Muskelkater: Was wirklich hilft, wie lange er dauert und ob du trotzdem trainieren kannst

Veröffentlicht am · 12 Min. Lesezeit

Muskelkater: Was wirklich hilft und wie lange er dauert

Das Wichtigste in Kürze

  • Muskelkater entsteht durch winzige Verletzungen in den Muskelfasern nach ungewohnter oder exzentrischer Belastung und ist 24 bis 72 Stunden nach dem Training am stärksten.
  • Laktat ist etwa eine Stunde nach dem Training wieder auf dem Ausgangswert; beim Bergablaufen steigt es kaum an, verursacht aber besonders viel Muskelkater.
  • Leichte Bewegung senkte den Schmerz in einer Studie direkt danach um rund 40 %, Massage war in einer Meta-Analyse von 99 Studien die wirksamste Methode; schneller verheilt der Muskel durch beides nicht.
  • Dehnen linderte Muskelkater laut Cochrane-Analyse nur um 0,5 bis 1 Punkt auf einer Skala von 100, für Magnesium gibt es nur zwei kleine Studien mit 9 und 22 Personen.
  • Eine einzige ungewohnte Belastung schützt den Muskel mindestens sechs Monate lang teilweise vor erneutem Muskelkater (Repeated-Bout-Effekt).

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Gegen Muskelkater helfen vor allem leichte Bewegung und Massage, beides lindert den Schmerz spürbar, aber meist nur für einige Stunden. Muskelkater setzt verzögert ein, meist erst am Tag nach dem Training, ist 24 bis 72 Stunden danach am stärksten und klingt in der Regel innerhalb einer Woche von selbst ab. Er entsteht durch winzige Verletzungen in den Muskelfasern, nicht durch Milchsäure. Dehnen bringt laut Cochrane-Analyse praktisch nichts, Magnesium nur in kleinen Studien etwas.

Die gute Nachricht: Muskelkater ist harmlos und kommt beim zweiten Mal deutlich schwächer. Unten liest du, was im Muskel passiert, wie lange es dauert, welche Mittel laut Studien helfen und welche nicht, ob du trotzdem trainieren kannst und wann aus Muskelkater ein Fall für die Ärztin wird.

Was ist Muskelkater?

Fachleute sprechen von DOMS, delayed onset muscle soreness, also verzögert einsetzendem Muskelschmerz. Gemeint ist eine leichte Form der Muskelverletzung. Eine Übersichtsarbeit von Sportmedizinern aus Erlangen, Köln und Wuppertal beschreibt sie als mikroskopisch kleine Schäden in den Muskelzellen, ausgelöst durch ungewohnte oder exzentrische Belastung. Danach baut der Körper beschädigtes Eiweiß ab, und es kommt zu einer örtlichen Entzündungsreaktion. Erst diese Reparaturphase macht den Muskel empfindlich, deshalb tut er nicht beim Training weh, sondern am nächsten oder übernächsten Tag (Hotfiel et al. 2018).

Exzentrisch heißt: Der Muskel arbeitet, während er gedehnt wird. Das passiert beim Bergablaufen, beim Absenken in die Kniebeuge, beim langsamen Ablassen einer Hantel oder auf der Treppe nach unten. Solche Bewegungen verursachen Mikroverletzungen häufiger und stärker als andere (Cheung et al. 2003). Darum bekommst du nach einer Bergwanderung Muskelkater in den Oberschenkeln, obwohl der Aufstieg viel anstrengender war.

Typische Beschwerden sind Druckschmerz, steife Muskeln, eingeschränkte Beweglichkeit, manchmal eine leichte Schwellung. Und die Muskeln sind schwächer: Muskelkater verringert die Kraft und den Bewegungsumfang, was du beim Training merkst.

Mythos Laktat: Muskelkater ist keine Milchsäure

Die Erklärung, Muskelkater komme von Milchsäure im Muskel, hält sich hartnäckig. Sie ist seit den 1980er-Jahren widerlegt. Laktat, das Salz der Milchsäure, ist innerhalb von etwa einer Stunde nach dem Training wieder auf dem Ausgangswert, Muskelkater beginnt aber erst Stunden später. Dazu passt ein Versuch aus dieser Zeit: Beim Bergablaufen stieg das Laktat im Blut gar nicht an, beim Laufen in der Ebene schon, Muskelkater bekamen aber die Bergabläufer. Auch konzentrisches Training, etwa Radfahren mit hohem Stoffwechselumsatz, führt kaum zu Muskelkater (zusammengefasst bei Sonkodi 2022, mit Bezug auf Schwane et al. 1983).

