Muskelaufbau Ernährung: Was essen, wie viel Protein und welcher Kalorienüberschuss?
Das Wichtigste in Kürze
- Für Muskelaufbau reichen 1,6 bis 2,0 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag; oberhalb von etwa 1,6 g brachte zusätzliches Protein in einer Meta-Analyse mit 49 Studien keinen weiteren Muskelzuwachs.
- Übersichtsarbeiten empfehlen einen moderaten Kalorienüberschuss von 10 bis 20 % bzw. rund 360 bis 480 kcal und eine Gewichtszunahme von 0,25 bis 0,5 % des Körpergewichts pro Woche.
- Pro Mahlzeit sind etwa 0,4 g Protein pro Kilogramm sinnvoll, verteilt auf mindestens vier Mahlzeiten; der genaue Zeitpunkt ums Training ist zweitrangig.
- Einsteiger können ohne Überschuss Muskeln aufbauen: In einer Studie legten junge Männer trotz 40 % Kaloriendefizit mit 2,4 g Protein pro kg 1,2 kg fettfreie Masse zu und verloren 4,8 kg Fett.
- Unter den Supplements ist Kreatin (3 bis 5 g täglich) gut belegt, für BCAA fand eine Übersichtsarbeit keine Studie, die beim Menschen eine Anregung des Muskelaufbaus zeigt.
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen solchen Link, erhalten wir eine kleine Provision – für dich ändert sich der Preis nicht. Unsere Empfehlungen beeinflusst das nicht.
Für Muskelaufbau brauchst du auf dem Teller vor allem drei Dinge: genug Eiweiß (1,6 bis 2,0 g pro Kilogramm Körpergewicht, bei 80 kg also 130 bis 160 g am Tag), einen leichten Kalorienüberschuss von etwa 250 bis 500 kcal und ausreichend Kohlenhydrate für das Training. Verteile das Eiweiß auf drei bis fünf Mahlzeiten mit je rund 0,4 g pro Kilogramm. Ohne regelmäßiges Krafttraining baut aber auch die beste Ernährung keinen Muskel auf.
Viel mehr ist es nicht. Der genaue Zeitpunkt des Shakes, BCAA-Kapseln und Testo-Booster bringen laut Studienlage wenig oder gar nichts. Hier liest du, was die Forschung zu Kalorien, Protein, Kohlenhydraten und Fett zeigt, welche Lebensmittel sich eignen, wie ein Ernährungsplan für einen Tag aussehen kann und was sich ab 50, für Frauen und bei veganer Ernährung ändert.
Muskelaufbau Ernährung: die Zahlen auf einen Blick
| Baustein | Empfehlung | Beispiel 80 kg | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Kalorien | Erhaltungsbedarf plus 10 bis 20 %, etwa 250 bis 500 kcal | bei 2.500 kcal Bedarf: 2.750 bis 3.000 kcal | Iraki et al. 2019, Slater et al. 2019 |
| Gewichtszunahme | 0,25 bis 0,5 % des Körpergewichts pro Woche | 0,2 bis 0,4 kg pro Woche | Iraki et al. 2019 |
| Protein pro Tag | 1,6 bis 2,0 g pro kg | 130 bis 160 g | Morton et al. 2018, ISSN 2017 |
| Protein pro Mahlzeit | etwa 0,4 g pro kg, mindestens 4 Mahlzeiten | rund 32 g | Schoenfeld & Aragon 2018 |
| Kohlenhydrate | mindestens 3 bis 5 g pro kg | 240 bis 400 g | Iraki et al. 2019 |
| Fett | 0,5 bis 1,5 g pro kg | 40 bis 120 g | Iraki et al. 2019 |
| Kreatin (optional) | 3 bis 5 g Monohydrat täglich | 3 bis 5 g | Iraki et al. 2019 |
Die Spannen sind breit, weil Menschen verschieden sind. Wer gerade anfängt, kann eher am oberen Ende der Gewichtszunahme liegen, wer seit Jahren trainiert, baut langsamer auf und sollte den Überschuss kleiner halten. Deinen persönlichen Startwert rechnest du mit dem Kalorienbedarf-Rechner und dem Proteinbedarf-Rechner aus.
Kalorienüberschuss: Wie viel mehr essen?
