: 341 Erwachsene mit Übergewicht nahmen zuerst mit einer kalorienarmen Diät ab und ernährten sich dann zehn Monate lang gesund mit weniger als 10 Prozent der Energie aus Zucker. Die Gruppe, die zuckerreiche Produkte durch Varianten mit Süßungsmitteln ersetzte, hielt nach einem Jahr 1,6 kg mehr von ihrem Gewichtsverlust. Bei Blutwerten wie Blutzucker und Blutfetten gab es keine Unterschiede.

Beides passt zusammen, wenn man genau hinschaut. Süßstoff allein macht nicht schlank. Er hilft, wenn er tatsächlich Zucker ersetzt, vor allem in Getränken. Unsere Einschätzung: Für Menschen, die bisher täglich Limo trinken, ist die Light-Variante ein guter Zwischenschritt auf dem Weg zum Wasser. Wer dagegen zusätzlich zu allem anderen Light-Produkte isst, spart nichts. Was beim Abnehmen wirklich wirkt, steht in unserem Ratgeber Abnehmen: Was wirklich hilft.

Aspartam und Krebs: Was hinter der Einstufung steckt

Im Juli 2023 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Aspartam als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ eingestuft, Gruppe 2B. Grundlage waren begrenzte Hinweise auf Leberkrebs in Beobachtungsstudien sowie begrenzte Hinweise aus Tierversuchen und zu möglichen Mechanismen. Die IARC selbst schreibt, dass Zufall, Verzerrung und andere Einflüsse als Erklärung nicht ausgeschlossen werden konnten.

Gleichzeitig hat der Sachverständigenausschuss von WHO und FAO (JECFA) die erlaubte Tagesdosis von 40 mg pro Kilogramm bestätigt. Die beiden Bewertungen widersprechen sich nicht, sie beantworten unterschiedliche Fragen. Die IARC prüft, ob ein Stoff grundsätzlich Krebs auslösen kann, egal in welcher Menge. Die JECFA prüft, ob das bei den Mengen, die Menschen tatsächlich aufnehmen, ein Risiko ist. Die Gruppe 2B ist die dritthöchste von vier Stufen und wird vergeben, wenn die Hinweise begrenzt, aber nicht überzeugend sind.

Die EFSA hatte Aspartam schon 2013 umfassend bewertet und den ADI von 40 mg bestätigt. Laut BfR hat sie diese Einschätzung im September 2026 im Rahmen ihrer Bewertung von Aspartam-Acesulfamsalz erneut bestätigt und dabei die IARC-Einstufung und die JECFA-Bewertung berücksichtigt.

Unsere Einordnung: Bei normalem Konsum ist Aspartam nach heutigem Wissen kein relevantes Krebsrisiko. Wer täglich mehrere Liter Light-Limo trinkt, kommt dem ADI aber näher, als gut ist, und hat ohnehin einen Grund, auf Wasser umzusteigen.

Menschen mit der angeborenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie dürfen kein Aspartam aufnehmen, weil es Phenylalanin enthält. Deshalb steht auf allen Produkten mit Aspartam „enthält eine Phenylalaninquelle“.

Ist Erythrit gefährlich? Die Studie von 2023 eingeordnet

Erythrit galt lange als der unproblematischste Zuckerersatz: keine Kalorien, kein Blutzuckeranstieg, gute Verträglichkeit. Laut EFSA werden 60 bis 90 Prozent im Dünndarm aufgenommen und unverändert über den Urin ausgeschieden. Deshalb ist Erythrit auch bei Keto und Low Carb so beliebt.

Im Februar 2023 erschien dann eine Studie der Cleveland Clinic im Fachjournal Nature Medicine. Das Team um den Kardiologen Stanley Hazen hatte bei Menschen, die zur Abklärung ihres Herzrisikos in die Klinik kamen, die Erythrit-Werte im Blut gemessen und sie drei Jahre lang beobachtet. In zwei unabhängigen Gruppen mit 2.149 Menschen aus den USA und 833 aus Europa hatte das Viertel mit den höchsten Werten ein 1,8- beziehungsweise 2,2-fach höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod als das Viertel mit den niedrigsten Werten. Im Labor machte Erythrit Blutplättchen reaktiver und förderte die Bildung von Blutgerinnseln. Und bei acht gesunden Freiwilligen stieg der Erythrit-Spiegel nach einem gesüßten Getränk stark an und blieb über zwei Tage erhöht.

