Abnehmspritze: Wegovy, Mounjaro & Co. – Wirkung, Kosten, Nebenwirkungen
Das Wichtigste in Kürze
- In den Zulassungsstudien verloren Erwachsene mit Adipositas mit Semaglutid (Wegovy) in 68 Wochen 14,9 Prozent ihres Gewichts, mit Tirzepatid (Mounjaro) in 72 Wochen je nach Dosis 15,0 bis 20,9 Prozent.
- Zugelassen sind beide für Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung; die gesetzlichen Kassen zahlen sie zum Abnehmen nach § 34 SGB V nicht.
- Selbstzahler zahlen in Deutschland im Oktober 2026 für vier Wochen 206,80 bis 490,01 Euro (Mounjaro) bzw. 277,60 Euro (Wegovy 2,4 mg), im Jahr rund 3.600 bis 6.400 Euro.
- Ein Jahr nach dem Absetzen von Semaglutid hatten Teilnehmende der STEP-1-Studie rund zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zugenommen.
- Etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts unter GLP-1-Medikamenten entfällt laut einer Metaanalyse auf fettfreie Masse; Krafttraining und 1,2 bis 1,6 g Eiweiß pro Kilogramm wirken dem entgegen.
Mit „Abnehmspritze“ sind vor allem Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid und Mounjaro mit Tirzepatid gemeint. Beide spritzt man einmal pro Woche unter die Haut, und sie wirken deutlich stärker als jede Diät: In den Zulassungsstudien verloren Menschen mit Adipositas mit Wegovy in 68 Wochen im Schnitt 14,9 Prozent ihres Gewichts, mit Mounjaro in 72 Wochen je nach Dosis 15 bis 20,9 Prozent. Zugelassen sind sie für Erwachsene ab einem BMI von 30 oder ab 27 mit einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung.
Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland zahlen die Spritzen zum Abnehmen nicht, Selbstzahler legen laut Apothekenpreisen vom Oktober 2026 rund 207 bis 490 Euro für vier Wochen hin. Häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall und Verstopfung, und nach dem Absetzen kommt ein großer Teil des Gewichts zurück. Unten erklären wir Wirkung, Studien, Kosten in Deutschland und Österreich, Kassenlage, Nebenwirkungen und worauf du achten solltest, wenn du über eine Behandlung nachdenkst.
Achtung: Abnehmspritzen sind verschreibungspflichtige Arzneimittel und gehören in ärztliche Hand. Bestell sie nicht bei Online-Anbietern, die ohne echtes Arztgespräch ein Rezept ausstellen, und nie ohne Rezept: In Europa sind bereits gefälschte Pens aufgetaucht, die statt Semaglutid Insulin enthielten und eine lebensgefährliche Unterzuckerung auslösen können. Dieser Artikel ordnet die Studienlage ein, die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung triffst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Was ist die Abnehmspritze und wie wirkt sie?
Semaglutid ahmt das Darmhormon GLP-1 nach, Tirzepatid zusätzlich das Hormon GIP. Beide werden nach dem Essen im Darm ausgeschüttet und melden dem Gehirn: Es ist genug da. Die Medikamente verstärken dieses Signal über Tage. Dazu kommt, dass der Magen sich langsamer entleert. In der Praxis heißt das: Du wirst schneller satt, hast seltener Hunger und denkst weniger ans Essen. Abgenommen wird also über ein Kaloriendefizit wie bei jeder Diät, nur dass es sich leichter durchhalten lässt.
Ursprünglich wurden diese Wirkstoffe für Typ-2-Diabetes entwickelt. Daher kommt auch die Verwechslung mit Ozempic: Ozempic enthält ebenfalls Semaglutid, ist aber nur für Diabetes zugelassen und geht nur bis 2 mg pro Woche. Wegovy ist das Präparat für die Gewichtsregulierung mit einer Erhaltungsdosis von 2,4 mg, seit 2026 in der EU auch mit 7,2 mg. Mounjaro ist für beides zugelassen, Diabetes und Gewichtsregulierung.
Kurz erklärt: GLP-1 steht für Glucagon-like Peptide 1, GIP für glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid. Medikamente, die GLP-1 nachahmen, heißen GLP-1-Rezeptoragonisten. Tirzepatid ist ein doppelter Agonist, weil es an beiden Rezeptoren andockt.
