Zucker pro Tag: Wie viel ist ok? Grenzwerte, Zucker-Tabelle und 5 Schritte zum Reduzieren
Das Wichtigste in Kürze
- WHO und DGE empfehlen weniger als 10 Prozent der Energie aus freiem Zucker, bei 2.000 kcal höchstens 50 g am Tag, die WHO hält unter 5 Prozent (25 g) für noch besser.
- Freier Zucker ist zugesetzter Zucker plus Zucker aus Honig, Sirup und Fruchtsaft, der Zucker in ganzem Obst, Gemüse und Milch zählt nicht.
- In Deutschland liefern freie Zucker laut Nationaler Verzehrsstudie II bei Frauen 13,9 und bei Männern 13,0 Prozent der Energie, bei Jugendlichen bis 18,5 Prozent.
- Eine Dose Cola hat laut Bundeslebensmittelschlüssel 34 g Zucker, eine Flasche Apfelschorle (500 ml) 28 g und ein Fruchtjoghurt 18 g.
- Mit kleinen Änderungen bei Getränken, Frühstück und Snacks sinkt ein typischer Tag in unserem Beispiel von 105 g auf 17 g freien Zucker.
Erwachsene sollten höchstens 50 g freien Zucker am Tag essen, besser nur 25 g. So empfehlen es die Weltgesundheitsorganisation WHO und in Deutschland die DGE gemeinsam mit den Fachgesellschaften für Adipositas und Diabetes: weniger als 10 Prozent der täglichen Energie aus Zucker, bei 2.000 kcal sind das 50 g oder rund 12 gestrichene Teelöffel. Eine einzige Dose Cola bringt schon 34 g mit.
Wichtig ist das Wort „frei“. Gemeint ist der Zucker, den Hersteller oder du selbst zugeben, plus der Zucker in Honig, Sirup und Fruchtsaft. Der Zucker in einem Apfel, einer Karotte oder einem Glas Milch zählt nicht. Unten findest du, wie viel Zucker in 36 typischen Lebensmitteln steckt, woran du versteckten Zucker auf dem Etikett erkennst, was zu viel Zucker im Körper anrichtet und wie du ihn in fünf Schritten reduzierst, ohne dass das Leben freudlos wird.
Wie viel Zucker pro Tag ist ok?
Die WHO hat 2015 zwei Grenzen formuliert. Die erste, weniger als 10 Prozent der Energie, ist eine starke Empfehlung: Für sie gibt es laut WHO solide Belege, dass sie das Risiko für Übergewicht, Adipositas und Karies senkt. Die zweite, weniger als 5 Prozent, ist eine bedingte Empfehlung. Sie bringt wahrscheinlich zusätzlichen Nutzen, die Datenlage dafür ist aber dünner. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Deutsche Adipositas-Gesellschaft und die Deutsche Diabetes Gesellschaft haben sich 2018 der 10-Prozent-Grenze angeschlossen, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA ist 2022 noch etwas weiter gegangen: Die Zufuhr von zugesetztem und freiem Zucker solle im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung „so niedrig wie möglich“ sein. Eine feste Obergrenze konnte sie aus den Daten nicht ableiten, weil es kaum Studien mit sehr niedriger Zufuhr gibt.
Was das in Gramm bedeutet, hängt von deinem Energiebedarf ab:
| Energiebedarf pro Tag | Obergrenze (unter 10 %) | Ideal (unter 5 %) | In Teelöffeln (je 4 g) |
|---|---|---|---|
| 1.200 kcal (z. B. Kind im Grundschulalter) | 30 g | 15 g | rund 8 bzw. 4 |
| 1.600 kcal | 40 g | 20 g | 10 bzw. 5 |
| 2.000 kcal (Referenzwert für Erwachsene) | 50 g | 25 g | rund 12 bzw. 6 |
| 2.400 kcal | 60 g | 30 g | 15 bzw. rund 8 |
| 2.800 kcal (sehr aktive Menschen) | 70 g | 35 g | rund 18 bzw. 9 |
Merke: Auf Lebensmittelverpackungen steht als Referenzmenge für Zucker 90 g pro Tag. Das ist keine Empfehlung, sondern ein Rechenwert für den Gesamtzucker inklusive Milch- und Fruchtzucker. Wer sich an den Prozentangaben auf der Packung orientiert, unterschätzt, wie schnell die 50 g freier Zucker erreicht sind.