Der Vollständigkeit halber: Einzelne Forscher vermuten, Laktat könnte über Nervenendigungen im Muskel an der Entstehung mitwirken. Das ist eine Hypothese, die Mehrheit der Fachwelt sieht die Ursache in den Mikroverletzungen. Für dich ist es ohnehin egal, denn gegen Laktat „ausspülen“ hilft beim Muskelkater nichts.

Merke: Das Brennen während eines harten Satzes und der Muskelkater am nächsten Tag sind zwei verschiedene Dinge. Das Brennen ist nach Minuten vorbei, der Muskelkater kommt meist erst am nächsten Tag und hat mit Laktat nichts zu tun.

Muskelkater: Wie lange dauert er?

Der Verlauf ist fast immer gleich. In den ersten Stunden nach dem Training merkst du wenig. Meist am Abend oder am nächsten Morgen wird der Muskel empfindlich, am stärksten sind die Beschwerden zwischen 24 und 72 Stunden danach (Hotfiel et al. 2018). Danach lässt es nach, nach etwa einer Woche ist auch starker Muskelkater in aller Regel verschwunden. Die meisten Studien zum Thema verfolgen ihre Teilnehmenden deshalb fünf bis sieben Tage lang. Die Kraft braucht manchmal etwas länger als der Schmerz, um wieder auf dem alten Stand zu sein.

Wie stark und lang er ausfällt, hängt von drei Dingen ab: wie ungewohnt die Bewegung war, wie viel exzentrische Arbeit drin war und wie viel du insgesamt gemacht hast. Am heftigsten trifft es Menschen, die nach langer Pause wieder einsteigen, neue Übungen ausprobieren oder bei einem Lauf viel bergab gehen. Hält ein Schmerz länger als eine Woche an oder wird er nach dem dritten Tag stärker statt schwächer, ist es vermutlich kein Muskelkater mehr, sondern eine Zerrung oder etwas anderes.

Was hilft gegen Muskelkater? Die Studienlage

Gegen Muskelkater werden Dutzende Mittel verkauft, von Kältekammer bis Magnesiumgel. Die Studien dazu sind meist klein und kurz, und in vielen wussten die Teilnehmenden, was sie bekamen. Gerade bei Schmerzen verzerrt das die Ergebnisse leicht. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was Meta-Analysen und kontrollierte Studien zeigen.

MaßnahmeWas Studien zeigenBeleglageUnser Urteil
Leichte BewegungSchmerz direkt danach rund 40 % geringer, nach einigen Stunden wieder wie vorher; Heilung nicht schnellerkleine Studien, übereinstimmendhilft gegen den Schmerz, kostet nichts
Massagewirksamste Methode gegen Muskelkater und Müdigkeit in einer Meta-Analyse von 99 Studienmäßig, viele kleine Studienlohnt sich, wenn verfügbar
Kältebad (unter 15 °C)etwas weniger Muskelkater nach 24 bis 96 Stunden; regelmäßig nach Krafttraining weniger Muskel- und Kraftzuwachsniedrig (Cochrane, 17 kleine Studien)vor Wettkämpfen ok, nicht nach jedem Krafttraining
Kompressionskleidungkleine bis mittlere Linderungmäßigkann man probieren
FaszienrolleSchmerzempfinden um etwa 6 % geringer21 Studien, kleiner Effektnett, aber kein Wundermittel
Dehnen0,5 bis 1 Punkt weniger Schmerz auf einer Skala von 100niedrig bis mäßig (Cochrane, 12 Studien)bringt gegen Muskelkater nichts
Auslaufen, Cool-downkein deutlicher Effekt auf MuskelkaterÜbersichtsarbeitschadet nicht, hilft hier kaum
Magnesium (Tabletten)in zwei kleinen Studien (9 und 22 Personen) etwas weniger Muskelkaterschwachnur bei Mangel sinnvoll, BfR-Höchstmenge beachten
Magnesium-Gelkein Unterschied zu Placeboeine Studie, 35 PersonenGeld sparen
Ibuprofenlindert Schmerz; hoch dosiert über Wochen halbierter Muskelzuwachseine Studie, 31 Personennicht gegen normalen Muskelkater
Quellen: Zainuddin et al. (2006), Appl Physiol Nutr Metab; Dupuy et al. (2018), Front Physiol; Bleakley et al. (2012), Cochrane Database Syst Rev; Roberts et al. (2015), J Physiol; Wiewelhove et al. (2019), Front Physiol; Herbert et al. (2011), Cochrane Database Syst Rev; Van Hooren und Peake (2018), Sports Med; Reno et al. (2022), J Strength Cond Res; Steward et al. (2019), Eur J Appl Physiol; Coates et al. (2025), Int J Sport Nutr Exerc Metab; Lilja et al. (2018), Acta Physiol. Urteil: Einschätzung der Redaktion.