Wegovy, Mounjaro und Co. im Überblick
In Deutschland sind im Oktober 2026 vier Varianten zur Gewichtsregulierung im Handel. Die älteste ist Liraglutid (Saxenda und seit 2026 das Nachahmerpräparat Nevolat), das täglich gespritzt wird und deutlich schwächer wirkt. Neu ist seit dem 1. September 2026 die Wegovy-Tablette mit Semaglutid, die täglich nüchtern eingenommen wird.
| Präparat | Wirkstoff | Anwendung | Gewichtsverlust in der Zulassungsstudie | Selbstzahlerpreis pro 4 Wochen |
|---|---|---|---|---|
| Mounjaro | Tirzepatid | 1-mal pro Woche spritzen | 15,0 % (5 mg), 19,5 % (10 mg), 20,9 % (15 mg) nach 72 Wochen, Placebo 3,1 % | 206,80 € (2,5 mg) bis 490,01 € (15 mg) |
| Wegovy (Pen) | Semaglutid | 1-mal pro Woche spritzen | 14,9 % nach 68 Wochen, Placebo 2,4 % | 277,60 € (2,4 mg) |
| Wegovy (Tablette) | Semaglutid | 1-mal täglich nüchtern | 13,6 % mit 25 mg nach 64 Wochen, Placebo 2,2 % | 233,32 € (9 mg, 30 Tabletten); Preis für 25 mg Ende August noch nicht gelistet |
| Saxenda, Nevolat | Liraglutid | 1-mal täglich spritzen | laut Stiftung Warentest 4 bis 5 % nach einem Jahr | nicht erhoben |
Stiftung Warentest hat im Frühjahr 2026 alle Abnehmmittel bewertet und nur zwei Wirkstoffe als geeignet eingestuft: Tirzepatid und Semaglutid. Bei Liraglutid treten laut den Testern schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche häufiger auf als mit Placebo, bei deutlich geringerer Wirkung.
Was die Studien zeigen
STEP 1: Semaglutid
Die Zulassungsstudie für Wegovy lief 68 Wochen mit 1.961 Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung, aber ohne Diabetes. Alle bekamen zusätzlich eine Beratung zu Ernährung und Bewegung. Mit Semaglutid sank das Gewicht im Schnitt um 14,9 Prozent oder 15,3 kg, mit Placebo um 2,4 Prozent oder 2,6 kg. 86 Prozent der Teilnehmenden mit Semaglutid verloren mindestens 5 Prozent ihres Gewichts, die Hälfte mindestens 15 Prozent (Wilding et al. 2021).
SURMOUNT-1: Tirzepatid
Die Zulassungsstudie für Mounjaro lief 72 Wochen mit 2.539 Erwachsenen, die zu Beginn im Schnitt 104,8 kg wogen. Mit der niedrigsten Erhaltungsdosis von 5 mg verloren sie 15,0 Prozent, mit 10 mg 19,5 Prozent und mit 15 mg 20,9 Prozent, mit Placebo 3,1 Prozent. In der 15-mg-Gruppe nahmen 57 Prozent mindestens ein Fünftel ihres Gewichts ab (Jastreboff et al. 2022).
SELECT: Herzinfarkt und Schlaganfall
Für die Frage, ob die Spritze auch länger leben lässt, ist SELECT die wichtigste Studie. 17.604 Menschen ab 45 Jahren mit Übergewicht und einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber ohne Diabetes, bekamen gut drei Jahre lang Semaglutid 2,4 mg oder Placebo. Herz-Kreislauf-Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall traten mit Semaglutid bei 6,5 Prozent auf, mit Placebo bei 8,0 Prozent. Das entspricht einem um 20 Prozent geringeren Risiko. Allerdings brachen 16,6 Prozent die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab, mit Placebo 8,2 Prozent (Lincoff et al. 2023).
Wichtig für die Einordnung: Alle diese Ergebnisse stammen aus Studien, in denen die Spritze mit Ernährungsberatung und mehr Bewegung kombiniert wurde, und alle wurden von den Herstellern finanziert. Laut Zulassung ist die Spritze eine Ergänzung zu kalorienreduzierter Ernährung und Bewegung, kein Ersatz dafür.
Mounjaro vs. Wegovy: was wirkt stärker?