Deinen Energiebedarf und damit deine persönliche Grenze kannst du mit dem Kalorienbedarf-Rechner ausrechnen: Bedarf in kcal geteilt durch 40 ergibt die 10-Prozent-Grenze in Gramm.
Freier, zugesetzter und Gesamtzucker: der Unterschied
Drei Begriffe tauchen immer wieder auf, und sie meinen nicht dasselbe. Die Definitionen folgen der EFSA und der WHO:
- Zugesetzter Zucker: alles, was beim Herstellen oder Kochen zugegeben wird, also Haushaltszucker, Traubenzucker, Glukosesirup und Co.
- Freier Zucker: zugesetzter Zucker plus der Zucker, der von Natur aus in Honig, Sirup, Fruchtsaft und Saftkonzentrat steckt. Auf diesen Wert beziehen sich WHO und DGE.
- Gesamtzucker: aller Zucker, auch der in ganzem Obst, Gemüse und Milch. Diesen Wert findest du in der Nährwerttabelle unter „davon Zucker“.
Warum zählt Saft, aber Obst nicht? Laut WHO gibt es keine Belege dafür, dass der Zucker in frischem Obst, Gemüse und Milch schadet. Im ganzen Apfel steckt er in Zellen, zusammen mit Ballaststoffen, und sättigt. Im Saft ist er herausgelöst. Ein Glas Apfelsaft (250 ml) hat so viel Zucker wie anderthalb Äpfel, aber kaum Ballaststoffe, und es ist in einer Minute getrunken.
Wie viel Zucker isst man in Deutschland?
Deutlich mehr als empfohlen. Nach Daten der Nationalen Verzehrsstudie II liefern freie Zucker bei Frauen im Schnitt 13,9 Prozent der Energie, bei Männern 13,0 Prozent. Bei 2.000 kcal entspricht das rund 65 bis 70 g am Tag. Am höchsten ist die Zufuhr bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 15 bis 24 Jahren mit bis zu 18,5 Prozent, bei Kindern laut DONALD-Studie zwischen 15 und 17,5 Prozent.
Woher kommt der Zucker? Laut Max Rubner-Institut zu 36 Prozent aus Süßwaren, zu 26 Prozent aus Fruchtsäften und Nektaren und zu 12 Prozent aus Limonaden. Zusammengenommen stammen also fast zwei Fünftel aus Getränken. Das ist eine gute Nachricht, denn bei Getränken lässt sich am leichtesten sparen.
Zuckergehalt typischer Lebensmittel: die Tabelle
Die Tabelle zeigt den Gesamtzucker pro 100 g und pro üblicher Portion, dazu eine Einschätzung, wie viel davon als freier Zucker zählt und welchen Anteil das an der 50-g-Grenze ausmacht. Bei Milchprodukten haben wir den Milchzucker (Laktose) herausgerechnet, weil er nicht als freier Zucker gilt.
