Dehnen: Wann es hilft und wann nicht, vor oder nach dem Sport, mit 8 Dehnübungen

Veröffentlicht am · 11 Min. Lesezeit

Dehnen: Wann es hilft, wann nicht – mit 8 Übungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Statisches Dehnen ab 60 Sekunden pro Muskel senkte die Leistung direkt danach im Schnitt um 4,6 Prozent, kürzere Dehnungen nur um 1,1 Prozent; dynamisches Dehnen steigerte sie um 1,3 Prozent.
  • Dehnprogramme verhinderten in einer Metaanalyse von 25 Studien keine Sportverletzungen (relatives Risiko 0,96), Krafttraining senkte sie auf weniger als ein Drittel.
  • Gegen Muskelkater bringt Dehnen laut Cochrane-Review nur etwa einen Punkt auf einer Skala von 100.
  • Für mehr Beweglichkeit zählt die Wochensumme: ab etwa fünf Minuten Dehnen pro Muskelgruppe und Woche stieg der Bewegungsumfang deutlich.
  • Krafttraining über den vollen Bewegungsweg verbesserte die Beweglichkeit in einer Metaanalyse von elf Studien ähnlich gut wie Dehnen.

Dehnen macht dich beweglicher, schützt aber kaum vor Verletzungen und hilft nicht gegen Muskelkater. Vor dem Sport ist dynamisches Dehnen im Aufwärmen die bessere Wahl. Statisches Dehnen ist dort nur in kurzer Form sinnvoll, denn ab etwa 60 Sekunden pro Muskel sank die Leistung danach im Schnitt um 4,6 Prozent. Wer beweglicher werden will, dehnt nach dem Training oder an einem eigenen Termin, insgesamt mindestens fünf Minuten pro Muskelgruppe und Woche.

Unten findest du, was Studien zu Leistung, Verletzungen, Muskelkater und Beweglichkeit zeigen, den Unterschied zwischen statischem und dynamischem Dehnen, eine Routine mit acht Übungen für etwa zehn Minuten und ein kurzes Aufwärmprogramm für vor dem Sport.

Statisches und dynamisches Dehnen: der Unterschied

Beim statischen Dehnen bringst du einen Muskel langsam in eine gedehnte Position und hältst sie, meist 15 bis 60 Sekunden lang. Das ist die klassische Dehnung, etwa die Wade an der Wand. Beim dynamischen Dehnen bewegst du Gelenke kontrolliert und wiederholt bis an das Ende ihres Bewegungsumfangs, zum Beispiel mit Beinschwüngen oder Ausfallschritten mit Drehung, ohne die Endposition zu halten.

Kurz erklärt: PNF-Dehnen (propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation) kombiniert beides mit Anspannung: Du dehnst den Muskel, spannst ihn dann einige Sekunden gegen Widerstand an, entspannst und dehnst etwas weiter. Es wirkt ähnlich wie statisches Dehnen, ist aber aufwendiger und meist nur mit Partner bequem.

Dazu kommt das ballistische Dehnen mit federnden, schwungvollen Bewegungen in die Endposition. Es ist für Sportarten wie Kampfsport oder Turnen gedacht, für den Alltag brauchst du es nicht.

Was Dehnen bringt: die Studienlage im Überblick

ZielWas Studien zeigenUnsere Empfehlung
Leistung direkt danachstatisch im Schnitt −3,7 %, ab 60 s pro Muskel −4,6 %, unter 60 s −1,1 %; dynamisch +1,3 %vor Kraft, Sprint und Sprung dynamisch aufwärmen, statisch höchstens kurz
Verletzungen vorbeugenDehnen allein ohne messbaren Effekt (RR 0,96); Krafttraining senkte Sportverletzungen auf weniger als ein DrittelKrafttraining und Aufwärmen statt Dehnprogramm
Muskelkatervor dem Sport −0,5, nach dem Sport −1 Punkt auf einer Skala von 100für Muskelkater nicht lohnend
Beweglichkeit kurzfristigmehr Bewegungsumfang, der meist weniger als 30 Minuten anhältdirekt vor Übungen, die viel Beweglichkeit brauchen
Beweglichkeit langfristigwirksam ab etwa 5 Minuten pro Muskelgruppe und Woche; Krafttraining über den vollen Bewegungsweg ähnlich wirksam2 bis 5 Tage pro Woche, 30 bis 60 s pro Übung
Quellen: Behm DG et al. (2016), Lauersen JB et al. (2014), Herbert RD et al. (2011, Cochrane), Thomas E et al. (2018), Afonso J et al. (2021). RR = relatives Risiko, 1 bedeutet kein Unterschied.

