Insulinresistenz: Anzeichen, HOMA-Test und was wirklich hilft
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Insulinresistenz reagieren Muskel-, Leber- und Fettzellen schwächer auf Insulin; der Blutzucker bleibt oft jahrelang normal, weil die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin bildet.
- Für den HOMA-Index (Nüchterninsulin × Nüchternblutzucker in mg/dl ÷ 405) gibt es keinen einheitlichen Grenzwert: Eine spanische Studie kam je nach Methode auf 1,85 bis 3,46, die Insulinmessung unterscheidet sich zwischen Laboren.
- Im Diabetes Prevention Program senkten mindestens 7 Prozent Gewichtsabnahme und 150 Minuten Bewegung pro Woche das Diabetesrisiko um 58 Prozent, Metformin um 31 Prozent.
- Schon 5 Prozent Gewichtsverlust verbesserten in einer kontrollierten Studie die Insulinwirkung in Leber, Muskeln und Fettgewebe; nach jeder Trainingseinheit ist die Insulinempfindlichkeit 2 bis 72 Stunden erhöht.
- Vier Nächte mit 4,5 Stunden im Bett machten die Fettzellen gesunder junger Erwachsener deutlich insulinresistenter; in der DIETFITS-Studie sagte die Insulinausschüttung nicht voraus, ob Low Carb oder Low Fat besser wirkt.
Insulinresistenz heißt, dass deine Muskel-, Leber- und Fettzellen schwächer auf das Hormon Insulin reagieren. Die Bauchspeicheldrüse gleicht das lange aus, indem sie mehr Insulin ausschüttet, deshalb bleibt der Blutzucker oft jahrelang normal und du merkst nichts. Was am besten dagegen hilft, ist gut belegt: In der großen US-Präventionsstudie DPP senkten 7 Prozent Gewichtsabnahme und 150 Minuten Bewegung pro Woche das Risiko für Typ-2-Diabetes um 58 Prozent.
Unten erfährst du, an welchen Zeichen du eine Insulinresistenz erkennen kannst, was der HOMA-Index taugt (und was nicht), welche Blutwerte wirklich zählen und was Bewegung, Abnehmen, Ernährung und Schlaf in Zahlen bringen. Eins vorweg: Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt, nicht ein Online-Test und nicht ein einzelner Laborwert.
Was ist Insulinresistenz?
Nach dem Essen steigt der Blutzucker. Die Bauchspeicheldrüse schüttet daraufhin Insulin aus, das wie ein Türöffner wirkt: Es sorgt dafür, dass Muskeln und Fettgewebe Zucker aus dem Blut aufnehmen und die Leber weniger eigenen Zucker nachproduziert. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen weniger empfindlich auf dieses Signal. Es braucht mehr Insulin für dieselbe Wirkung.
Solange die Bauchspeicheldrüse mithalten kann, bleibt der Blutzucker im Normalbereich, nur das Insulin im Blut ist dauerhaft erhöht. Erst wenn sie nicht mehr genug nachliefern kann, steigt der Zucker. Zuerst in die Vorstufe, den Prädiabetes, später in den Typ-2-Diabetes. Laut dem Diabetesinformationsdienst diabinfo.de hat in Deutschland etwa jeder fünfte Erwachsene einen Prädiabetes, über 6 Millionen Menschen leben mit Typ-2-Diabetes.
Kurz erklärt: Insulinresistenz ist keine eigene Krankheit mit festem Grenzwert, sondern ein Zustand, der sich schleichend entwickelt. Prädiabetes und Typ-2-Diabetes sind dagegen klar über Blutzucker und HbA1c definiert. Viele Menschen mit Insulinresistenz entwickeln nie einen Diabetes, vor allem wenn sie früh gegensteuern.
Woher kommt sie? Ein Teil ist Veranlagung: Haben Eltern oder Geschwister Typ-2-Diabetes, steigt dein Risiko. Laut diabinfo.de ist der eigene Lebensstil aber auch ohne familiäre Vorbelastung ein wichtiger Faktor, dazu kommen Stress, Infekte und bestimmte Medikamente, etwa Kortison. Der stärkste Treiber ist Fett im Bauchraum. Dieses viszerale Fett gibt laufend Fettsäuren und Botenstoffe ab, die die Zellen unempfindlicher für Insulin machen. Wie du es misst und loswirst, steht im Artikel Bauchfett verlieren.