| Lebensmittel | Portion | Zucker pro 100 g | Zucker pro Portion | Davon frei | Anteil an 50 g |
|---|---|---|---|---|---|
| Cola | 1 Dose (330 ml) | 10,3 g | 34 g | alles | 68 % |
| Eistee, gesüßt | 1 Flasche (500 ml) | 6,2 g | 31 g | alles | 62 % |
| Apfelschorle | 1 Flasche (500 ml) | 5,6 g | 28 g | alles (Saft) | 56 % |
| Smoothie (Beeren) | 1 Flasche (250 ml) | 10,3 g | 26 g | alles (püriert) | 52 % |
| Apfelsaft | 1 Glas (250 ml) | 9,6 g | 24 g | alles (Saft) | 48 % |
| Orangensaft | 1 Glas (250 ml) | 8,5 g | 21 g | alles (Saft) | 42 % |
| Kakaogetränk, gesüßt | 1 Glas (250 ml) | 7,5 g | 19 g | ca. 10 g | 19 % |
| Cola light/zero | 1 Dose (330 ml) | 0,1 g | 0,3 g | alles | 1 % |
| Fruchtquark | 1 Becher (150 g) | 13,2 g | 20 g | ca. 16 g | 32 % |
| Fruchtjoghurt | 1 Becher (150 g) | 12,1 g | 18 g | ca. 13 g | 27 % |
| Naturjoghurt 3,5 % | 1 Becher (150 g) | 4,1 g | 6 g | keiner (Milchzucker) | 0 % |
| Knuspermüsli, gesüßt | 1 Schale (50 g) | 19,2 g | 10 g | fast alles | 19 % |
| Haferflocken | 4 EL (40 g) | 0,7 g | 0,3 g | keiner | 0 % |
| Konfitüre | 1 EL (20 g) | 56,3 g | 11 g | alles | 23 % |
| Nuss-Nougat-Creme | 1 EL (20 g) | 53,1 g | 11 g | ca. 10 g | 20 % |
| Honig | 1 TL (10 g) | 70,8 g | 7 g | alles | 14 % |
| Zucker | 1 gestrichener TL (4 g) | 100 g | 4 g | alles | 8 % |
| Schokoriegel (Karamell, Erdnüsse) | 1 Riegel (50 g) | 45,5 g | 23 g | fast alles | 45 % |
| Käsekuchen | 1 Stück (120 g) | 17,5 g | 21 g | ca. 19 g | 37 % |
| Speiseeis (Schoko/Vanille) | 2 Kugeln (100 g) | 21,6 g | 22 g | ca. 18 g | 36 % |
| Fruchtgummi | 1 Handvoll (30 g) | 56,7 g | 17 g | alles | 34 % |
| Milchschokolade | ¼ Tafel (25 g) | 52,8 g | 13 g | ca. 11 g | 22 % |
| Bitterschokolade (ca. 70 %) | ¼ Tafel (25 g) | 30,0 g | 7,5 g | alles | 15 % |
| Butterkekse | 3 Stück (25 g) | 27,1 g | 7 g | fast alles | 14 % |
| Müsliriegel | 1 Riegel (25 g) | 18,7 g | 5 g | fast alles | 9 % |
| Rotkohl aus dem Glas | 1 Portion (200 g) | 9,7 g | 19 g | ca. 12 g (roh: 7 g natürlich) | ca. 24 % |
| Tomatenketchup | 2 EL (30 g) | 20,8 g | 6 g | überwiegend | ca. 12 % |
| Grillsauce (Tomatenbasis) | 2 EL (30 g) | 19,0 g | 6 g | überwiegend | ca. 11 % |
| Datteln, getrocknet | 3 Stück (30 g) | 78,9 g | 24 g | keiner (ganze Frucht) | 0 % |
| Rosinen | 1 Handvoll (30 g) | 60,9 g | 18 g | keiner (ganze Frucht) | 0 % |
| Weintrauben | 1 Schale (150 g) | 12,1 g | 18 g | keiner | 0 % |
| Banane | 1 Stück (120 g) | 13,9 g | 17 g | keiner | 0 % |
| Apfel | 1 Stück (150 g) | 10,5 g | 16 g | keiner | 0 % |
| Vollmilch 3,5 % | 1 Glas (250 ml) | 4,0 g | 10 g | keiner (Milchzucker) | 0 % |
| Rotkohl, roh | 1 Portion (200 g) | 3,7 g | 7 g | keiner | 0 % |
Drei Dinge fallen auf. Erstens: Getränke stehen ganz oben, und zwar auch die „gesunden“. Eine Flasche Apfelschorle hat mehr als die Hälfte der Tagesgrenze. Zweitens: Zucker steckt in Lebensmitteln, die nicht süß wirken. Rotkohl aus dem Glas hat fast dreimal so viel Zucker wie roher, Ketchup besteht zu einem Fünftel aus Zucker. Drittens: Die Spannbreite innerhalb einer Produktgruppe ist riesig. Das Max Rubner-Institut fand bei Fruchtjoghurt zwischen 4 und 22 g Zucker pro 100 g, bei Müsli zwischen 0,8 und 33,7 g. Frühstücksflocken für Kinder hatten mit durchschnittlich 29,2 g fast doppelt so viel wie die für Erwachsene.