Muskeln aufzubauen kostet Energie. Der Körper braucht Baumaterial und Energie für den Umbau, und beides fällt leichter, wenn mehr hereinkommt, als du verbrauchst. Wie groß der Überschuss sein muss, ist allerdings schlechter untersucht, als man denkt. Eine Übersichtsarbeit von Gary Slater und Kollegen kommt 2019 zu dem Schluss, dass der ideale Überschuss in Studien nie bestimmt wurde. Bis es bessere Daten gibt, raten die Autoren zu einem vorsichtigen Plus von etwa 1.500 bis 2.000 kJ am Tag, also rund 360 bis 480 kcal, um möglichst wenig Fett anzusetzen.
Eine zweite Übersichtsarbeit zur Aufbauphase von Bodybuildern (Iraki et al., 2019) nennt 10 bis 20 % über dem Bedarf und eine Gewichtszunahme von 0,25 bis 0,5 % des Körpergewichts pro Woche für Einsteiger und Fortgeschrittene. Bei 80 kg sind das 200 bis 400 g pro Woche. Erfahrene Athleten sollen vorsichtiger sein, weil sie nur noch langsam Muskeln dazugewinnen und ein großer Überschuss bei ihnen vor allem auf den Hüften landet.
Tipp: Wiege dich drei- bis viermal pro Woche morgens und vergleiche die Wochendurchschnitte. Steigt der Schnitt um mehr als 0,5 % pro Woche, iss 150 bis 200 kcal weniger. Tut sich drei, vier Wochen lang gar nichts, leg die gleiche Menge drauf, am einfachsten über eine größere Beilage.
Muskeln aufbauen und gleichzeitig Fett verlieren?
Das geht, vor allem bei Einsteigern, Wiedereinsteigern und Menschen mit Übergewicht. Fachleute nennen das Rekomposition. Wie weit das reichen kann, zeigt eine Studie aus Kanada: 40 junge Männer aßen vier Wochen lang rund 40 % weniger, als sie brauchten, und trainierten sechsmal pro Woche Kraft und Intervalle. Die Gruppe mit 2,4 g Protein pro Kilogramm legte 1,2 kg fettfreie Masse zu und verlor 4,8 kg Fett, die Gruppe mit 1,2 g blieb bei der Muskelmasse gleich.
Das war ein hartes Laborprogramm, kein Alltag. Die Richtung gilt aber auch für dich: Wer gerade mit dem Training anfängt und Fett verlieren möchte, braucht keinen Überschuss. Iss etwa so viel, wie du verbrauchst, oder leicht darunter, halte das Eiweiß hoch und trainiere regelmäßig. Wie du dabei gezielt am Bauch abnimmst, erklären unsere Ratgeber zum Bauchfett verlieren und zum Sixpack. Den gezielten Überschuss heben sich am besten schlanke Trainierende auf, die schon eine Weile dabei sind.
Muskelaufbau: Wie viel Protein?
Die wichtigste Studie zu dieser Frage ist eine Meta-Analyse von Robert Morton und Kollegen aus dem Jahr 2018. Sie hat 49 Studien mit 1.863 Teilnehmenden ausgewertet, die mindestens sechs Wochen Krafttraining machten. Ergebnis: Zusätzliches Protein steigerte Kraft und Muskelmasse, aber nur bis zu einer Gesamtzufuhr von etwa 1,6 g pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Darüber brachte mehr Eiweiß im Schnitt keinen weiteren Muskelzuwachs. Weil die statistische Unsicherheit dieser Grenze bis 2,2 g reicht, halten die Autoren bis zu 2,2 g für eine vorsichtige Empfehlung, wenn man ganz sichergehen will.
Die International Society of Sports Nutrition (ISSN) hält 1,4 bis 2,0 g pro Kilogramm für die meisten Trainierenden für ausreichend. Zum Vergleich: Die DGE empfiehlt Erwachsenen ohne besonderes Training 0,8 g, ab 65 Jahren 1,0 g. Für den Muskelaufbau brauchst du also etwa das Doppelte. Wichtig für die Erwartung: In der Morton-Analyse brachte Protein zusätzlich zum Training im Schnitt 0,3 kg mehr fettfreie Masse. Das ist real, aber der große Teil des Muskelzuwachses kommt vom Training.
| Körpergewicht | Protein pro Tag (1,6–2,0 g/kg) | Protein pro Mahlzeit (0,4 g/kg) |
|---|---|---|
| 60 kg | 96–120 g | 24 g |
| 70 kg | 112–140 g | 28 g |
| 80 kg | 128–160 g | 32 g |
| 90 kg | 144–180 g | 36 g |
| 100 kg | 160–200 g | 40 g |
Merke: Mehr als etwa 1,6 g Protein pro Kilogramm bringt im Schnitt keine zusätzlichen Muskeln. Wer schon 130 g am Tag isst, gewinnt mit einem weiteren Shake nichts. Bei deutlichem Übergewicht rechnest du mit deinem Normalgewicht, sonst wird die Zahl unnötig hoch.