Insulinresistenz: Symptome und Anzeichen
Kurz gesagt: Eine Insulinresistenz spürst du meistens nicht. Müdigkeit nach dem Essen, Heißhunger auf Süßes oder Konzentrationstiefs werden oft als „Symptome“ genannt, sind aber so unspezifisch, dass sie fast jeder kennt. Belastbarer sind Zeichen, die man messen oder sehen kann:
- Bauchumfang: ab 80 cm bei Frauen und 94 cm bei Männern erhöht, über 88 cm und 102 cm deutlich erhöht.
- Blutfette: erhöhte Triglyceride (ab 150 mg/dl) zusammen mit niedrigem HDL-Cholesterin.
- Blutdruck: ab 130/85 mmHg.
- Nüchternblutzucker: ab 100 mg/dl.
- Dunkle, samtige Hautstellen am Nacken, in den Achseln oder an den Fingerknöcheln (Acanthosis nigricans).
- Zyklusstörungen und vermehrte Behaarung bei Frauen als Hinweis auf ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS), das häufig mit Insulinresistenz einhergeht.
Die dunklen Hautstellen sind ein unterschätztes Zeichen. Eine Übersichtsarbeit von 2022 beschreibt die Acanthosis nigricans als sichtbaren Marker für Insulinresistenz. In einer Studie mit 450 Erwachsenen mit Adipositas hatten sie 47 Prozent, in der Vergleichsgruppe 3 Prozent (Radu 2022). Wegschrubben lassen sie sich nicht. Sie können sich bessern, wenn der Stoffwechsel besser wird, gut untersucht ist das aber noch nicht.
Metabolisches Syndrom: wenn mehrere Zeichen zusammenkommen
Treffen mehrere dieser Werte zusammen, sprechen Ärzte vom metabolischen Syndrom. Es gilt als typischer Ausdruck einer Insulinresistenz und erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall. Für die Diagnose müssen mindestens drei von fünf Kriterien erfüllt sein.
| Kriterium | Grenzwert |
|---|---|
| Bauchumfang | erhöht (Frauen ab 80 cm, Männer ab 94 cm; deutlich erhöht über 88 bzw. 102 cm) |
| Triglyceride (nüchtern) | ab 150 mg/dl |
| HDL-Cholesterin | Männer unter 40 mg/dl, Frauen unter 50 mg/dl |
| Blutdruck | ab 130 mmHg oben und/oder 85 mmHg unten |
| Nüchternblutzucker | ab 100 mg/dl |
Achtung: Starker Durst, häufiges Wasserlassen, ungewollter Gewichtsverlust oder ständige Müdigkeit können auf einen Diabetes hindeuten. Lass dann zeitnah Blutzucker und HbA1c in der Hausarztpraxis bestimmen, statt auf eigene Faust Diät zu machen.
Insulinresistenz testen: HOMA-Index, Blutzucker, HbA1c
Die Werte, die wirklich zählen
Für die Diagnose von Prädiabetes und Diabetes nutzt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Blutzucker und HbA1c, nicht den HOMA-Index. Die Grenzwerte gelten für Laborwerte aus dem Venenblut. Werte aus dem Finger oder von einem Sensor eignen sich laut DDG nicht für die Diagnose.
| Messung | Normal | Prädiabetes | Diabetes |
|---|---|---|---|
| Nüchternblutzucker | unter 100 mg/dl | 100 bis 125 mg/dl | ab 126 mg/dl |
| HbA1c (Langzeitwert) | unter 5,7 % | 5,7 bis 6,4 % | ab 6,5 % |
| 2 Stunden nach 75 g Traubenzucker (oGTT) | unter 140 mg/dl | 140 bis 199 mg/dl | ab 200 mg/dl |
Ein normaler Nüchternwert schließt eine Insulinresistenz nicht aus, eben weil die Bauchspeicheldrüse lange gegenhält. Aussagekräftiger ist oft der Zuckerbelastungstest (oGTT), bei dem du eine Zuckerlösung trinkst und nach zwei Stunden erneut Blut abgenommen wird. Was die einzelnen Blutzuckerwerte bedeuten und wie du Spitzen nach dem Essen abflachst, steht im Artikel Blutzucker stabil halten.
Der HOMA-Index: nützlich, aber ohne festen Grenzwert
Der HOMA-Index (genauer HOMA-IR, Homeostasis Model Assessment of Insulin Resistance) schätzt die Insulinresistenz aus zwei Nüchternwerten. Die Formel ist einfach:
HOMA-IR = Nüchterninsulin (µU/ml) × Nüchternblutzucker (mg/dl) ÷ 405. Mit Blutzucker in mmol/l teilst du stattdessen durch 22,5.