Tipp: Vergleiche im Supermarkt immer die Angabe pro 100 g, nie pro Portion. Hersteller rechnen gern mit kleinen Portionen wie 30 g Müsli, die kaum jemand isst. Als Faustregel gilt rechtlich: Bis 5 g Zucker pro 100 g darf ein festes Lebensmittel „zuckerarm“ heißen.
Bei Trockenobst lohnt ein zweiter Blick. Datteln und Rosinen zählen nach WHO-Definition nicht zum freien Zucker, weil es ganze Früchte sind. Eine Handvoll Rosinen liefert aber so viel Zucker wie eine ganze Schale Trauben, in einem Bruchteil des Volumens. Als Snack in kleinen Mengen sind sie in Ordnung, als Dauerknabberei vor dem Fernseher nicht.
Versteckter Zucker: die vielen Namen auf dem Etikett
In der Zutatenliste muss nicht „Zucker“ stehen, damit Zucker drin ist. Laut Verbraucherzentrale setzen Hersteller am häufigsten Glukosesirup, Traubenzucker, Glukose-Fruktose-Sirup, Milchpulver, Fruchtsaft, Süßmolkenpulver, Fruchtsaftkonzentrat, Invertzuckersirup, Maltodextrin und Molkenerzeugnisse ein. Die Zutaten stehen nach Gewicht sortiert. Wer drei verschiedene Zuckerarten verwendet, rutscht mit jeder einzelnen weiter nach hinten, obwohl in Summe viel drin ist.
| Bezeichnung in der Zutatenliste | Was dahintersteckt | Zählt in der Nährwerttabelle als Zucker? |
|---|---|---|
| Zucker, Saccharose, Raffinade, Rohrzucker, brauner Zucker, Kandis, Rübenzucker | Haushaltszucker | ja |
| Glukose, Dextrose, Traubenzucker | Einfachzucker | ja |
| Fruktose, Fruchtzucker, Fruchtsüße | Einfachzucker, oft aus Stärke oder Saccharose hergestellt | ja |
| Glukosesirup, Glukose-Fruktose-Sirup, Fruktose-Glukose-Sirup, Invertzuckersirup, Karamellsirup | Zuckersirupe, Zusammensetzung aus dem Namen nicht ablesbar | ja |
| Maltose, Malzzucker, Malzextrakt, Gerstenmalzextrakt | Zweifachzucker aus Getreide | ja |
| Laktose, Milchzucker, Süßmolkenpulver, Molkenerzeugnisse, Magermilchpulver | Milchzucker | ja |
| Fruchtsaftkonzentrat, Apfeldicksaft, „Süße aus Früchten“ | konzentrierter Fruchtzucker | ja |
| Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup, Dattelsirup, Reissirup, Kokosblütenzucker | Zucker mit gesünderem Image | ja |
| Maltodextrin, Dextrin | Abbauprodukte von Stärke, schmecken wenig süß | nein, liefert aber genauso Energie |
| Sorbit, Maltit, Xylit, Erythrit, Isomalt (E 420 bis E 968) | Zuckeraustauschstoffe (Süßungsmittel) | nein |
Die Alternativen in der vorletzten Gruppe sind kein Ausweg. Die DGE bewertet braunen Zucker, Honig, Agavendicksaft, Kokosblütenzucker, Sirupe und „die Süße aus Früchten“ ausdrücklich genauso ungünstig wie Haushaltszucker. Kokosblütenzucker besteht laut Verbraucherzentrale hauptsächlich aus Saccharose, also demselben Stoff wie normaler Zucker. Ob Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe eine bessere Wahl sind, ist eine eigene Frage, die wir im Artikel über Süßungsmittel wie Stevia, Erythrit und Xylit ausführlich beantworten.