Protein verteilen: 0,4 g pro Kilo und Mahlzeit
Der Muskel reagiert auf jede eiweißreiche Mahlzeit mit einem kurzen Schub Muskelproteinsynthese. Brad Schoenfeld und Alan Aragon haben 2018 die Studien dazu ausgewertet und empfehlen etwa 0,4 g Protein pro Kilogramm und Mahlzeit, verteilt auf mindestens vier Mahlzeiten. Bei 80 kg sind das rund 32 g pro Mahlzeit, viermal am Tag ergibt das die 1,6 g pro Kilo aus der Morton-Analyse. Die ISSN formuliert es ähnlich: 20 bis 40 g hochwertiges Protein alle drei bis vier Stunden.
Dass der Körper „nur 30 g pro Mahlzeit verwerten kann“, ist übrigens ein Missverständnis. Aufnehmen kann er alles, mehr Eiweiß wird lediglich zu einem größeren Teil zur Energiegewinnung genutzt. Eine große Mahlzeit ist also kein verschwendetes Protein, mit drei bis fünf Portionen fährst du aber etwas besser.
Bleibt die Qualität. Den Startschuss für den Muskelaufbau gibt vor allem die Aminosäure Leucin. Die ISSN empfiehlt pro Portion 700 bis 3.000 mg Leucin zusammen mit allen anderen unentbehrlichen Aminosäuren. Das erreichst du mit Fleisch, Fisch, Eiern, Milchprodukten und Soja in den üblichen Portionen leicht. Bei anderen pflanzlichen Quellen hilft eine etwas größere Portion oder eine Kombination, etwa Linsen mit Getreide.
Kohlenhydrate und Fett beim Muskelaufbau
Ist der Eiweißbedarf gedeckt, füllst du die restlichen Kalorien mit Kohlenhydraten und Fett. Iraki und Kollegen empfehlen mäßig Fett (0,5 bis 1,5 g pro Kilogramm) und den Rest als Kohlenhydrate, mindestens 3 bis 5 g pro Kilogramm. Kohlenhydrate füllen die Glykogenspeicher in der Muskulatur, aus denen schwere Sätze mit vielen Wiederholungen ihre Energie ziehen. Wer im Aufbau Low Carb isst, macht es sich unnötig schwer, weil der Überschuss dann fast nur über Fett kommen muss.
Gute Quellen sind Haferflocken, Vollkornbrot, Reis, Kartoffeln, Nudeln, Hülsenfrüchte und Obst. Wie viel jeweils drinsteckt, zeigt unsere Kohlenhydrate-Tabelle mit 144 Lebensmitteln. Beim Fett lohnt der Blick auf die Art: Nüsse, Rapsöl, Olivenöl und fetter Fisch liefern ungesättigte Fettsäuren, Lachs und Hering dazu Omega-3-Fettsäuren. Ob du zusätzlich Kapseln brauchst, klärt unser Ratgeber zu Omega-3.
Timing: Wann essen für Muskelaufbau?
Weniger wichtig, als Fitnessstudios gern behaupten. Das „anabole Fenster“ von 30 Minuten nach dem Training gibt es in dieser Form nicht. Eine Meta-Analyse von 2013 mit 23 Studien zur Muskelmasse fand zwar zunächst einen kleinen Vorteil für Protein direkt ums Training. Sobald die Forschenden aber berücksichtigten, wie viel Eiweiß die Gruppen insgesamt aßen, verschwand er. Der stärkste Faktor war die Gesamtmenge am Tag.