Leichte Bewegung: das beste Hausmittel

Bewegung ist das wirksamste Mittel gegen den Schmerz, der Effekt hält aber nicht lange an (Cheung et al. 2003). Eine australische Studie hat das genau gemessen. 14 Personen trainierten beide Arme mit harten exzentrischen Bewegungen. An den vier Folgetagen machte ein Arm 600 lockere Beuge- und Streckbewegungen fast ohne Kraftaufwand, der andere nichts. Direkt danach waren Schmerz und Druckempfindlichkeit im bewegten Arm um rund 40 % geringer. Über die Woche gerechnet erholten sich aber beide Arme gleich schnell (Zainuddin et al. 2006).

Ein Spaziergang, lockeres Radfahren oder ein paar leichte Wiederholungen der Übung, die den Muskelkater ausgelöst hat, machen den Tag also angenehmer. Schneller weg ist der Muskelkater dadurch nicht.

Massage, Kälte und Kompression

Eine Meta-Analyse aus Frankreich hat 99 Studien zu Erholungsmethoden ausgewertet. Aktive Erholung, Massage, Kompressionskleidung, Kälte- und Wechselbäder sowie Kältekammern verringerten den Muskelkater in unterschiedlichem Ausmaß, Massage am stärksten. Dehnen, Elektrostimulation und andere Verfahren brachten nichts (Dupuy et al. 2018). Eine professionelle Massage zwei Tage nach einem Halbmarathon ist also keine Esoterik.

Beim Kältebad ist die Sache zwiespältig. Die Cochrane-Analyse von 17 kleinen Studien mit 366 Teilnehmenden fand nach Bädern unter 15 °C etwas weniger Muskelkater an den Folgetagen, bewertete die Studienqualität aber als niedrig (Bleakley et al. 2012). Und wer regelmäßig Kraft trainiert, sollte vorsichtig sein: In einer Studie aus Australien setzten sich 21 Männer zwölf Wochen lang nach jedem Training 10 Minuten in kaltes Wasser oder erholten sich stattdessen aktiv mit leichter Bewegung. Die Gruppe ohne Kälte legte mehr Kraft und Muskelmasse zu (Roberts et al. 2015). Kälte dämpft offenbar genau die Signale, die den Muskel wachsen lassen.

Tipp: Willst du Muskeln aufbauen, verzichte nach dem Krafttraining auf Eisbad und Eistonne. Hebe Kälte für Situationen auf, in denen du am nächsten Tag fit sein musst, etwa zwischen zwei Wettkampftagen.

Dehnen und Faszienrolle

Dehnen gegen Muskelkater ist einer der ältesten Ratschläge im Sport und einer der am besten widerlegten. Die Cochrane-Analyse von zwölf Studien kommt auf eine Linderung um einen halben Punkt (Dehnen vorher) bis einen Punkt (Dehnen nachher) auf einer Schmerzskala von 0 bis 100. Selbst in der größten Studie mit 2.377 Teilnehmenden waren es nur vier Punkte. Die Autoren halten das für klinisch bedeutungslos (Herbert et al. 2011). Wann Dehnen trotzdem sinnvoll ist, etwa für die Beweglichkeit, steht in unserem Ratgeber zum Dehnen.