Was „zuckerfrei“ und „ohne Zuckerzusatz“ bedeuten
Einige Angaben sind in der EU gesetzlich geregelt, andere nicht. Die geregelten:
- Zuckerfrei: höchstens 0,5 g Zucker pro 100 g oder 100 ml. Ein Liter „zuckerfreie“ Limonade darf also bis zu 5 g enthalten.
- Zuckerarm: höchstens 5 g pro 100 g bei festen, 2,5 g pro 100 ml bei flüssigen Lebensmitteln.
- Ohne Zuckerzusatz: keine zugesetzten Einfach- oder Zweifachzucker und keine anderen Zutaten, die wegen ihrer Süße verwendet werden. Von Natur aus enthaltener Zucker darf drin sein. Ein Saft „ohne Zuckerzusatz“ hat trotzdem 8 bis 10 g Zucker pro 100 ml.
- Zuckerreduziert: mindestens 30 Prozent weniger Zucker als vergleichbare Produkte, und die Kalorien dürfen nicht höher sein.
Nicht geregelt sind Werbesprüche wie „weniger süß“, „natursüß“ oder „mit Fruchtsüße“. Laut Verbraucherzentrale sagen sie nichts über den tatsächlichen Zuckergehalt aus.
Zucker: Was er mit uns macht
Zucker ist kein Gift. Der Körper verwertet ihn wie jedes andere Kohlenhydrat, Gehirn und Muskeln laufen unter anderem mit Glukose. Das Problem ist die Menge und die Form, in der wir ihn heute aufnehmen. Diese Wirkungen sind gut belegt:
Karies. Laut EFSA ist Zucker eine bekannte Ursache für Karies. Bakterien im Zahnbelag vergären ihn zu Säuren, die den Zahnschmelz angreifen.
Übergewicht. Zucker liefert 4 kcal pro Gramm, aber kaum Nährstoffe. Besonders tückisch sind Getränke: Kalorien, die man trinkt, gleicht der Körper laut dem Konsensuspapier der Fachgesellschaften beim Essen kaum aus. Wer zum Mittag eine Cola trinkt, isst deshalb nicht weniger.
Typ-2-Diabetes und Fettleber. Für zuckergesüßte Getränke, Säfte und Nektare sieht die EFSA Zusammenhänge mit Adipositas, nicht-alkoholischer Fettleber und Typ-2-Diabetes, wenn auch mit unterschiedlicher Sicherheit. Das erhöhte Diabetesrisiko durch Softdrinks besteht laut den deutschen Fachgesellschaften sogar unabhängig von den zusätzlichen Kalorien. Bei der Fettleber steht vor allem viel Fruchtzucker aus Getränken und Sirupen in Verbindung mit einem Kalorienüberschuss in der Diskussion, nicht das Obst.
Schlechtere Ernährung insgesamt. Wer viel Zucker isst, hat weniger Platz für Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchte. Zuckerreiche Lebensmittel verdrängen nährstoffreiche, das betont das Konsensuspapier ausdrücklich.
Was im Blut nach einer zuckerreichen Mahlzeit passiert, warum der Blutzucker schnell steigt und wieder fällt und welche Rolle der glykämische Index spielt, erklären wir in den Artikeln Blutzucker stabil halten und Glykämischer Index.
Achtung: Für Kinder gelten dieselben Prozentgrenzen, also bei 1.200 kcal höchstens 30 g, besser 15 g. Die europäische Fachgesellschaft für Kinder-Gastroenterologie ESPGHAN hält für 2- bis 18-Jährige weniger als 5 Prozent für erstrebenswert. Ein Glas Apfelsaft (250 ml) und ein Fruchtjoghurt bringen zusammen schon 37 g freien Zucker.