Dehnen vor dem Sport: Ja, aber dynamisch

Jahrzehntelang gehörte statisches Dehnen zum Aufwärmen. Dann zeigten Studien, dass gedehnte Muskeln direkt danach etwas weniger Kraft entwickeln. Eine große Übersichtsarbeit von David Behm und Kollegen hat das eingeordnet: Statisches Dehnen senkte die Leistung im Schnitt um 3,7 Prozent, PNF-Dehnen um 4,4 Prozent, dynamisches Dehnen steigerte sie um 1,3 Prozent. Die Dauer machte den Unterschied. Ab 60 Sekunden Dehnung pro Muskel betrug das Minus 4,6 Prozent, darunter nur 1,1 Prozent (Behm et al. 2016).

Eine Auswertung von 106 Studien kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Dehnungen unter 30 Sekunden hatten praktisch keinen Effekt auf die Maximalkraft (−1,1 Prozent), auch 30 bis 45 Sekunden blieben ohne deutliche Wirkung (−1,9 Prozent). Ein spürbarer Leistungsverlust war erst ab 60 Sekunden und mehr wahrscheinlich (Kay und Blazevich 2012).

Dazu kommt ein Detail, das in vielen Ratgebern fehlt: In den meisten Studien wurde wenige Minuten nach dem Dehnen getestet, ohne Aufwärmen dazwischen. Wenn nach dem Dehnen noch dynamische Bewegungen folgten, war kein klarer Leistungsverlust mehr zu sehen. Für Hobbysportler ist der Effekt also klein. Wer aber eine Bestzeit laufen, maximal springen oder schwer heben will, sollte vorher nicht lange statisch dehnen.

Merke: Statisches Dehnen vor Kraft- oder Schnellkrafttraining ist kein Verbot, solange es kurz bleibt: unter 30 bis 60 Sekunden pro Muskel und gefolgt von dynamischem Aufwärmen. Lange Haltezeiten von einer Minute und mehr gehören ans Ende oder auf einen anderen Termin.

Dynamisches Aufwärmen in 6 Minuten

Dieses kurze Programm passt vor Krafttraining, Laufen, Ballsport oder HIIT. Mach zuerst zwei, drei Minuten lockeres Gehen auf der Stelle oder Seilspringen, damit die Muskeln warm werden. Dann je 8 bis 10 Wiederholungen:

  1. Beinschwünge vor und zurück, an der Wand festhalten, je Bein
  2. Beinschwünge seitlich, je Bein
  3. Ausfallschritt nach vorn mit Drehung des Oberkörpers zum vorderen Bein
  4. Tiefe Kniebeuge, unten kurz bleiben, Ellbogen schieben die Knie nach außen, dann hoch
  5. Armschwünge: Arme gestreckt vor dem Körper überkreuzen und weit öffnen
  6. Wadenheben, zügig, auf beiden Beinen

Danach folgen zwei leichte Sätze der ersten Übung deines Trainings, etwa Kniebeugen mit wenig Gewicht. Für Läufer passt zusätzlich ein Lauf-ABC mit Kniehebelauf und Anfersen. Wie du als Laufeinsteiger dein Training aufbaust, steht im Plan Joggen für Anfänger.

Dehnen nach dem Sport und gegen Muskelkater

Gegen Muskelkater hilft Dehnen praktisch nicht. Ein Cochrane-Review mit zwölf Studien fand, dass Dehnen vor dem Sport den Muskelkater am nächsten Tag im Schnitt um einen halben Punkt auf einer Skala von 100 senkte, Dehnen nach dem Sport um einen Punkt. Selbst in der größten Studie, in der über 2.300 Menschen vor und nach dem Sport dehnten, lag der Vorteil beim stärksten Muskelkater der Woche bei vier von 100 Punkten. Die Autoren sprechen von keinem klinisch bedeutsamen Effekt (Herbert et al. 2011).