Mounjaro. In der Vergleichsstudie SURMOUNT-5 bekamen 751 Erwachsene mit Adipositas ohne Diabetes 72 Wochen lang entweder Tirzepatid in der höchsten vertragenen Dosis (10 oder 15 mg) oder Semaglutid (1,7 oder 2,4 mg). Mit Tirzepatid sank das Gewicht um 20,2 Prozent oder 22,8 kg, mit Semaglutid um 13,7 Prozent oder 15,0 kg. Der Bauchumfang schrumpfte um 18,4 gegenüber 13,0 cm (Aronne et al. 2025). Die Studie war offen, die Teilnehmenden wussten also, was sie bekamen, und sie wurde vom Mounjaro-Hersteller Lilly bezahlt. Am grundsätzlichen Ergebnis ändert das wenig, es deckt sich mit den Zulassungsstudien.
Stiftung Warentest rechnet nach einem Jahr Therapie mit 13 bis 19 Prozent Gewichtsverlust mit Tirzepatid und 9 bis 12 Prozent mit Semaglutid. Diese Spannen liegen etwas unter den Studienwerten, weil sie sich auf ein Jahr beziehen und die Studien 68 bis 72 Wochen liefen. Für Wegovy spricht, dass mit SELECT ein Nutzen für Herz und Gefäße belegt ist. Beim Preis liegt Wegovy 2,4 mg mit 277,60 Euro gleichauf mit der niedrigsten Mounjaro-Erhaltungsdosis von 5 mg, die höchste Mounjaro-Dosis kostet 490,01 Euro. Welches Mittel für dich passt, hängt von Vorerkrankungen, Verträglichkeit und Budget ab, und das klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Abnehmspritze: ab welchem BMI?
Wegovy und Mounjaro sind für Erwachsene zugelassen mit einem BMI ab 30 (Adipositas) oder einem BMI ab 27 bis unter 30 (Übergewicht), wenn mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt. Als solche nennen die Fachinformationen zum Beispiel Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Schlafapnoe und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wegovy ist außerdem für Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas und über 60 kg zugelassen. Wo dein BMI liegt, zeigt der BMI-Rechner.
Ein Beispiel: Bei 1,70 m Körpergröße entspricht ein BMI von 30 rund 87 kg, ein BMI von 27 rund 78 kg. Wer 72 kg wiegt und die letzten fünf Kilo loswerden will, gehört nicht zur Zielgruppe. Für Menschen mit Normalgewicht wurden die Mittel weder geprüft noch zugelassen.
Die Dosis wird langsam gesteigert, um den Magen-Darm-Trakt zu schonen. Bei Wegovy beginnt man mit 0,25 mg pro Woche und erreicht nach 16 Wochen die Erhaltungsdosis von 2,4 mg. Bei Mounjaro startet man mit 2,5 mg, erhöht nach vier Wochen auf 5 mg und bei Bedarf frühestens alle vier Wochen um weitere 2,5 mg bis höchstens 15 mg. Die Wegovy-Tablette nimmt man nach mindestens acht Stunden Nüchternheit unzerkaut mit höchstens 120 ml Wasser ein und wartet danach mindestens 30 Minuten mit Essen, Trinken und anderen Tabletten.
Abnehmspritze: Kosten in Deutschland und Österreich
Für verschreibungspflichtige Medikamente gelten in deutschen Apotheken einheitliche Abgabepreise. In unserer Stichprobe am 26. Oktober 2026 verlangten DocMorris, medpex und Shop-Apotheke für Mounjaro auf den Cent dasselbe. Ein Pen reicht für vier Wochen.
| Präparat und Dosis | Preis pro 4 Wochen | Kosten pro Jahr (13 Pens) |
|---|---|---|
| Mounjaro 2,5 mg (Startdosis) | 206,80 € | (nur 4 Wochen) |
| Mounjaro 5 mg | 277,60 € | 3.609 € |
| Mounjaro 7,5 mg | 383,80 € | 4.989 € |
| Mounjaro 15 mg | 490,01 € | 6.370 € |
| Wegovy 2,4 mg (Pen) | 277,60 € | 3.609 € |
| Wegovy 9 mg (Tablette, 30 Stück) | 233,32 € | 2.839 € (bei 365 Tabletten) |
Stiftung Warentest kommt je nach Mittel und Dosis auf 43 bis 122 Euro pro Woche. Dazu kommen beim Privatrezept die Kosten für Arztbesuche und Kontrollen. Weil die Behandlung auf Dauer angelegt ist, solltest du nicht mit einem Jahr rechnen, sondern mit mehreren. Günstige Nachahmerpräparate von Wegovy und Mounjaro erwartet Stiftung Warentest in der EU frühestens 2030.