Zwei Beispiele: Bei 8 µU/ml Insulin und 90 mg/dl Blutzucker kommt 1,8 heraus. Bei 15 µU/ml und 100 mg/dl sind es 3,7. Je höher der Wert, desto mehr Insulin braucht dein Körper, um den Blutzucker zu halten.
So weit, so praktisch. Das Problem ist die Einordnung. Einen einheitlichen Grenzwert, ab dem eine Insulinresistenz „vorliegt“, gibt es nicht. Eine spanische Studie mit 2.459 Erwachsenen zeigt, wie sehr das von der Methode abhängt: Nahm man die obersten 10 Prozent der Bevölkerung als Maßstab, lag die Grenze bei 3,46. Richtete man sie danach aus, ab wann gehäuft ein metabolisches Syndrom auftrat, lag sie bei 2,05, für Männer ohne Diabetes bei 1,85, und bei Frauen veränderte sie sich mit dem Alter (Gayoso-Diz 2013). Andere Studien kommen auf wieder andere Werte.
Dazu kommt die Messung. Insulin wird je nach Labor mit unterschiedlichen Testverfahren bestimmt, und die liefern nicht dieselben Zahlen: In einem Vergleich von 10 gängigen Verfahren wichen 7 bei einem großen Teil der Proben um mehr als 15 Prozent vom Referenzwert ab (Miller 2009). Schon die Erfinder des HOMA-Modells gaben eine Streuung von rund 31 Prozent an (Matthews 1985). Für große Studien ist der HOMA-Index wertvoll, für den einzelnen Menschen ist er nur ein grober Hinweis.
Merke: Ein HOMA-Wert von 2,6 ist kein Beweis für eine Insulinresistenz und einer von 1,9 kein Freispruch. Vergleiche Werte nur aus demselben Labor und bewerte sie zusammen mit Bauchumfang, Blutfetten, Blutdruck, Blutzucker und HbA1c. Genau das macht deine Ärztin.
Der genaueste Test ist die sogenannte Clamp-Methode, bei der über Stunden Insulin und Zucker per Infusion gegeben werden. Sie ist aufwendig und wird nur in der Forschung eingesetzt. Für deinen Alltag heißt das: Lass dich nicht von einem einzelnen Online-Rechner verrückt machen. Wenn mehrere der Zeichen oben auf dich zutreffen, lohnt sich ein Termin in der Hausarztpraxis mit Nüchternblutzucker, HbA1c, Blutfetten und Blutdruck.
Was hilft: Abnehmen
Bei Übergewicht ist Abnehmen der stärkste Hebel, und es muss gar nicht viel sein. In einer Studie aus den USA verloren Menschen mit Adipositas kontrolliert 5, 11 oder 16 Prozent ihres Gewichts. Schon 5 Prozent verbesserten die Insulinwirkung in Leber, Muskeln und Fettgewebe sowie die Funktion der insulinbildenden Zellen. Weitere Kilos verbesserten die insulinbildenden Zellen und die Muskeln noch einmal (Magkos 2016). Bei 95 kg sind 5 Prozent knapp 5 kg.
Wie groß der Effekt auf lange Sicht ist, zeigen zwei große Präventionsstudien mit Menschen, deren Blutzucker schon erhöht war:
| Studie | Teilnehmende | Programm | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Diabetes Prevention Program (USA, 2002) | 3.234 Erwachsene mit erhöhtem Blutzucker, im Schnitt 2,8 Jahre | Ziel mindestens 7 % Gewichtsabnahme und 150 Minuten Bewegung pro Woche | 58 % weniger Typ-2-Diabetes; mit Metformin 31 % weniger |
| Finnische Diabetes-Präventionsstudie (2001) | 522 Erwachsene mit gestörter Glukosetoleranz, im Schnitt 3,2 Jahre | Beratung zu Abnehmen, weniger (gesättigtem) Fett, mehr Ballaststoffen und Bewegung; im ersten Jahr 4,2 kg weniger | 58 % weniger Typ-2-Diabetes; nach 4 Jahren 11 % statt 23 % erkrankt |
Bemerkenswert am DPP: Der Lebensstil schlug das Medikament deutlich. Um einen Diabetesfall in drei Jahren zu verhindern, mussten knapp 7 Menschen am Lebensstilprogramm teilnehmen, aber 14 Menschen Metformin nehmen. Wie du nachhaltig abnimmst, ohne zu hungern, erklärt unser Ratgeber Abnehmen: Was wirklich hilft.