In derselben großen Studie, die ein norwegisches Team über das Internet mit Freizeitsportlern aus vielen Ländern durchführte, dehnten die Teilnehmenden zwölf Wochen lang vor und nach dem Sport sieben Muskelgruppen je 30 Sekunden. Störende Muskelbeschwerden hatten sie seltener: In einer durchschnittlichen Woche traf es 24,6 Prozent der Dehngruppe und 32,3 Prozent der Kontrollgruppe (Jamtvedt et al. 2010). Wer sich mit Dehnen nach dem Training besser fühlt, hat also nicht nur Einbildung auf seiner Seite. Ein Mittel gegen den Kater nach einem harten Beintraining ist es trotzdem nicht.

Was stattdessen hilft, ist vor allem Geduld und lockere Bewegung. Muskelkater vergeht meist nach wenigen Tagen von selbst und wird mit regelmäßigem Training seltener. Mehr dazu steht im Artikel zum Muskelkater, wie du Pausen und Schlaf sinnvoll einplanst, im Ratgeber zur Regeneration.

Tipp: Nach dem Training ist der beste Zeitpunkt für statisches Dehnen, wenn du beweglicher werden willst. Die Muskeln sind warm, und ein Leistungsverlust spielt keine Rolle mehr. Fünf bis zehn Minuten reichen.

Schützt Dehnen vor Verletzungen?

Kaum. Eine Metaanalyse von 25 Studien mit über 26.000 Sportlerinnen und Sportlern fand für Dehnprogramme keinen schützenden Effekt, das relative Risiko lag bei 0,96 und damit praktisch bei 1. Programme mit Krafttraining senkten die Zahl der Sportverletzungen dagegen auf weniger als ein Drittel, Gleichgewichtstraining auf etwa die Hälfte (Lauersen et al. 2014). Auch die Übersichtsarbeit von Behm fand für statisches Dehnen und PNF keinen klaren Effekt auf Verletzungen insgesamt.

Ganz nutzlos ist Dehnen aber nicht. In der großen Internet-Studie mit 2.377 Teilnehmenden war die Verletzungsrate insgesamt gleich, Verletzungen von Muskeln, Bändern und Sehnen kamen in der Dehngruppe aber etwas seltener vor (0,66 statt 0,88 pro Person und Jahr). Und in Sportarten, die viel Beweglichkeit verlangen, etwa Turnen, Tanz oder Kampfsport, ist Dehnen ohnehin Teil des Trainings.

Für alle anderen gilt: Wer Verletzungen vorbeugen will, investiert die Zeit besser in Krafttraining und ein ordentliches Aufwärmen. Wie du damit anfängst, erklärt unser Ratgeber Krafttraining für Anfänger.

Dehnen für mehr Beweglichkeit: das funktioniert

Beim Bewegungsumfang ist Dehnen wirklich wirksam. Direkt nach dem Dehnen kommst du weiter, dieser Effekt hält aber meist weniger als 30 Minuten (Behm et al. 2016). Langfristig wirst du beweglicher, wenn du regelmäßig dehnst. Eine Auswertung von 23 Studien fand, dass vor allem die Zeit pro Woche zählt: Ab etwa fünf Minuten Dehnen pro Muskelgruppe und Woche stieg der Bewegungsumfang deutlich, statisches Dehnen schnitt dabei besser ab als ballistisches oder PNF, und häufiges Dehnen an mindestens fünf Tagen pro Woche brachte mehr (Thomas et al. 2018). Wie lange eine einzelne Einheit dauerte, hatte dagegen keinen deutlichen Einfluss, es kam auf die Wochensumme an.

Das American College of Sports Medicine empfiehlt Erwachsenen, an mindestens zwei Tagen pro Woche alle großen Muskel-Sehnen-Gruppen zu dehnen, mit insgesamt etwa 60 Sekunden pro Übung (Garber et al. 2011). Dabei wird bis zu einem Punkt gedehnt, an dem du ein deutliches Ziehen spürst, aber keinen Schmerz.