Das klingt alarmierend, hat aber klare Grenzen:

  • Die Studie misst Blutwerte, nicht die Ernährung. Der Körper bildet Zuckeralkohole wie Erythrit in kleinen Mengen auch selbst. Ob die hohen Werte aus Süßungsmitteln stammten oder aus dem eigenen Stoffwechsel, ist unklar.
  • Untersucht wurden Menschen mit erhöhtem Herzrisiko, also nicht die gesunde Allgemeinbevölkerung.
  • Ein Zusammenhang in einer Beobachtungsstudie beweist keine Ursache.

Die EFSA hat Erythrit im Dezember 2023 neu bewertet und die Studie dabei berücksichtigt. Ihr Schluss: Die verfügbaren Daten zeigen keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Erythrit als Zusatzstoff und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig hat sie einen ADI festgelegt, und zwar 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht, abgeleitet aus der Menge, ab der Durchfall auftreten kann. Ihre Schätzungen zeigen, dass Vielverzehrer, vor allem Kinder und Jugendliche, diese Menge überschreiten können. Der Warnhinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ bleibt deshalb Pflicht.

Unsere Einschätzung: Erythrit ist nach heutigem Stand nicht gefährlich, aber auch nicht so harmlos, wie es lange klang. Ein Teelöffel im Kaffee oder gelegentlich ein Kuchen mit Erythrit sind unproblematisch. Täglich große Mengen in Getränken, Desserts und Proteinriegeln würden wir nicht empfehlen, solange die Herzfrage nicht geklärt ist.

Achtung: Wenn du bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hast, ein erhöhtes Thromboserisiko oder blutverdünnende Medikamente nimmst, sprich größere Mengen Erythrit oder Xylit vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Xylit (Birkenzucker): Zahnfreundlich, aber nicht für Hunde

Xylit schmeckt fast wie Zucker, hat einen leicht kühlenden Effekt und lässt sich ähnlich wie Zucker verarbeiten. Mit 2,4 kcal pro Gramm spart es etwa 40 Prozent der Kalorien, der glykämische Index liegt bei 13. „Birkenzucker“ ist dabei eher ein Marketingname: Laut Verbraucherzentrale wird Xylit heute meist aus Stroh oder Maiskolbenresten gewonnen, in mehreren chemischen Schritten.

Gut belegt ist der Nutzen für die Zähne. Für Lebensmittel, in denen Zucker durch Xylit oder andere Zuckerersatzstoffe ersetzt wurde, erlaubt die EU die Aussage, dass sie zur Erhaltung der Zahnmineralisierung beitragen. Deshalb steckt Xylit in vielen Zahnpflegekaugummis.

Die Kehrseiten: Xylit wirkt in größeren Mengen abführend, die Verbraucherzentrale Südtirol nennt 30 bis 50 g über den Tag verteilt als Grenze. Und 2024 hat dieselbe Forschungsgruppe aus Cleveland eine ähnliche Studie wie zum Erythrit veröffentlicht: Bei 2.149 Menschen hatte das Drittel mit den höchsten Xylit-Werten im Blut ein um 57 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod. Auch hier ist unklar, ob die Werte aus der Nahrung stammen. Die Neubewertung von Xylit durch die EFSA ist noch nicht abgeschlossen.

Achtung: Xylit ist für Hunde giftig. Schon ab etwa 0,1 g pro Kilogramm Körpergewicht kann der Blutzucker gefährlich abfallen, ab etwa 0,5 g pro Kilogramm droht Leberversagen. Für einen 10-kg-Hund kann also schon 1 g Xylit ein Notfall sein, das steckt unter Umständen in ein paar Kaugummis oder einem Bissen Kuchen. Auch Kaninchen und Ziegen sind empfindlich, Katzen nach bisherigem Wissen nicht. Bei Verdacht sofort zum Tierarzt.

Stevia: natürlich, aber nicht naturbelassen

„Stevia“ auf der Packung bedeutet fast nie die Pflanze. Steviakraut selbst ist in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen und darf nur in Kräuter- und Früchtetees. Was süßt, sind Steviolglykoside (E 960), ein Extrakt aus den Blättern, der laut Verbraucherzentrale mit aufwendigen chemischen und physikalischen Verfahren gewonnen wird.