Die Faszienrolle schneidet etwas besser ab. In einer Meta-Analyse von 21 Studien verringerte Rollen nach dem Training das Schmerzempfinden um rund 6 % und milderte den Kraftverlust leicht. Die Autoren halten die Effekte insgesamt für gering und die Rolle eher zum Aufwärmen für sinnvoll, weil sie kurzfristig beweglicher macht (Wiewelhove et al. 2019). Wenn dir das Rollen guttut, spricht nichts dagegen. Eine einfache, mittelharte Rolle reicht, Modelle mit Vibration oder Noppen brauchst du nicht. Eine Auswahl findest du unter Faszienrolle bei Amazon*.

Muskelkater und Magnesium

Magnesium wird gern gegen Muskelkater empfohlen. Es gibt zwei kleine, placebokontrollierte Studien mit positivem Ergebnis. In der einen nahmen 22 Studierende zehn Tage lang 350 mg Magnesium, ihr Muskelkater nach Bankdrücken war danach um 1 bis 2 Punkte auf einer 6-Punkte-Skala geringer, in der Placebogruppe änderte sich nichts (Reno et al. 2022). In der anderen bekamen neun Läufer bei magnesiumarmer Kost 500 mg am Tag. Ihr Muskelkater nach einem 10-km-Lauf bergab ging schneller zurück, Leistung und Kraft verbesserten sich aber nicht (Steward et al. 2019). Ein Magnesiumgel zum Einreiben brachte in einer Studie mit 35 Personen dagegen gar nichts (Coates et al. 2025).

Unsere Einschätzung: Das ist zu dünn für eine Empfehlung. Beide Studien lagen zudem über der Menge, die das Bundesinstitut für Risikobewertung als Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt, nämlich 250 mg pro Tag, verteilt auf zwei Portionen. Wer wenig Vollkorn, Nüsse und Hülsenfrüchte isst, kann einen Mangel haben, dann ist ein Präparat sinnvoll, unabhängig vom Muskelkater. Ob das auf dich zutrifft, klärt unser Ratgeber zu Magnesium.

Schmerzmittel

Ibuprofen lindert Muskelkater, ist aber keine gute Idee, wenn du trainierst, um stärker zu werden. In einer schwedischen Studie nahmen 31 junge Erwachsene acht Wochen lang täglich 1.200 mg Ibuprofen oder 75 mg Acetylsalicylsäure, während sie die Beine trainierten. Mit Ibuprofen wuchs der vordere Oberschenkel nur um 3,7 %, mit der niedrigen ASS-Dosis um 7,5 % (Lilja et al. 2018). Für einen harmlosen Muskelkater lohnen sich die Nebenwirkungen nicht. Nimmst du Schmerzmittel aus anderen Gründen regelmäßig, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du daran etwas änderst.

Muskelkater schnell loswerden: was du heute tun kannst

Eine Methode, die Muskelkater über Nacht verschwinden lässt, gibt es nicht. Du kannst ihn aber deutlich erträglicher machen. Beweg die betroffenen Muskeln locker, etwa mit einem Spaziergang von 20 bis 30 Minuten oder ein paar Minuten auf dem Rad. Lass dich massieren oder massiere selbst, mit den Händen oder der Faszienrolle. Eine warme Dusche oder ein Bad empfinden viele als angenehm. Gute Belege gegen Muskelkater gibt es dafür zwar nicht, schaden kann es aber auch nicht.

Ansonsten gilt für Muskelkater das Gleiche wie für jede Erholung: genug schlafen und ausreichend Eiweiß essen, damit der Muskel das Material für die Reparatur hat. Was nach dem Training sonst wichtig ist und wie lange du zwischen zwei Einheiten pausieren solltest, steht im Ratgeber Regeneration nach dem Training.

Mit Muskelkater trainieren: geht das?

Ja, mit Anpassungen. Leichter Muskelkater ist kein Grund, eine geplante Einheit ausfallen zu lassen. Nach dem Aufwärmen ist er oft kaum noch zu spüren. Bei starkem Muskelkater rät eine Übersichtsarbeit, Intensität und Umfang für ein bis zwei Tage zu senken oder Muskelgruppen zu trainieren, die weniger betroffen sind (Cheung et al. 2003). Hast du nach dem Beintraining starken Muskelkater in den Oberschenkeln, kannst du also problemlos Oberkörper trainieren oder locker schwimmen.