In Österreich hat Novo Nordisk die Preise im Februar 2026 gesenkt. Die Erhaltungsdosis Wegovy 2,4 mg kostet seitdem 282,50 Euro im Monat statt 333 Euro, die Dosis 1,7 mg 244,85 Euro. Einen verlässlichen aktuellen Apothekenpreis für Mounjaro in Österreich haben wir nicht gefunden, frag am besten in deiner Apotheke nach.
Zahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze?
In Deutschland: in aller Regel nein. Der Grund steht in § 34 Absatz 1 SGB V. Danach sind Arzneimittel ausgeschlossen, „bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht“, ausdrücklich auch solche, die „zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts“ dienen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Wegovy deshalb im März 2024 in die Liste dieser Lifestyle-Arzneimittel aufgenommen, für die Tablette gilt dasselbe.
Die Gerichte haben das bisher bestätigt. Das Sozialgericht Mainz entschied im Juni 2025, dass Wegovy unter den Ausschluss fällt, unabhängig davon, ob ein Arzt es verordnet (Az. S 7 KR 76/24). Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen entschied in einem Eilverfahren, das im Mai 2026 bekannt wurde, ebenso für Mounjaro bei einer 24-jährigen Frau mit Hormonstörung und starkem Übergewicht (Az. L 16 KR 161/26 B ER).
Anders ist es bei Typ-2-Diabetes. Wird Semaglutid (als Ozempic) oder Tirzepatid zur Behandlung des Diabetes verordnet, zahlt die Kasse wie bei anderen Diabetesmitteln. Politisch bewegt sich etwas: Die Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Sonja Optendrenk, hat sich im August 2026 dafür ausgesprochen, die Mittel unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung anzuerkennen. Sie fügte aber hinzu: „Solange das Gewicht nach dem Absetzen sofort zurückkommt, ist eine Spritze allein kein Versorgungskonzept.“ An der Rechtslage hat sich bis Oktober 2026 nichts geändert.
Private Krankenversicherungen entscheiden nach dem jeweiligen Tarif und oft im Einzelfall. Frag vor Behandlungsbeginn schriftlich nach.
In Österreich sind Medikamente gegen Adipositas ebenfalls von der regulären Kassenerstattung ausgenommen. Seit Februar 2026 gibt es aber eine Sonderregelung für Wegovy: Bezahlt wird für Jugendliche von 12 bis 20 Jahren mit Adipositas und mindestens einer Begleiterkrankung, wenn mindestens sechs Monate Vorbehandlung nicht ausreichend geholfen haben, sowie für Erwachsene, bei denen eine Adipositas-Operation ansteht. Die Erstverordnung kommt jeweils aus spezialisierten Zentren.
Nebenwirkungen der Abnehmspritze
Die meisten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt, treten vor allem in den ersten Wochen und nach jeder Dosiserhöhung auf und lassen dann nach. Die Zahlen stammen aus den Fachinformationen der europäischen Arzneimittelbehörde EMA:
| Nebenwirkung | Semaglutid 2,4 mg (STEP-Studien) | Tirzepatid 5 bis 15 mg (SURMOUNT-1) |
|---|---|---|
| Übelkeit | 43,9 % (Placebo 16,1 %) | 24,6 bis 33,3 % (Placebo 9,5 %) |
| Durchfall | 29,7 % (Placebo 15,9 %) | 18,7 bis 23,0 % (Placebo 7,3 %) |
| Erbrechen | 24,5 % (Placebo 6,3 %) | sehr häufig |
| Verstopfung | 24,2 % (Placebo 11,1 %) | sehr häufig |
| Abbruch wegen Magen-Darm-Beschwerden | 4,5 % (Placebo 0,8 %, STEP 1) | 1,9 bis 4,4 % (Placebo 0,5 %) |
| Gallensteine | 1,6 % (Placebo 1,1 %) | gelegentlich |
| Haarausfall | 2,5 % (Placebo 1,0 %), mit 7,2 mg 5,3 % | häufig |
Übelkeit dauerte unter Semaglutid im Mittel acht Tage, Verstopfung dagegen 47 Tage. Kleinere Portionen, langsames Essen, weniger Fettiges und genug Trinken helfen vielen. Seltener, aber ernster sind eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (in den Wegovy-Studien bei 0,2 Prozent), Gallenblasenentzündungen und Austrocknung bei starkem Erbrechen oder Durchfall, die in seltenen Fällen die Nierenfunktion verschlechtert. Bei Semaglutid hat die EMA 2025 außerdem eine Durchblutungsstörung des Sehnervs (NAION) als sehr seltene Nebenwirkung eingestuft, nach Daten von Menschen mit Typ-2-Diabetes etwa ein zusätzlicher Fall pro 10.000 Behandlungsjahre. Plötzliche Sehverschlechterung ist deshalb ein Grund, sofort ärztliche Hilfe zu suchen.