Steviolglykoside sind etwa 300-mal süßer als Zucker, haben praktisch keine Kalorien und lassen den Blutzucker nicht steigen. Der ADI liegt bei 4 mg pro Kilogramm, gerechnet als Steviol. Einen Antrag, ihn auf 6 oder 16 mg zu erhöhen, hat die EFSA 2024 abgelehnt, weil die Daten dafür nicht ausreichen, und dabei festgestellt, dass Kleinkinder mit hohem Verzehr den Wert bei einer erweiterten Verwendung noch häufiger überschreiten würden.

Zwei praktische Punkte: Stevia hat einen lakritzartigen Nachgeschmack, den nicht jeder mag. Und Streusüße mit „Stevia“ besteht meist vor allem aus Erythrit oder Maltodextrin mit einer kleinen Menge Steviolglykosiden. Maltodextrin ist ein Stärkeprodukt und liefert Kalorien wie Zucker.

Sucralose, Saccharin und Co.: kurz eingeordnet

Sucralose ist 600-mal süßer als Zucker und gehört laut BfR zu den fünf am häufigsten eingesetzten Süßstoffen. Das BfR rät, sie nicht über 120 °C zu erhitzen, weil dabei chlorierte Verbindungen mit gesundheitsschädlichem Potenzial entstehen können. Die EFSA hat den ADI von 15 mg im Dezember 2025 bestätigt, ein Risiko beim Erhitzen im Haushalt aber nicht ausgeschlossen. Also: nicht zum Backen, nicht in die heiße Pfanne, gern nachträglich.

Saccharin ist der älteste Süßstoff. Der frühere Verdacht auf Blasenkrebs beruhte auf Tumoren bei männlichen Ratten, die laut EFSA für Menschen nicht relevant sind. 2024 hat die EFSA den ADI deshalb von 5 auf 9 mg angehoben. Acesulfam K hat 2025 einen neuen, höheren ADI von 15 mg bekommen, die geschätzte Aufnahme liegt in allen Altersgruppen darunter. Cyclamat ist nur 30- bis 50-mal süßer als Zucker und wird meist mit Saccharin kombiniert, etwa in Flüssigsüße.

Der beste Zuckerersatz: unsere Empfehlung je nach Zweck

Den einen besten Zuckerersatz gibt es nicht. Am besten für die Gesundheit ist, die Süße insgesamt zu reduzieren, wie wir es im Artikel Wie viel Zucker pro Tag ist ok? beschreiben. Wenn du ersetzen willst, kommt es auf den Zweck an:

  • Kaffee und Tee: am besten schrittweise weniger süßen. Wenn Ersatz, dann Stevia oder Süßstofftropfen, weil wenige Tropfen reichen und du keine Kalorien und keine Zuckeralkohole aufnimmst.
  • Getränke: Wasser und ungesüßter Tee. Light-Getränke sind ein guter Übergang weg von Limo, aber kein Dauerersatz für Wasser.
  • Backen: Erythrit, weil es Volumen hat, sich wie Zucker verarbeiten lässt und keine Kalorien liefert. Weil es nur etwa 70 Prozent so süß ist, brauchst du etwas mehr als bei Zucker. Xylit funktioniert ebenfalls, aber nur in einem Haushalt ohne Hund. Sucralose gehört nicht in den Ofen.
  • Keto und Low Carb: Erythrit und Stevia, weil sie den Blutzucker nicht anheben. Welche Süße bei Keto wie zählt, steht in unserer Keto-Lebensmittel-Liste.
  • Bei Diabetes: Süßungsmittel können helfen, Zucker zu ersetzen, das bestätigt auch die EU: Wer Zucker durch Süßungsmittel ersetzt, hat nach dem Essen einen geringeren Blutzuckeranstieg. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel gibt es aber nicht mehr, weil sie keinen Vorteil brachten. Besprich das mit deinem Diabetesteam. Mehr zum Blutzucker liest du in Blutzucker stabil halten.
  • Honig, Agavendicksaft, Kokosblütenzucker: kein Ersatz, sondern Zucker mit anderem Etikett. Die DGE bewertet sie genauso ungünstig wie Haushaltszucker.

Tipp: Beim Backen mit Erythrit kannst du einen Teil des Zuckers ersetzen statt alles, zum Beispiel halb Zucker, halb Erythrit. Bei einem Rezept mit 200 g Zucker nimmst du also 100 g Zucker und rund 140 g Erythrit, weil Erythrit weniger süßt. Bei acht Stücken sind das gut 17 g Erythrit pro Stück, für Erwachsene weit unter dem ADI. Für ein Kind mit 20 kg liegt die Grenze allerdings bei 10 g.