Laut ISSN hält die aufbauende Wirkung des Trainings mindestens 24 Stunden an. Ob du dein Eiweiß vor oder nach dem Training isst, ist Geschmackssache. Praktisch bewährt hat sich eine eiweißreiche Mahlzeit innerhalb von ein, zwei Stunden vor oder nach dem Training, dazu eine Portion vor dem Schlafen. Für diese späte Portion nennt die ISSN 30 bis 40 g Kasein, das langsam verdaut wird und die Muskelproteinsynthese über Nacht erhöht. Ein Becher Magerquark (250 g) liefert rund 30 g, größtenteils Kasein.
Kohlenhydrate am Abend sind übrigens kein Problem, auch nicht beim Abnehmen, wie Studien zur Mahlzeitenverteilung zeigen. Wer abends trainiert, isst danach ganz normal Kartoffeln, Reis oder Nudeln.
Muskelaufbau: Was essen?
Du brauchst keine Spezialprodukte. Die Basis sind Lebensmittel, die viel Eiweiß pro Portion liefern, dazu Beilagen, Gemüse und Obst. Diese zwölf Lebensmittel bringen dich pro Portion am weitesten:
| Lebensmittel | Portion | Protein | kcal |
|---|---|---|---|
| Hähnchenbrustfilet, roh | 1 Filet (150 g) | 35 g | 164 |
| Rinderhüfte (Steak), roh | 1 Steak (150 g) | 33 g | 165 |
| Tofu | 1 Packung (200 g) | 31 g | 230 |
| Thunfisch im eigenen Saft, abgetropft | 1 Dose (130 g) | 30 g | 124 |
| Magerquark | 1 Becher (250 g) | 30 g | 165 |
| Seitan | 1 Portion (100 g) | 28 g | 199 |
| Sojaschnetzel, trocken | 1 Portion (50 g) | 25 g | 176 |
| Lachs, roh | 1 Filet (125 g) | 25 g | 225 |
| Körniger Frischkäse | 1 Becher (200 g) | 24 g | 146 |
| Skyr natur | 1 Becher (150 g) | 16 g | 96 |
| Rote Linsen, trocken | 1 Portion (60 g) | 15 g | 200 |
| Hühnerei | 2 Eier (110 g) | 15 g | 148 |
80 weitere Lebensmittel mit Eiweiß pro 100 g und pro Portion findest du in unserer Eiweiß-Tabelle. Für die Kohlenhydrate eignen sich Haferflocken (80 g liefern 43 g Kohlenhydrate und 11 g Eiweiß), Reis, Kartoffeln, Vollkornbrot und Nudeln. Gemüse und Obst bringen Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, die bei einer kalorienreichen Ernährung schnell zu kurz kommen, wenn die Teller nur aus Beilage und Fleisch bestehen.
Muskelaufbau Ernährungsplan: ein Beispiel-Tag
So kann ein Tag für eine Person mit etwa 85 kg und einem Erhaltungsbedarf um 2.300 kcal aussehen. Er liefert rund 2.600 kcal, 173 g Eiweiß (gut 2 g pro Kilo), 278 g Kohlenhydrate und 47 g Ballaststoffe. Brauchst du mehr Energie, vergrößerst du Reis, Kartoffeln und Haferflocken, brauchst du weniger, verkleinerst du sie.
| Mahlzeit | Was | kcal | Protein | Kohlenhydrate | Fett |
|---|---|---|---|---|---|
| Frühstück | 70 g Haferflocken, 250 ml Milch 1,5 %, 150 g Skyr, 1 Banane, 15 g Walnüsse | 653 | 37 g | 71 g | 21 g |
| Mittagessen | 150 g Hähnchenbrust, 100 g Reis (roh gewogen), 200 g Brokkoli, 1 EL Olivenöl | 674 | 50 g | 82 g | 15 g |
| Nachmittag | 2 Scheiben Roggenvollkornbrot, 40 g Gouda, 1 Apfel | 405 | 17 g | 50 g | 12 g |
| Abendessen | 150 g Lachs, 300 g Kartoffeln, 200 g Zucchini, 1 EL Olivenöl | 632 | 38 g | 53 g | 28 g |
| Vor dem Schlafen | 250 g Magerquark, 125 g Heidelbeeren | 241 | 30 g | 21 g | 1 g |
| Summe | 2.605 | 173 g | 278 g | 76 g |
Vier der fünf Mahlzeiten liegen bei 30 g Eiweiß oder mehr, der Nachmittag ist der Snack dazwischen. Das Training passt am besten in die Lücke zwischen Mittag und Abend, die Lachs-Mahlzeit ist dann die Mahlzeit danach. Vegetarisch oder vegan tauschst du Hähnchen gegen 200 g Tofu (31 g Eiweiß) oder 100 g Seitan (28 g), Lachs gegen 50 g Sojaschnetzel (25 g) und Skyr und Quark gegen Sojajoghurt und Sojadrink, wobei du bei den Milchalternativen auf die Eiweißangabe auf der Packung achtest.