So schnell kommen 100 g zusammen: ein typischer Tag
Viele, die meinen, sie äßen „eigentlich wenig Zucker“, unterschätzen die kleinen Posten. Hier ein Tag ohne Kuchen und ohne Schokoladentafel, gerechnet mit den Werten aus der Tabelle, und daneben dieselben Mahlzeiten mit kleinen Änderungen:
| Wann | Typischer Tag | Freier Zucker | Mit kleinen Änderungen | Freier Zucker |
|---|---|---|---|---|
| Frühstück | Fruchtjoghurt, 1 Glas Orangensaft | 35 g | Naturjoghurt mit Beeren und 1 TL Honig, Wasser | 7 g |
| Vormittag | Kaffee mit 2 TL Zucker | 8 g | Kaffee mit 1 TL Zucker | 4 g |
| Mittag | 1 Dose Cola | 34 g | Cola zero oder Wasser | 0 g |
| Nachmittag | 1 Müsliriegel | 5 g | 1 Apfel | 0 g |
| Abend | 2 EL Ketchup, 1 Handvoll Fruchtgummi | 23 g | 1 EL Ketchup, 2 Stück Bitterschokolade (10 g) | 6 g |
| Summe | 105 g | 17 g |
Der typische Tag liegt beim Doppelten der Obergrenze, der geänderte unter der Idealgrenze von 25 g. Verzichtet wurde dabei auf nichts außer dem Saft und dem zweiten Löffel Zucker. Gespart haben die Getränke allein 55 g.
Zucker reduzieren: fünf Schritte, die funktionieren
Ganz zuckerfrei zu leben ist weder nötig noch realistisch. Das Ziel ist, unter 50 g freien Zucker zu kommen und dann Richtung 25 g. Am besten klappt das Schritt für Schritt, jeweils ein bis zwei Wochen pro Schritt.
- Getränke zuerst. Softdrinks, Eistee, Saft und Nektar durch Wasser, ungesüßten Tee oder sehr dünne Schorle ersetzen (ein Teil Saft, drei Teile Wasser, so empfiehlt es die DGE). Das ist der größte Hebel mit dem geringsten Verzicht.
- Frühstück umbauen. Naturjoghurt statt Fruchtjoghurt, Haferflocken statt gesüßtem Knuspermüsli, und selbst süßen: mit Obst oder einem Teelöffel Honig. Du entscheidest dann selbst, wie viel drin ist, und es ist fast immer weniger als im fertigen Produkt. Rezepte mit wenig Zucker findest du in unserem Artikel über Haferflocken und bei den Rezepten.
- Etiketten lesen. Bei Saucen, Dressings, Rotkohl, Brotaufstrichen und Fertiggerichten „davon Zucker“ pro 100 g vergleichen. Oft gibt es im selben Regal eine Variante mit der Hälfte.
- Die Süße langsam herunterdrehen. Im Kaffee erst zwei, dann einen, dann einen halben Teelöffel. Beim Backen nimmst du schrittweise weniger Zucker, als im Rezept steht. In einer kleinen Studie empfanden Menschen, die drei Monate weniger Zucker aßen, Pudding danach als rund 40 Prozent süßer als die Vergleichsgruppe. Der Geschmack passt sich also an, auch wenn das ein paar Wochen dauert.
- Süßes bewusst essen statt nebenbei. Ein Stück Kuchen am Sonntag, ein paar Stück Schokolade nach dem Essen. Die österreichische Ernährungspyramide nennt als Maß für Süßigkeiten und Knabbereien höchstens eine kleine Handvoll, und das „sehr selten“. Es geht nicht um Verbot, sondern darum, Süßes wieder als Genuss zu essen und nicht als Dauerbeschäftigung.
Gut zu wissen: Süßstoffe helfen beim Umstieg von Cola auf Cola zero, senken aber nicht die Gewöhnung an süßen Geschmack. Die WHO rät seit 2023 davon ab, Süßstoffe gezielt zum Abnehmen einzusetzen. Mehr dazu im Artikel über Süßungsmittel.