Zwei praktische Punkte werden oft übersehen. Vor einer Narkose oder tiefen Sedierung, etwa bei einer Magenspiegelung, musst du Bescheid sagen, weil der verzögert entleerte Magen das Risiko erhöht, dass Mageninhalt in die Lunge gelangt. Und in der Schwangerschaft dürfen die Mittel nicht angewendet werden: Semaglutid soll mindestens zwei Monate, Tirzepatid mindestens einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden, während der Behandlung wird Verhütung empfohlen.
Achtung: Sofort ärztliche Hilfe brauchst du bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen, die in den Rücken ziehen können (Hinweis auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung), bei Schmerzen im rechten Oberbauch mit Fieber oder Gelbfärbung der Haut, bei plötzlicher Sehverschlechterung und wenn du wegen Erbrechen oder Durchfall kaum noch Flüssigkeit bei dir behältst.
Muskelverlust: das unterschätzte Problem
Wer schnell viel Gewicht verliert, verliert immer auch Muskeln, und bei den Abnehmspritzen ist das nicht anders. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 22 Studien kam zu dem Ergebnis, dass etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts unter GLP-1-Medikamenten auf die fettfreie Masse entfällt, zu der Muskeln, Organe und Wasser gehören. Semaglutid und Tirzepatid bauten am meisten Fett ab, gehörten beim Erhalt der fettfreien Masse aber zu den schwächeren Mitteln (Karakasis et al. 2025). Auch Stiftung Warentest weist darauf hin, dass beide Wirkstoffe neben Fett Muskeln abbauen.
Gerade für Ältere und Frauen nach den Wechseljahren ist das relevant, weil Muskeln und Knochen dort ohnehin schwinden. Die Gegenmittel sind dieselben wie bei jeder Diät: Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche und ausreichend Eiweiß. Weil die Spritze den Appetit stark dämpft, ist es leicht, zu wenig Eiweiß zu essen. Plane deshalb 1,2 bis 1,6 g pro Kilogramm Normalgewicht ein und iss es zuerst, wenn du nur wenig herunterbekommst. Deinen Wert zeigt der Proteinbedarf-Rechner, eiweißreiche Lebensmittel mit Werten pro Portion stehen in unserer Eiweiß-Tabelle, ein Trainingsplan ohne Studio im Artikel Muskelaufbau zuhause.
Tipp: Starte das Krafttraining nicht erst, wenn die Waage sinkt, sondern mit der ersten Spritze. Zwei Einheiten pro Woche à 30 Minuten mit Kniebeugen, Hüftheben, Rudern und Liegestützen reichen für den Anfang, wichtig ist, dass es mit der Zeit schwerer wird.
Abnehmspritze absetzen: kommt das Gewicht zurück?
Bei den meisten ja, zu einem großen Teil. Das ist die vielleicht wichtigste Information vor Behandlungsbeginn. In der Verlängerung von STEP 1 wurden 327 Teilnehmende nach dem Ende der Behandlung ein weiteres Jahr beobachtet. Sie hatten mit Semaglutid im Schnitt 17,3 Prozent abgenommen und nahmen innerhalb eines Jahres 11,6 Prozentpunkte davon wieder zu, also rund zwei Drittel. Unterm Strich blieben 5,6 Prozent weniger als zu Beginn. Auch Blutdruck, Blutzucker und Blutfette kehrten weitgehend zu den Ausgangswerten zurück (Wilding et al. 2022).