Supplements: Was wirklich wirkt und was nicht
Der Supplementmarkt rund um Muskelaufbau ist riesig, die Liste der Mittel mit guten Belegen kurz. Wir haben die bekanntesten nach Studienlage eingeordnet.
| Mittel | Studienlage | Dosis | Unser Urteil |
|---|---|---|---|
| Kreatin-Monohydrat | sehr gut belegt | 3–5 g täglich | lohnt sich |
| Proteinpulver | gut belegt, aber nur als Ergänzung | so viel, wie zum Tagesbedarf fehlt | praktisch, kein Muss |
| Koffein | gut belegt für die Trainingsleistung | 2–3 mg/kg (Studien: 3–6 mg/kg), etwa 60 Min. vor dem Training | kann helfen, Schlaf beachten |
| BCAA | kein Beleg für mehr Muskelaufbau | – | unnötig |
| Testo-Booster | Werbeversprechen meist ohne Belege | – | Finger weg |
Kreatin ist das einzige Supplement, das zuverlässig zusätzlich Kraft und Muskelmasse bringt. 3 bis 5 g Kreatin-Monohydrat am Tag reichen, eine Ladephase ist nicht nötig. Wirkung, Einnahme und die häufigsten Mythen stehen in unserem Kreatin-Ratgeber.
Proteinpulver ist Eiweiß in praktischer Form, nicht mehr und nicht weniger. Es hilft, wenn du deine Zielmenge mit normalem Essen schwer erreichst, etwa bei wenig Appetit oder veganer Ernährung. Wer mit Quark, Hülsenfrüchten und Fleisch schon auf 1,6 g pro Kilo kommt, braucht keins. Welche Sorte sich wofür eignet, erklärt unser Ratgeber Welches Proteinpulver ist das richtige?
Koffein verbessert laut ISSN Kraft, Kraftausdauer und Ausdauer, in Studien meist mit 3 bis 6 mg pro Kilogramm etwa eine Stunde vor dem Training. Schon 2 mg pro Kilo könnten reichen. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hält für gesunde Erwachsene Einzeldosen bis 200 mg und bis 400 mg am Tag für unbedenklich. Zwei Tassen Filterkaffee haben rund 180 mg. Trainierst du abends, lass es lieber weg: Schon 100 mg können laut EFSA bei manchen Menschen den Schlaf stören.
BCAA (die Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin) sind ein Beispiel für gutes Marketing. Der Stoffwechselforscher Robert Wolfe hat 2017 die Studienlage durchgesehen und keine einzige Studie am Menschen gefunden, die zeigt, dass BCAA allein die Muskelproteinsynthese anregen. Für den Muskelaufbau braucht der Körper alle unentbehrlichen Aminosäuren, und die bekommst du mit normalem Eiweiß sowieso.
Testo-Booster versprechen mehr Testosteron aus Pflanzenextrakten, Zink und Vitaminen. Eine Untersuchung von 50 solcher Produkte fand 109 verschiedene Zutaten. Nur für knapp ein Viertel davon gab es überhaupt Daten, die einen Anstieg des Testosterons zeigten, für rund 10 % sogar Daten, die einen Rückgang zeigten. 13 Produkte überschritten die in den USA geltenden Höchstmengen für Zink, Niacin oder Magnesium.
Achtung: Bei Nierenerkrankungen solltest du hohe Eiweißmengen und Kreatin vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen. Das gilt auch, wenn du Herzprobleme hast oder schwanger bist und Koffein als Trainingsbooster nutzen willst.
Und Vitamin D, Omega-3 oder Magnesium? Das sind keine Muskelaufbaumittel. Sinnvoll sind sie, wenn du tatsächlich zu wenig davon bekommst, was im Winter bei Vitamin D häufiger vorkommt. Ob das für dich gilt, steht im Ratgeber zu Vitamin D.