Vorsicht ist bei schnellen, explosiven Bewegungen geboten. Muskelkater senkt Kraft und Beweglichkeit, und der Körper weicht auf ungewohnte Bewegungsmuster aus. Dadurch landet mehr Last auf Sehnen und Bändern, was das Risiko für weitere Verletzungen erhöhen kann (Cheung et al. 2003). Sprints, Sprünge und schwere Maximalversuche verschiebst du deshalb besser, bis der Muskelkater abgeklungen ist.

Eine Faustregel aus der Praxis: Kannst du die Übung schmerzfrei mit sauberer Technik aufwärmen, darfst du sie auch trainieren, eventuell mit etwas weniger Gewicht. Musst du humpeln oder kommst nicht in die volle Bewegung, gönn dem Muskel noch einen Tag.

Warum Muskelkater beim zweiten Mal schwächer ist

Wer nach der ersten Kniebeugen-Einheit drei Tage lang die Treppe fürchtet, merkt nach der zweiten oft kaum noch etwas. Fachleute nennen das den Repeated-Bout-Effekt: Eine einzige ungewohnte Belastung schützt den Muskel vor Schäden durch die nächste. Dahinter stecken vermutlich mehrere Anpassungen, im Nervensystem, in den mechanischen Eigenschaften des Muskels und im Bindegewebe um die Muskelfasern (Hyldahl et al. 2017).

Der Schutz hält erstaunlich lange. In einer japanischen Studie trainierten 35 Studenten ihre Armbeuger zweimal mit harter exzentrischer Belastung, im Abstand von sechs, neun oder zwölf Monaten. Nach sechs Monaten waren Muskelkater und Schwellung beim zweiten Mal noch geringer als beim ersten, nach neun Monaten erholte sich zumindest die Kraft schneller, nach zwölf Monaten war der Effekt verschwunden (Nosaka et al. 2001).

Daraus folgt die beste Vorbeugung: langsam einsteigen. Führe neue Übungen, Bergläufe oder exzentrische Belastungen über ein bis zwei Wochen schrittweise ein (Cheung et al. 2003). In der ersten Woche eines neuen Programms reichen zwei Sätze pro Übung. Wie ein solcher Einstieg aussieht, zeigt unser Ratgeber Krafttraining für Anfänger, für das Training ohne Geräte der Plan für Muskelaufbau zuhause.

Ist Muskelkater ein Zeichen für gutes Training?

Nein. Muskelkater zeigt, dass eine Belastung ungewohnt war, nicht dass sie wirksam war. Eine Studie aus São Paulo hat das an Muskelproben gezeigt. In der ersten Trainingswoche waren die Muskelschäden am größten und der Muskel baute viel Eiweiß auf, das aber vor allem der Reparatur diente und mit dem späteren Wachstum nichts zu tun hatte. Nach drei und zehn Wochen waren die Schäden kaum noch messbar, und erst jetzt hing der Eiweißaufbau eng mit dem Muskelwachstum zusammen (Damas et al. 2016).

Für dich heißt das: Wenn der Muskelkater nach einigen Wochen nachlässt, trainierst du nicht zu leicht, sondern dein Muskel hat sich angepasst. Ob du Fortschritte machst, siehst du an steigenden Gewichten und Wiederholungen in deinem Trainingsbuch, nicht daran, wie sehr es am nächsten Tag zieht.

Warnsignale: Wann Muskelschmerzen gefährlich sind

In seltenen Fällen zerfällt nach extremer Belastung so viel Muskelgewebe, dass die Bruchstücke die Nieren überlasten. Diese Rhabdomyolyse kann durch Extremsport ausgelöst werden, der den Körper überfordert, etwa einen Marathon ohne Training. Weitere Auslöser sind unter anderem Alkohol, Drogen, Infekte und bestimmte Medikamente, etwa Fibrate zusammen mit Statinen. Typisch sind starke Muskelschmerzen, Muskelschwäche und rötlich-brauner Urin. Eine vergleichsweise häufige Komplikation ist akutes Nierenversagen, bei dem weniger oder gar kein Urin mehr gebildet wird (gesund.bund.de 2021).

Achtung: Geh sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn nach dem Training der Urin rötlich-braun oder dunkel wie Tee wird, die Muskeln extrem schmerzen, stark anschwellen oder deutlich schwächer sind, oder du kaum noch Wasser lassen kannst. Das ist kein Muskelkater mehr.