Eine gute Nachricht für alle, die ungern dehnen: Krafttraining über den vollen Bewegungsweg macht ebenfalls beweglicher. Eine Metaanalyse von elf Studien mit 452 Teilnehmenden fand zwischen Krafttraining und Dehnen keinen Unterschied beim Bewegungsumfang (Afonso et al. 2021). Tiefe Kniebeugen, Ausfallschritte, Rumänisches Kreuzheben und Liegestütze bis ganz nach unten dehnen die Muskeln unter Last. Die Studien waren allerdings sehr unterschiedlich aufgebaut, das Ergebnis ist also eine Tendenz, kein endgültiges Urteil.

Dehnroutine: 8 Dehnübungen für den ganzen Körper

Diese Routine dauert etwa zehn bis zwölf Minuten und deckt die Muskeln ab, die bei den meisten am steifsten sind: Waden, Hüftbeuger, Oberschenkel, Gesäß, Innenseite der Oberschenkel, Brust und Brustwirbelsäule. Halte jede Dehnung zweimal 30 Sekunden pro Seite. Atme ruhig weiter und geh beim Ausatmen ein kleines Stück tiefer. Federn brauchst du nicht.

1. Wade an der Wand

Stell dich in Schrittstellung vor eine Wand, die Hände stützen sich in Schulterhöhe ab. Das hintere Bein ist gestreckt, die Ferse bleibt am Boden, die Fußspitze zeigt nach vorn. Schieb die Hüfte nach vorn, bis du in der Wade ein Ziehen spürst. Beugst du das hintere Knie leicht, verlagert sich die Dehnung tiefer zur Achillessehne.

2. Hüftbeuger im Kniestand

Knie dich mit einem Bein auf eine weiche Unterlage, das andere steht vorn im rechten Winkel. Spann den Po der knienden Seite an und schieb die Hüfte langsam nach vorn, bis du vorn an der Hüfte ein Ziehen spürst. Bleib aufrecht, ohne ins Hohlkreuz zu fallen. Wer viel sitzt, spürt diese Dehnung meist am deutlichsten.

3. Oberschenkelvorderseite im Stand

Stell dich aufrecht hin, eine Hand hält sich an Wand oder Stuhllehne. Greif mit der anderen Hand den Fuß derselben Seite und zieh die Ferse Richtung Gesäß. Die Knie bleiben nebeneinander, das Becken kippt leicht nach hinten. Kommst du nicht an den Fuß, nimm ein Handtuch zu Hilfe oder dehne in Seitenlage.

4. Oberschenkelrückseite in Rückenlage

Leg dich auf den Rücken, ein Bein ist aufgestellt. Leg ein Handtuch oder Band um den Fuß des anderen Beins und zieh das gestreckte Bein langsam nach oben, bis du hinten im Oberschenkel eine Dehnung spürst. Der Rücken bleibt flach liegen. Diese Variante ist für den Rücken angenehmer als das Vorbeugen im Stand.

5. Gesäß in Rückenlage

In Rückenlage stellst du beide Füße auf und legst den rechten Knöchel auf das linke Knie, sodass die Beine eine Vier bilden. Greif hinter den linken Oberschenkel und zieh ihn Richtung Brust, bis du die Dehnung im rechten Gesäß spürst. Dann Seitenwechsel. Wem das zu viel ist, lässt den linken Fuß am Boden stehen.

6. Innenseite der Oberschenkel im Sitzen

Setz dich aufrecht hin, die Fußsohlen liegen aneinander, die Knie fallen nach außen. Halte die Füße mit den Händen fest und kipp den Oberkörper mit geradem Rücken leicht nach vorn. Die Ellbogen können sanft auf die Oberschenkel drücken. Wer dabei rund im Rücken wird, setzt sich auf ein gefaltetes Handtuch.

7. Brust am Türrahmen

Stell dich in einen Türrahmen, Unterarm und Handfläche liegen am Rahmen, der Ellbogen auf Schulterhöhe. Mach mit dem Bein derselben Seite einen kleinen Schritt nach vorn und dreh den Oberkörper leicht weg, bis du vorn in Brust und Schulter ein Ziehen spürst. Gut für alle, die viel am Schreibtisch oder am Handy sitzen.