Muskelaufbau ab 50
Muskelaufbau funktioniert in jedem Alter, die Muskeln reagieren aber mit den Jahren schwächer auf Eiweiß. In einer Auswertung der McMaster University erreichte die Muskelproteinsynthese bei jungen Männern (um 22 Jahre) ihr Maximum bei 0,24 g Protein pro Kilogramm und Mahlzeit, bei älteren (um 71 Jahre) erst bei 0,40 g. Ältere brauchen pro Mahlzeit also deutlich mehr, um den gleichen Effekt zu erzielen. Auch in der Morton-Analyse wirkte zusätzliches Protein mit steigendem Alter etwas schwächer.
Die DGE hebt die Empfehlung ab 65 von 0,8 auf 1,0 g pro Kilogramm an. Die europäische Expertengruppe PROT-AGE rät älteren Menschen zu mindestens 1,0 bis 1,2 g und für alle, die aktiv sind oder trainieren, zu 1,2 g und mehr. Für Trainierende ab 50 heißt das praktisch: Peile die 1,6 g pro Kilo an, achte aber vor allem darauf, dass jede Hauptmahlzeit rund 0,4 g pro Kilo liefert, bei 75 kg also 30 g. Ein Brot mit Marmelade zum Frühstück reicht dafür nicht, ein Quark mit Haferflocken schon. Für Erwachsene über 55 hat die EU sogar eine eigene Gesundheitsangabe für Kreatin in Verbindung mit Krafttraining zugelassen, die Details stehen im Kreatin-Ratgeber.
Muskelaufbau für Frauen
Für Frauen gelten dieselben Regeln, bezogen auf das Körpergewicht. Eine Meta-Analyse im Journal of Strength and Conditioning Research (2020) verglich Männer und Frauen mit gleichem Trainingsprogramm: Beim Muskelwachstum gab es relativ zum Ausgangswert keinen Unterschied, bei der Oberkörperkraft legten Frauen sogar stärker zu. Die Sorge, mit Krafttraining „zu muskulös“ zu werden, ist unbegründet, der absolute Zuwachs fällt bei Frauen wegen der geringeren Ausgangsmasse kleiner aus.
Beim Eiweiß gilt dieselbe Spanne von 1,6 bis 2,0 g pro Kilogramm, bei 60 kg also 96 bis 120 g am Tag. Weil der Kalorienbedarf meist niedriger ist, fällt auch der Überschuss kleiner aus: 10 % auf 2.000 kcal sind 200 kcal, etwa ein Becher Skyr mit einer Banane. Wer beim Training nicht zunehmen möchte, fährt mit der Rekomposition besser: essen etwa nach Bedarf, viel Eiweiß und regelmäßiges Krafttraining.
Muskelaufbau vegan
Funktioniert genauso gut, wenn die Menge stimmt. In einer Studie aus São Paulo trainierten 19 vegan lebende und 19 Mischkost essende junge Männer zwölf Wochen lang. Beide Gruppen kamen über Essen und Proteinpulver auf 1,6 g Eiweiß pro Kilogramm, die einen mit Sojaprotein, die anderen mit Whey. Ergebnis: Beide Gruppen legten 1,2 kg fettfreie Masse an den Beinen zu, bei Muskelquerschnitt und Kraft gab es keinen Unterschied.
Die besten veganen Quellen sind Tofu, Tempeh, Sojaschnetzel, Seitan, Linsen, Bohnen und Kichererbsen. Kombiniere über den Tag Hülsenfrüchte mit Getreide und nimm bei Erbsen-, Reis- oder Hanfprotein lieber eine etwas größere Portion. Mehr Ideen mit Mengen findest du bei unseren veganen Proteinquellen. Weil vegane Ernährung im Schnitt weniger Kreatin enthält, profitieren Veganer von einer Ergänzung oft stärker.
So fängst du an
- Bedarf ausrechnen. Kalorienbedarf ermitteln, 250 bis 500 kcal dazurechnen (bei Einsteigern mit Übergewicht: keinen Überschuss), Protein mit 1,6 bis 2,0 g pro Kilo ansetzen.
- Eiweiß in jede Mahlzeit. Plane drei bis fünf Mahlzeiten mit je etwa 0,4 g pro Kilo, eine davon nach dem Training und gern eine vor dem Schlafen.