Ebenfalls abklären lassen solltest du Schmerzen, die plötzlich während des Trainings einschießen, sich wie ein Stich oder Riss anfühlen, einen Bluterguss bilden oder nach einer Woche nicht besser sind. Das spricht eher für eine Zerrung oder einen Faserriss.

Häufige Fragen

Was hilft am schnellsten gegen Muskelkater?

Leichte Bewegung und Massage. Lockere Bewegungen der betroffenen Muskeln senkten den Schmerz in einer Studie direkt danach um rund 40 %, allerdings nur für einige Stunden. Massage schnitt in einer Meta-Analyse von 99 Studien am besten ab. Schneller weg ist der Muskelkater durch beides nicht, er klingt meist innerhalb einer Woche ab.

Wie lange dauert Muskelkater?

Er beginnt meist am Tag nach dem Training, ist 24 bis 72 Stunden danach am stärksten und klingt in der Regel innerhalb einer Woche ab. Hält der Schmerz länger an oder wird er nach dem dritten Tag stärker, lass ihn ärztlich abklären.

Kann ich mit Muskelkater trotzdem trainieren?

Ja. Bei leichtem Muskelkater trainierst du normal, bei starkem senkst du ein bis zwei Tage lang Gewicht und Umfang oder trainierst andere Muskelgruppen. Sprints, Sprünge und Maximalversuche verschiebst du, bis der Muskelkater abgeklungen ist, weil Kraft und Koordination noch eingeschränkt sind.

Hilft Magnesium gegen Muskelkater?

Möglicherweise ein wenig, aber die Belege sind schwach. Zwei kleine Studien mit 22 und 9 Personen fanden mit 350 bzw. 500 mg pro Tag etwas weniger Muskelkater, ein Magnesiumgel wirkte gar nicht. Das BfR empfiehlt aus Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 250 mg Magnesium pro Tag.

Kommt Muskelkater von Laktat?

Nein. Laktat ist etwa eine Stunde nach dem Training wieder auf dem Ausgangswert, Muskelkater beginnt erst Stunden später. Beim Bergablaufen entsteht kaum Laktat, aber besonders viel Muskelkater. Ursache sind winzige Verletzungen in den Muskelfasern und die Entzündungsreaktion bei ihrer Reparatur.

Wachsen meine Muskeln auch ohne Muskelkater?

Ja. Muskelkater zeigt nur, dass eine Belastung ungewohnt war. In einer Studie mit Muskelproben hing das Muskelwachstum gerade dann eng mit dem Eiweißaufbau zusammen, als die Muskelschäden nach einigen Wochen kaum noch messbar waren. Fortschritt erkennst du an steigenden Gewichten, nicht am Muskelkater.

Wir recherchieren jeden Artikel sorgfältig und belegen ihn mit Quellen. Er ersetzt aber keine persönliche Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Diätologin. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Praxis. Mehr dazu: So arbeiten wir.

Quellen

  1. Hotfiel T et al. (2018): Advances in Delayed-Onset Muscle Soreness (DOMS): Part I: Pathogenesis and Diagnostics. Sportverletz Sportschaden
  2. Sonkodi B (2022): Should We Void Lactate in the Pathophysiology of Delayed Onset Muscle Soreness? Not So Fast! Metabolites
  3. Herbert RD, de Noronha M, Kamper SJ (2011): Stretching to prevent or reduce muscle soreness after exercise. Cochrane Database Syst Rev
  4. Bleakley C et al. (2012): Cold-water immersion (cryotherapy) for preventing and treating muscle soreness after exercise. Cochrane Database Syst Rev
  5. Dupuy O et al. (2018): An Evidence-Based Approach for Choosing Post-exercise Recovery Techniques to Reduce Markers of Muscle Damage, Soreness, Fatigue, and Inflammation. Front Physiol
  6. Zainuddin Z et al. (2006): Light concentric exercise has a temporarily analgesic effect on delayed-onset muscle soreness, but no effect on recovery from eccentric exercise. Appl Physiol Nutr Metab
  7. Nosaka K et al. (2001): How long does the protective effect on eccentric exercise-induced muscle damage last? Med Sci Sports Exerc
  8. Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG (2021): Rhabdomyolyse. gesund.bund.de

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