Wenn du Erythrit oder Stevia ausprobieren willst, findest du beides im Supermarkt und online, etwa Erythrit bei Amazon* zum Backen (achte auf reines Erythrit ohne Zusatz von Maltodextrin) und Stevia-Tropfen bei Amazon* für Kaffee und Tee (achte darauf, dass Steviolglykoside und Wasser die Hauptzutaten sind). Xylit verlinken wir bewusst nicht, wegen der Gefahr für Hunde und weil es gegenüber Erythrit beim Backen kaum Vorteile hat.

Wie Süßungsmittel in eine insgesamt gesunde Ernährung passen, zeigen die Grundlagen der gesunden Ernährung.

Häufige Fragen

Ist Süßstoff gesund oder schädlich?

Weder noch. Alle in der EU zugelassenen Süßstoffe gelten innerhalb des ADI als sicher, schädliche Wirkungen bei üblichen Mengen sind nicht belegt. Einen gesundheitlichen Nutzen haben sie aber nur, wenn sie Zucker ersetzen. Die WHO rät, sie nicht gezielt zum Abnehmen zu verwenden, und für langfristige Folgen ist die Datenlage laut BfR noch dünn.

Ist Erythrit gefährlich?

Nach heutigem Stand nicht. Eine Beobachtungsstudie von 2023 fand bei Menschen mit hohen Erythrit-Werten im Blut mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle, die EFSA sieht darin aber keinen Beleg für eine Ursache. Sie empfiehlt höchstens 0,5 g pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei 70 kg sind das 35 g. Größere Mengen können Durchfall auslösen.

Ist Aspartam krebserregend?

Die IARC hat Aspartam 2023 als „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B) eingestuft, auf Basis begrenzter Hinweise. WHO-Expertinnen und -Experten und die EFSA halten 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht am Tag weiterhin für sicher. Eine Person mit 70 kg müsste dafür täglich mehr als 9 bis 14 Dosen Light-Getränk trinken.

Hilft Süßstoff beim Abnehmen?

Nur, wenn er tatsächlich Zucker ersetzt. Wer Limo durch die Light-Variante tauscht, spart pro Dose rund 130 kcal. In der SWEET-Studie hielten Menschen, die Zuckerprodukte durch gesüßte Alternativen ersetzten, nach einem Jahr 1,6 kg mehr von ihrem Gewichtsverlust. Die WHO sieht langfristig dagegen keinen Nutzen und rät vom gezielten Einsatz ab.

Was ist der beste Zuckerersatz?

Für Getränke Stevia oder Süßstofftropfen in kleinen Mengen, zum Backen Erythrit, am besten gemischt mit etwas Zucker. Am gesündesten ist aber, sich an weniger Süße zu gewöhnen. Honig, Agavendicksaft und Kokosblütenzucker sind kein Ersatz, sondern ebenfalls Zucker.

Bricht Süßstoff das Fasten?

Süßstoffe haben keine Kalorien, Getränke wie Cola zero sind beim Intervallfasten deshalb technisch erlaubt. Ob die Süße bei manchen den Hunger anregt, ist individuell. Mehr dazu in unserem Ratgeber Intervallfasten 16:8.

Quellen

  1. WHO (2023): WHO advises not to use non-sugar sweeteners for weight control in newly released guideline
  2. WHO, IARC, JECFA (2023): Aspartame hazard and risk assessment results released
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Süßungsmittel in Lebensmitteln – Ausgewählte Fragen und Antworten
  4. EFSA Panel on Food Additives and Flavourings (2023): Re-evaluation of erythritol (E 968) as a food additive. EFSA Journal 21(12):e8430
  5. Witkowski M et al. (2023): The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med 29:710–718
  6. Witkowski M et al. (2024): Xylitol is prothrombotic and associated with cardiovascular risk. Eur Heart J 45:2439–2452
  7. Pang MD et al. (2025): Effect of sweeteners and sweetness enhancers on weight management and gut microbiota composition in individuals with overweight or obesity: the SWEET study. Nat Metab 7:2083–2098
  8. Verbraucherzentrale: Süßungsmittel – Was sind Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe?

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