Was hilft: Bewegung und Krafttraining
Arbeitende Muskeln nehmen Zucker aus dem Blut auf, und das teilweise sogar ohne viel Insulin. Nach jeder Einheit reagieren die Zellen eine Zeit lang empfindlicher. Laut der Konsenserklärung des American College of Sports Medicine hält dieser Effekt je nach Dauer und Intensität 2 bis 72 Stunden an (Kanaley 2022). Das ist der Grund, warum regelmäßige Bewegung mehr bringt als ein einzelner großer Kraftakt am Wochenende.
Die Empfehlungen für Menschen mit Typ-2-Diabetes sind auch bei Insulinresistenz ein guter Maßstab:
- 150 bis 300 Minuten moderate Ausdauer pro Woche (zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen) oder 75 bis 150 Minuten intensive.
- Krafttraining an 2 bis 3 Tagen pro Woche, nicht an zwei Tagen hintereinander.
- Langes Sitzen unterbrechen, etwa alle 30 Minuten 3 Minuten lockeres Gehen oder ein paar Kniebeugen.
Krafttraining verdient besondere Aufmerksamkeit. Muskeln sind der wichtigste Abnehmer für Zucker aus dem Blut, mehr Muskelmasse heißt mehr Platz, wo er hin kann. Dafür brauchst du kein Fitnessstudio: Kniebeugen, Liegestütze an der Küchenzeile, Ausfallschritte und Rudern mit einer Wasserflasche reichen für den Anfang. Wie du sauber einsteigst, steht in unserem Artikel Krafttraining für Anfänger.
Tipp: Geh nach dem Abendessen 10 bis 15 Minuten spazieren. In einer Studie mit Menschen mit Typ-2-Diabetes senkten 10 Minuten Gehen nach jeder Hauptmahlzeit den Blutzuckeranstieg stärker als 30 Minuten am Stück zu einer anderen Tageszeit.
Was hilft: Ernährung bei Insulinresistenz
Die eine Insulinresistenz-Diät gibt es nicht. Wenn du Übergewicht hast, ist die wichtigste Frage, mit welcher Ernährung du auf Dauer weniger Energie aufnimmst. Dazu passt ein Ergebnis aus der DIETFITS-Studie mit 609 Erwachsenen ohne Diabetes: Ein Jahr lang aßen sie entweder fettarm oder kohlenhydratarm und nahmen ähnlich viel ab, 5,3 gegenüber 6,0 kg. Die Forschenden hatten vorher auch gemessen, wie viel Insulin die Teilnehmenden nach einer Zuckerlösung ausschütteten. Dieser Wert sagte nicht voraus, welche Diät bei wem besser funktionierte (Gardner 2018).
Heißt: Du kannst dich mit Low Carb genauso gut auf den Weg machen wie mit mediterraner oder fettreduzierter Kost. Wenn dir weniger Brot, Nudeln und Süßes leichtfallen, ist die Low-Carb-Diät eine gute Wahl, gerade weil sie den Blutzucker nach dem Essen niedrig hält. Wer gern Brot und Kartoffeln isst, fährt mit Vollkorn, Hülsenfrüchten und viel Gemüse ebenso gut.
Ein paar Bausteine helfen unabhängig von der Diätform:
- Ballaststoffe: Vollkorn, Haferflocken, Linsen, Bohnen und Gemüse bremsen den Blutzuckeranstieg und machen satt. Ziel sind mindestens 30 g am Tag.
- Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index: Linsen statt Weißbrot, Haferflocken statt Cornflakes. Werte für 100 Lebensmittel findest du in unserer Tabelle zum glykämischen Index.
- Keine Zuckergetränke: Limo, Eistee und Saft liefern viel schnellen Zucker ohne Sättigung. Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee sind die bessere Wahl.
- Gemüse und Eiweiß zuerst: Wer Salat und Hähnchen vor dem Brot isst, hat danach niedrigere Blutzucker- und Insulinwerte.
- Eiweiß zu jeder Mahlzeit: Quark, Joghurt, Eier, Fisch, Tofu oder Hülsenfrüchte machen satt und helfen, beim Abnehmen Muskeln zu erhalten.