Wer abnehmen will, profitiert doppelt: Weniger Zucker heißt meist weniger Kalorien, ohne dass die Mahlzeiten kleiner werden. Was beim Abnehmen sonst noch zählt, steht im Ratgeber Abnehmen: Was wirklich hilft. Wie Zucker in eine insgesamt gesunde Ernährung passt, zeigen die Grundlagen der gesunden Ernährung mit allen DGE-Mengen und einem Beispieltag.
Wenn du Diabetes hast oder Medikamente nimmst, die den Blutzucker senken, sprich größere Umstellungen bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Häufige Fragen
Wie viel Zucker am Tag ist gesund?
Für Erwachsene höchstens 50 g freien Zucker am Tag, also weniger als 10 Prozent der Energie bei 2.000 kcal. Die WHO hält 25 g oder weniger für noch besser. Zucker aus ganzem Obst, Gemüse und Milch zählt dabei nicht mit, Zucker aus Saft, Honig und Sirup schon.
Wie viel Zucker ist in einer Cola?
Eine Dose (330 ml) normale Cola enthält laut Bundeslebensmittelschlüssel 34 g Zucker, gut zwei Drittel der empfohlenen Tageshöchstmenge. Eine 0,5-Liter-Flasche bringt es auf rund 52 g und liegt damit allein über der Grenze. Cola light oder zero hat praktisch keinen Zucker.
Zählt Zucker aus Obst mit?
Nein, solange du ganzes Obst isst. Die WHO-Empfehlung bezieht sich ausdrücklich nicht auf den Zucker in frischem Obst und Gemüse. Anders ist es bei Saft, Smoothies und Fruchtsaftkonzentrat: Dort gilt der Zucker als freier Zucker und zählt voll.
Wie viel Zucker dürfen Kinder essen?
Dieselben 10 Prozent der Energie wie Erwachsene, bei einem Grundschulkind mit 1.200 kcal sind das höchstens 30 g, besser 15 g. Kinder in Deutschland liegen laut DONALD-Studie im Schnitt bei 15 bis 17,5 Prozent. Vorsicht bei „Kinderlebensmitteln“: Frühstücksflocken für Kinder hatten in Analysen des Max Rubner-Instituts im Schnitt 29 g Zucker pro 100 g.
Ist es gesund, sich ganz zuckerfrei zu ernähren?
Es ist nicht nötig. Ganz ohne freien Zucker zu leben, schadet nicht, denn der Körper braucht keinen zugesetzten Zucker. Wer aber auch Obst, Milch oder Vollkorn meidet, weil darin Zucker steckt, verzichtet auf wertvolle Lebensmittel. Das realistische Ziel ist, unter 25 bis 50 g freien Zucker am Tag zu bleiben.
Was passiert, wenn man 4 Wochen keinen Zucker isst?
Gute Studien zu genau diesem Experiment gibt es kaum. Was sich sagen lässt: Wer vorher täglich einen halben Liter Cola getrunken hat, spart allein dadurch rund 200 kcal am Tag. Und der Geschmack verändert sich: In einer Studie empfanden Teilnehmende nach zwei bis drei Monaten mit weniger Zucker Süßes als deutlich süßer als zuvor. Ein Monat ist also ein guter Anfang, aber noch nicht das Ende der Umgewöhnung.
Quellen
- WHO (2015): WHO calls on countries to reduce sugars intake among adults and children
- WHO (Fact sheet): Healthy diet
- Deutsche Adipositas-Gesellschaft, Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2018): Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland (Konsensuspapier)
- EFSA (2022): Added and free sugars should be as low as possible
- Verbraucherzentrale: Zucker und Zuckerersatz – So erkennen Sie Süßmacher in Lebensmitteln
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, Anhang: nährwertbezogene Angaben (zuckerarm, zuckerfrei, ohne Zuckerzusatz)
- Wise PM et al. (2016): Reduced dietary intake of simple sugars alters perceived sweet taste intensity but not perceived pleasantness. Am J Clin Nutr 103:50–60
- Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), Version 4.0, Deutsche Nährstoffdatenbank (CC BY 4.0)