Noch deutlicher zeigen es zwei Absetzstudien. In STEP 4 nahmen Teilnehmende, die nach 20 Wochen Semaglutid auf Placebo wechselten, in den folgenden 48 Wochen 6,9 Prozent wieder zu, während die anderen mit Semaglutid weitere 7,9 Prozent verloren (Rubino et al. 2021). In SURMOUNT-4 hatten 670 Erwachsene in 36 Wochen mit Tirzepatid 20,9 Prozent abgenommen. Wer danach auf Placebo wechselte, nahm bis Woche 88 wieder 14,0 Prozent zu, wer weitermachte, verlor weitere 5,5 Prozent (Aronne et al. 2024).
Die Fachleute schließen daraus, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist und die Spritze wie ein Blutdruckmittel dauerhaft wirkt, solange man sie nimmt. Wer sie nach einigen Monaten absetzt, braucht vorher gefestigte Gewohnheiten beim Essen, bei der Bewegung und beim Schlaf. Wie du den Rückfall nach einer Diät möglichst klein hältst, beschreiben wir im Artikel zum Jo-Jo-Effekt. Ob und wie man die Dosis vor dem Absetzen langsam reduziert, ist kaum untersucht und gehört in die ärztliche Begleitung.
Fälschungen und Online-Angebote
Die hohe Nachfrage hat einen Schwarzmarkt entstehen lassen. Im Oktober 2023 warnte die EMA vor gefälschten Ozempic-Pens, die bei Großhändlern in der EU und in Großbritannien aufgetaucht waren, die Pens mit deutscher Beschriftung kamen über Großhändler in Österreich und Deutschland. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) übernahm die Koordination und forderte Apotheken auf, jede Packung vor der Abgabe zu öffnen und zu prüfen. Ein amtliches Labor in Karlsruhe stellte später fest, dass die Fälschungen statt Semaglutid das schnell wirkende Insulin Glulisin enthielten. Wer das spritzt, riskiert einen Unterzuckerungsschock bis zum Koma.
Das größere Risiko liegt heute im Internet. Die Verbraucherzentrale NRW hat 2026 zehn Online-Plattformen getestet, die Rezepte für Abnehmspritzen ausstellen. Vier verlangten keinerlei Nachweis zur Identität oder zum Körpergewicht, bei fünf kam man durch, indem man im Fragebogen einfach ein höheres Gewicht angab. Noch gefährlicher sind Angebote ganz ohne Rezept, „Forschungspeptide“ oder Wirkstoffe wie Retatrutid, das in der EU noch nicht zugelassen ist. Laut Stiftung Warentest können solche Produkte andere, auch verbotene Wirkstoffe oder falsche Mengen enthalten.
Wichtig: Echte Abnehmspritzen bekommst du nur mit Rezept nach einer ärztlichen Untersuchung, und zwar in der Apotheke vor Ort oder bei einer zugelassenen Versandapotheke. Angebote ohne Rezept, mit Rabattcodes in sozialen Netzwerken oder deutlich unter den Preisen oben sind fast sicher illegal.
Für wen die Abnehmspritze sinnvoll ist
Für Menschen mit Adipositas, besonders mit Folgeerkrankungen wie Diabetes-Vorstufe, Bluthochdruck, Schlafapnoe oder Herzerkrankung, sind Semaglutid und Tirzepatid ein echter Fortschritt. Sie wirken stärker als jede Diät, und bei Herzpatienten senkt Semaglutid nachweislich das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Tod. Für sie lohnt sich das Gespräch in der Hausarztpraxis oder einem Adipositaszentrum.
Nicht gedacht sind die Mittel für Menschen mit Normalgewicht oder leichtem Übergewicht ohne Begleiterkrankung und nicht für Schwangerschaft und Stillzeit. Für sie fehlen Belege für den Nutzen, und die Risiken bleiben. Besondere Vorsicht gilt bei manchen Vorerkrankungen, etwa nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Wer abnehmen will, ohne die Kriterien zu erfüllen, fährt mit einem moderaten Kaloriendefizit, viel Eiweiß, Krafttraining und genug Schlaf besser. Wie das konkret geht, steht in unserem Ratgeber Abnehmen: Was wirklich hilft. Und falls dir vor allem Heißhunger zu schaffen macht, findest du Strategien im Artikel Heißhunger stoppen, sättigende Alternativen bei den Lebensmitteln, die lange satt machen.