8. Offenes Buch für die Brustwirbelsäule

Leg dich auf die Seite, die Knie sind angewinkelt und liegen aufeinander, die Arme gestreckt vor der Brust. Öffne den oberen Arm in einem großen Bogen zur anderen Seite, der Blick folgt der Hand, die Knie bleiben zusammen. Halte am Ende einige Sekunden und führ den Arm zurück. Statt 30 Sekunden zu halten, machst du hier 8 bis 10 langsame Wiederholungen pro Seite.

ÜbungMuskelDauer
Wade an der WandWadenmuskeln, Achillessehne2 × 30 s je Seite
Hüftbeuger im KniestandHüftbeuger2 × 30 s je Seite
Oberschenkelvorderseite im Standvorderer Oberschenkel2 × 30 s je Seite
Oberschenkelrückseite in Rückenlagehinterer Oberschenkel2 × 30 s je Seite
Gesäß in RückenlageGesäßmuskeln2 × 30 s je Seite
Innenseite der Oberschenkel im SitzenAdduktoren2 × 30 s
Brust am TürrahmenBrustmuskel, vordere Schulter2 × 30 s je Seite
Offenes BuchBrustwirbelsäule, Brust8 bis 10 Wiederholungen je Seite
Quelle: Routine der Redaktion; Dauer nach der ACSM-Empfehlung von etwa 60 Sekunden pro Übung (Garber et al. 2011). Zweimal pro Woche ergibt das zwei Minuten pro Muskelgruppe, fünfmal pro Woche die fünf Minuten, ab denen Thomas et al. (2018) deutliche Zuwächse fanden.

Wie oft und wie lange dehnen?

Für spürbar mehr Beweglichkeit reicht die Routine oben an drei bis fünf Tagen pro Woche, am besten nach dem Training oder abends. Rechne mit einigen Wochen, bis du einen Unterschied merkst, etwa beim Bücken oder bei einer tieferen Kniebeuge. Ein Teil des Fortschritts beruht vermutlich auf einer besseren Dehntoleranz: Das Nervensystem lässt mehr Dehnung zu, bevor es Alarm schlägt.

Wenn du keinen bestimmten Beweglichkeitswunsch hast, sondern einfach etwas für dich tun willst, ist zweimal pro Woche nach der ACSM-Empfehlung genug. Tägliches Dehnen schadet nicht, ist aber auch kein Muss. Sinnvoller ist es, gezielt die Stellen zu dehnen, die dich einschränken, statt jeden Tag dasselbe Programm abzuspulen.

Achtung: Dehn nicht in einen stechenden Schmerz hinein und nicht direkt nach einer frischen Zerrung oder Verletzung, sprich dann vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Physiotherapeutin. Wer sehr überbeweglich ist (Hypermobilität), braucht eher Krafttraining zur Stabilisierung als zusätzliches Dehnen.

Für wen Dehnen besonders sinnvoll ist

Wer turnt, tanzt, Kampfsport oder Yoga macht, braucht viel Bewegungsumfang und dehnt deshalb als Teil des Trainings. Wer viel sitzt, empfindet Dehnungen für Hüftbeuger, Brust und Brustwirbelsäule oft als angenehm, auch wenn sie Rückenschmerzen allein nicht verhindern. Was bei Rückenbeschwerden besser belegt ist, steht im Artikel Rücken stärken. Und im Alter hilft Beweglichkeit im Alltag, etwa beim Anziehen von Socken oder beim Schulterblick im Auto, am besten kombiniert mit Kraft- und Gleichgewichtstraining.

So fängst du an

Dreh die Reihenfolge um, wenn du bisher vor dem Sport lange gedehnt hast: Vor dem Training kommt das dynamische Aufwärmen, danach oder abends die Dehnroutine. Leg dir zwei bis drei feste Tage pro Woche fest, an denen du die acht Übungen machst, und notiere einmal, wie weit du beim Vorbeugen mit den Händen kommst oder wie tief deine Kniebeuge ist. Nach sechs bis acht Wochen misst du nach. Wenn du keine Lust auf Dehnen hast, ist das auch in Ordnung: Krafttraining mit großem Bewegungsweg bringt beim Bewegungsumfang ähnlich viel und schützt nebenbei besser vor Verletzungen.