- Zwei Wochen lang abwiegen. Mit einer digitalen Küchenwaage bei Amazon* und einer Nährwert-App siehst du schnell, ob du deine Zahlen triffst. Danach klappt es meist nach Augenmaß.
- Gewicht im Blick behalten. Wochendurchschnitt vergleichen, Ziel 0,25 bis 0,5 % pro Woche, Kalorien in Schritten von 150 bis 200 kcal anpassen.
- Training an erste Stelle. Zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining mit steigender Belastung, dazu ausreichend Schlaf. Wie die Schlafphasen zusammenhängen, liest du im Ratgeber zu den Schlafphasen. Kreatin ist das einzige Extra, das sich lohnt.
Häufige Fragen
Wie viel Protein brauche ich für Muskelaufbau?
1,6 bis 2,0 g pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei 70 kg also 112 bis 140 g. Eine Meta-Analyse mit 49 Studien fand oberhalb von etwa 1,6 g im Schnitt keinen zusätzlichen Muskelzuwachs. Verteile die Menge auf mehrere Mahlzeiten mit je etwa 0,4 g pro Kilo.
Wie groß sollte der Kalorienüberschuss sein?
Etwa 10 bis 20 % über dem Bedarf, meist 250 bis 500 kcal am Tag. Übersichtsarbeiten raten zu einem vorsichtigen Plus und einer Gewichtszunahme von 0,25 bis 0,5 % des Körpergewichts pro Woche. Ein größerer Überschuss bringt vor allem mehr Fett, nicht mehr Muskeln.
Kann ich ohne Kalorienüberschuss Muskeln aufbauen?
Ja, vor allem als Einsteiger, Wiedereinsteiger oder mit Übergewicht. In einer Studie legten junge Männer trotz großem Kaloriendefizit 1,2 kg fettfreie Masse zu, weil sie viel Eiweiß aßen und intensiv trainierten. Für erfahrene, schlanke Trainierende ist ein leichter Überschuss der schnellere Weg.
Was soll ich abends essen für Muskelaufbau?
Eine normale Mahlzeit mit Eiweiß, Beilage und Gemüse, etwa Fisch mit Kartoffeln. Vor dem Schlafen eignet sich eine Portion mit 30 bis 40 g langsam verdaulichem Eiweiß, zum Beispiel 250 bis 300 g Magerquark. Kohlenhydrate am Abend sind kein Problem.
Brauche ich Proteinshakes für den Muskelaufbau?
Nein. Shakes sind praktisch, wenn du deine Eiweißmenge sonst nicht erreichst. Ob das Eiweiß aus Pulver, Quark oder Linsen kommt, macht für den Muskel keinen Unterschied, solange die Tagesmenge stimmt.
Was wirkt beim Muskelaufbau wirklich?
In dieser Reihenfolge: Krafttraining mit steigender Belastung, genug Eiweiß über den Tag, ein leichter Kalorienüberschuss (oder bei Einsteigern ausgeglichene Bilanz) und ausreichend Schlaf. Unter den Supplements hat nur Kreatin einen klaren zusätzlichen Effekt. BCAA und Testo-Booster kannst du dir sparen.
Quellen
- Morton RW et al. (2018): A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults. Br J Sports Med
- Jäger R et al. (2017): International Society of Sports Nutrition Position Stand: protein and exercise. J Int Soc Sports Nutr
- Schoenfeld BJ, Aragon AA (2018): How much protein can the body use in a single meal for muscle-building? J Int Soc Sports Nutr
- Iraki J et al. (2019): Nutrition Recommendations for Bodybuilders in the Off-Season: A Narrative Review. Sports
- Longland TM et al. (2016): Higher compared with lower dietary protein during an energy deficit combined with intense exercise promotes greater lean mass gain and fat mass loss. Am J Clin Nutr
- Schoenfeld BJ, Aragon AA, Krieger JW (2013): The effect of protein timing on muscle strength and hypertrophy: a meta-analysis. J Int Soc Sports Nutr
- Moore DR et al. (2015): Protein ingestion to stimulate myofibrillar protein synthesis requires greater relative protein intakes in healthy older versus younger men. J Gerontol A Biol Sci Med Sci
- Hevia-Larraín V et al. (2021): High-Protein Plant-Based Diet Versus a Protein-Matched Omnivorous Diet to Support Resistance Training Adaptations. Sports Med