Häufige Fragen
Wie viel kostet die Abnehmspritze im Monat?
In Deutschland kostet Mounjaro je nach Dosis 206,80 bis 490,01 Euro pro Pen für vier Wochen, Wegovy in der Erhaltungsdosis 2,4 mg 277,60 Euro (Stand Oktober 2026). Im Jahr sind das für die Spritzen je nach Mittel und Dosis rund 3.600 bis 6.400 Euro. In Österreich kostet Wegovy 2,4 mg seit Februar 2026 282,50 Euro im Monat.
Zahlt die Krankenkasse die Abnehmspritze?
Die gesetzlichen Kassen in Deutschland zahlen Wegovy und Mounjaro zum Abnehmen nicht, weil Mittel zur Gewichtsregulierung nach § 34 SGB V ausgeschlossen sind. Sozialgerichte haben das 2025 und 2026 bestätigt. Bei Typ-2-Diabetes werden die Wirkstoffe dagegen erstattet. In Österreich zahlt die Kasse Wegovy nur in Sonderfällen, etwa für Jugendliche oder vor einer Adipositas-Operation.
Ab welchem BMI bekommt man die Abnehmspritze?
Zugelassen sind Wegovy und Mounjaro ab einem BMI von 30 oder ab einem BMI von 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie Bluthochdruck, Prädiabetes, erhöhten Blutfetten, Schlafapnoe oder Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wegovy gibt es außerdem für Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas.
Was passiert, wenn man die Abnehmspritze absetzt?
Meist kommt ein großer Teil des Gewichts zurück. Ein Jahr nach dem Ende der Semaglutid-Behandlung in STEP 1 hatten die Teilnehmenden rund zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zugenommen, auch Blutdruck und Blutzucker verschlechterten sich wieder. Wer absetzen will, sollte das ärztlich begleitet tun und vorher feste Gewohnheiten bei Essen und Bewegung aufbauen.
Was ist besser: Mounjaro oder Wegovy?
Mounjaro wirkt stärker. Im direkten Vergleich verloren Teilnehmende mit Tirzepatid in 72 Wochen 20,2 Prozent ihres Gewichts, mit Semaglutid 13,7 Prozent. Für Wegovy sprechen der belegte Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall bei Herzpatienten und der niedrigere Preis in der Erhaltungsdosis. Die Entscheidung hängt von Vorerkrankungen, Verträglichkeit und Kosten ab.
Welche Nebenwirkungen hat die Abnehmspritze?
Am häufigsten sind Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung, vor allem in den ersten Wochen und nach Dosiserhöhungen. Unter Semaglutid hatten in den Studien 43,9 Prozent Übelkeit, mit Placebo 16,1 Prozent. Selten sind Gallensteine, Bauchspeicheldrüsenentzündungen und bei Semaglutid sehr selten eine Durchblutungsstörung des Sehnervs. Dazu kommt Muskelverlust, wenn man nicht gegensteuert.
Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und belegen ihn mit Quellen. Er ersetzt aber keine persönliche Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Diätologin. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Praxis. Mehr dazu: So arbeiten wir.
Quellen
- Wilding JPH et al. (2021): Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1). N Engl J Med
- Jastreboff AM et al. (2022): Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1). N Engl J Med
- Lincoff AM et al. (2023): Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Obesity without Diabetes (SELECT). N Engl J Med
- Wilding JPH et al. (2022): Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension. Diabetes Obes Metab
- Aronne LJ et al. (2024): Continued Treatment With Tirzepatide for Maintenance of Weight Reduction in Adults With Obesity (SURMOUNT-4). JAMA
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Wegovy – Fachinformation (Produktinformation, deutsch)
- Stiftung Warentest (2026): Abnehmspritzen im Test – Nur zwei Wirkstoffe sind geeignet
- Pharmazeutische Zeitung (2026): Gericht sieht Abnehmspritze als Lifestyle-Medikament (LSG Niedersachsen-Bremen, L 16 KR 161/26 B ER)