So kann ein Tag aussehen: morgens Naturjoghurt mit Haferflocken, Beeren und Nüssen. Mittags eine große Schüssel Linsensalat mit Paprika, Feta und Rapsöl-Zitronen-Dressing. Abends Lachs oder Tofu mit Ofengemüse und einer kleinen Portion Kartoffeln, danach eine Runde um den Block. Das ist keine Spezialdiät, sondern einfach gutes Essen.
Was hilft: Schlaf und Stress
Schlafmangel macht schon nach wenigen Nächten messbar insulinresistent. In einem Versuch an der University of Chicago verbrachten sieben gesunde junge Erwachsene vier Nächte nur 4,5 statt 8,5 Stunden im Bett. Danach brauchten ihre Fettzellen fast dreimal so viel Insulin für dieselbe Reaktion, auch die Insulinempfindlichkeit des ganzen Körpers sank (Broussard 2012). In einer älteren Studie mit elf jungen Männern verschlechterte sich nach sechs Nächten mit 4 Stunden Schlaf die Zuckertoleranz, das Stresshormon Cortisol war abends erhöht (Spiegel 1999).
Die Studien sind klein, aber die Richtung ist eindeutig. Sieben bis neun Stunden Schlaf sind kein Luxus, sondern Teil der Behandlung. Tipps dazu findest du in Besser schlafen: die besten Tipps. Wer laut schnarcht und tagsüber ständig müde ist, sollte eine Schlafapnoe abklären lassen, denn die Atemaussetzer belasten den Stoffwechsel zusätzlich. Und weil Dauerstress über Cortisol ebenfalls den Blutzucker anhebt, lohnt ein Blick in unseren Artikel Cortisol senken.
Insulinresistenz und Abnehmen: Geht das überhaupt?
Ja. Ein verbreiteter Mythos lautet, mit Insulinresistenz könne man nicht abnehmen, weil das viele Insulin alles Fett „einsperre“. Die Studien oben zeigen das Gegenteil: In DPP und der finnischen Studie nahmen Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel erfolgreich ab, und in DIETFITS hing der Erfolg nicht davon ab, wie viel Insulin jemand ausschüttete. Für das Fett am Bauch zählt am Ende das Kaloriendefizit, und mit jedem Kilo weniger wird die Insulinresistenz kleiner.
Was stimmt: Es kann zäher gehen, und Heißhunger kann stärker sein. Hier helfen eiweiß- und ballaststoffreiche Mahlzeiten, die lange satt halten, und feste Essenszeiten statt ständigem Snacken. Bei ausgeprägter Adipositas können Ärztinnen auch Medikamente wie die sogenannte Abnehmspritze verschreiben. Die gehören in ärztliche Hände und ersetzen Bewegung und Ernährung nicht.
Achtung: Metformin und andere Diabetesmedikamente gibt es nur auf Rezept, und das aus gutem Grund. Nimm keine Medikamente oder Präparate von Freunden oder aus dem Internet. Wenn du bereits Blutzuckersenker oder Insulin nimmst, stimm Änderungen an Ernährung und Bewegung mit deiner Ärztin ab, weil sonst eine Unterzuckerung droht, und setz nichts eigenmächtig ab.
So fängst du an
Du musst nicht alles gleichzeitig ändern. Diese vier Schritte bringen am meisten und lassen sich nacheinander aufbauen:
- Werte kennen: Bauchumfang messen und in der Hausarztpraxis Nüchternblutzucker, HbA1c, Blutfette und Blutdruck bestimmen lassen.
- Jeden Tag bewegen: nach dem Abendessen 15 Minuten gehen, langes Sitzen alle halbe Stunde kurz unterbrechen.
- Zweimal pro Woche Krafttraining: 20 bis 30 Minuten mit Kniebeugen, Liegestützen, Ausfallschritten und Rudern reichen für den Anfang.
- Ernährung umbauen: Zuckergetränke streichen, mehr Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn, Eiweiß zu jeder Mahlzeit, und wenn du abnehmen willst, ein Kaloriendefizit von etwa 500 kcal am Tag, das reicht für rund ein halbes Kilo pro Woche.
Nach drei Monaten lohnt sich eine neue Messung. Der HbA1c spiegelt den Blutzucker der letzten acht bis zwölf Wochen, er zeigt dann also schon, was die Umstellung gebracht hat. Insulinresistenz hängt übrigens eng mit Blutdruck und Blutfetten zusammen. Wie du beides ohne Tabletten verbesserst, steht in Blutdruck senken und Cholesterin senken.
Häufige Fragen
Welche Symptome hat eine Insulinresistenz?