Häufige Fragen

Soll man vor oder nach dem Sport dehnen?

Vor dem Sport besser dynamisch dehnen, also mit kontrollierten Bewegungen wie Beinschwüngen und Ausfallschritten. Statisches Dehnen mit langem Halten passt besser nach dem Training oder an einen eigenen Termin. Kurze statische Dehnungen unter 30 Sekunden vor dem Sport schaden der Leistung kaum, wenn danach noch dynamisches Aufwärmen folgt.

Hilft Dehnen gegen Muskelkater?

Nein, kaum. Laut Cochrane-Review senkt Dehnen den Muskelkater am Folgetag nur um etwa einen Punkt auf einer Skala von 100. In einer großen Studie traten störende Muskelbeschwerden mit regelmäßigem Dehnen aber etwas seltener auf.

Wie lange sollte man eine Dehnung halten?

Für mehr Beweglichkeit sind 30 Sekunden pro Wiederholung und insgesamt etwa 60 Sekunden pro Übung ein guter Richtwert. Wichtiger als die einzelne Haltezeit ist laut Studien die Wochensumme, mindestens fünf Minuten pro Muskelgruppe. Vor Kraft- oder Sprinttraining solltest du einzelne Dehnungen unter 60 Sekunden halten.

Was ist besser: statisches oder dynamisches Dehnen?

Das hängt vom Zeitpunkt ab. Dynamisches Dehnen eignet sich fürs Aufwärmen, weil es die Leistung nicht senkt, sondern leicht steigern kann. Statisches Dehnen bringt langfristig mehr Beweglichkeit und passt nach dem Training.

Wird man durch Dehnen beweglicher?

Ja. Regelmäßiges Dehnen an mehreren Tagen pro Woche vergrößert den Bewegungsumfang, rechne mit einigen Wochen, bis du einen Unterschied merkst. Krafttraining über den vollen Bewegungsweg wirkt laut einer Metaanalyse ähnlich gut.

Ist es schlimm, wenn man nie dehnt?

Für die meisten nicht, solange sie sich regelmäßig bewegen und Krafttraining über den vollen Bewegungsweg machen. Vor Verletzungen schützt Dehnen allein kaum. Sinnvoll wird es, wenn dich eine eingeschränkte Beweglichkeit im Alltag oder Sport stört oder deine Sportart viel Beweglichkeit verlangt.

Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und belegen ihn mit Quellen. Er ersetzt aber keine persönliche Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Diätologin. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Praxis. Mehr dazu: So arbeiten wir.

Quellen

  1. Behm DG et al. (2016): Acute effects of muscle stretching on physical performance, range of motion, and injury incidence in healthy active individuals: a systematic review. Appl Physiol Nutr Metab
  2. Kay AD, Blazevich AJ (2012): Effect of acute static stretch on maximal muscle performance: a systematic review. Med Sci Sports Exerc
  3. Lauersen JB, Bertelsen DM, Andersen LB (2014): The effectiveness of exercise interventions to prevent sports injuries: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Sports Med
  4. Herbert RD, de Noronha M, Kamper SJ (2011): Stretching to prevent or reduce muscle soreness after exercise. Cochrane Database Syst Rev
  5. Jamtvedt G et al. (2010): A pragmatic randomised trial of stretching before and after physical activity to prevent injury and soreness. Br J Sports Med
  6. Thomas E et al. (2018): The Relation Between Stretching Typology and Stretching Duration: The Effects on Range of Motion. Int J Sports Med
  7. Afonso J et al. (2021): Strength Training versus Stretching for Improving Range of Motion: A Systematic Review and Meta-Analysis. Healthcare (Basel)
  8. Garber CE et al. (2011): American College of Sports Medicine position stand. Quantity and quality of exercise for developing and maintaining cardiorespiratory, musculoskeletal, and neuromotor fitness in apparently healthy adults. Med Sci Sports Exerc

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