Meistens keine, die man spürt. Typische Hinweise sind messbar: ein Bauchumfang ab 80 cm (Frauen) oder 94 cm (Männer), Triglyceride ab 150 mg/dl, niedriges HDL, Blutdruck ab 130/85 mmHg und ein Nüchternblutzucker ab 100 mg/dl. Sichtbar können dunkle, samtige Hautstellen am Nacken oder in den Achseln sein. Bei Frauen kann ein PCOS dahinterstecken.
Welcher HOMA-Index ist normal?
Einen einheitlichen Normalwert gibt es nicht. Allein eine spanische Studie kam je nach Methode, Alter und Geschlecht auf Grenzen zwischen 1,85 und 3,46, andere Studien auf wieder andere Werte. Dazu misst nicht jedes Labor Insulin gleich. Ein einzelner HOMA-Wert ist deshalb nur ein Hinweis. Für die Diagnose von Prädiabetes und Diabetes zählen Nüchternblutzucker, HbA1c und gegebenenfalls der Zuckerbelastungstest.
Kann man Insulinresistenz rückgängig machen?
In vielen Fällen ja, zumindest zu einem großen Teil. Schon 5 Prozent Gewichtsabnahme verbessern die Insulinwirkung in Leber, Muskeln und Fettgewebe, und jede Trainingseinheit erhöht die Insulinempfindlichkeit für bis zu 72 Stunden. Bei Menschen mit Prädiabetes senkten Abnehmen und Bewegung das Diabetesrisiko um 58 Prozent. Dauerhaft hält der Effekt aber nur, wenn du dranbleibst.
Was sollte man bei Insulinresistenz essen?
Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn und Haferflocken, Eiweiß zu jeder Mahlzeit, Nüsse und Pflanzenöle, dafür wenig Zuckergetränke, Weißmehl und Süßes. Ob du das als Low Carb, mediterran oder fettreduziert umsetzt, ist zweitrangig: In Studien nahmen Menschen mit beiden Ansätzen ähnlich viel ab, und der Insulinwert sagte nicht voraus, welcher besser passt.
Warum nehme ich mit Insulinresistenz nicht ab?
Insulinresistenz verhindert das Abnehmen nicht, in Präventionsstudien nahmen Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel erfolgreich ab. Häufiger stecken ein zu kleines Kaloriendefizit, unterschätzte Snacks und Getränke, wenig Schlaf oder Medikamente wie Kortison dahinter. Wenn du trotz echter Umstellung über Monate nicht abnimmst, lass das ärztlich abklären.
Ist Insulinresistenz dasselbe wie Diabetes?
Nein. Bei Insulinresistenz wirkt Insulin schwächer, der Blutzucker kann aber noch normal sein, weil die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin bildet. Typ-2-Diabetes liegt laut DDG erst vor, wenn der Nüchternblutzucker bei 126 mg/dl oder darüber, der HbA1c bei 6,5 Prozent oder darüber oder der Zuckerbelastungstest bei 200 mg/dl oder darüber liegt. Insulinresistenz ist aber oft der Anfang davon.
Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und belegen ihn mit Quellen. Er ersetzt aber keine persönliche Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Diätologin. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Praxis. Mehr dazu: So arbeiten wir.
Quellen
- Knowler WC et al. (2002): Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin. N Engl J Med 346(6):393–403
- Magkos F et al. (2016): Effects of Moderate and Subsequent Progressive Weight Loss on Metabolic Function and Adipose Tissue Biology in Humans with Obesity. Cell Metab 23(4):591–601
- Kanaley JA et al. (2022): Exercise/Physical Activity in Individuals with Type 2 Diabetes: A Consensus Statement from the American College of Sports Medicine. Med Sci Sports Exerc 54(2):353–368
- Matthews DR et al. (1985): Homeostasis model assessment: insulin resistance and beta-cell function from fasting plasma glucose and insulin concentrations in man. Diabetologia 28(7):412–419
- Gayoso-Diz P et al. (2013): Insulin resistance (HOMA-IR) cut-off values and the metabolic syndrome in a general adult population: effect of gender and age. EPIRCE cross-sectional study. BMC Endocr Disord 13:47
- Gardner CD et al. (2018): Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss in Overweight Adults and the Association With Genotype Pattern or Insulin Secretion: The DIETFITS Randomized Clinical Trial. JAMA 319(7):667–679
- Broussard JL et al. (2012): Impaired insulin signaling in human adipocytes after experimental sleep restriction: a randomized, crossover study. Ann Intern Med 157(8):549–557
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (2023): Metabolisches Syndrom